Aachen - Kanalsanierung: Täglich bebt das ganze Haus

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Kanalsanierung: Täglich bebt das ganze Haus

Von: Nils Heinichen
Letzte Aktualisierung:
Mit schwerem Gerät ist die St
Mit schwerem Gerät ist die Stawag im Soerser Weg im Einsatz. Anwohner klagen über starke Erschütterungen an ihrem Haus. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Friedel Lender und seine Frau Marianne (Namen geändert) wohnen schon seit Jahren gemeinsam in der Aachener Soers. Eigentlich ist das eine ruhige und schöne Gegend. Seit rund drei Monaten aber macht ihnen eine Baustelle direkt vor der Haustür allerdings zu schaffen.

Aufgrund einer Kanalsanierung - genauso wie in der Rolandstraße (wir berichteten) - wurde im Soerser Weg die Straße aufgerissen, um die technischen Mängel zu beheben.

„Unser Problem besteht darin, dass in unregelmäßigen Abständen unser Haus stark vibriert und erschüttert wird - und das täglich”, berichtet Friedel Lender. „Das soll keine Kritik an der Arbeit der Stawag sein. Wir wissen, dass die Arbeiten gemacht werden müssen. Die Bauarbeiter sind auch alle sehr nett, aber wir haben einfach Angst, dass etwas mit unserem Haus beziehungsweise unseren Wertgegenständen passieren könnte”, sagt der 80-jährige Rentner.

Das Ehepaar Lender steht mit seiner Angst nicht alleine da. „Auch unsere Nachbarn machen sich Sorgen. Viele sind für längere Zeit verreist, weil ihnen wirklich mulmig ist”, erklärt Marianne Lender. „Wir können leider nicht weg, wir haben Tiere”, fährt sie fort.

Jeden Tag wird das Ehepaar von einer starken Erschütterung des Hauses geweckt. „Ausschlafen funktioniert kaum noch. Um acht Uhr ist man hellwach”, erklärt die Rentnerin. „Es fühlt sich an wie ein Erdbeben. Dann ist es kurz weg, und plötzlich kommt es wieder”, schildert die Anwohnerin die Situation.

Vor Beginn der Bauarbeiten wurde das Ehepaar über die Arbeiten informiert, wusste jedoch nichts über die Art und Weise der Tätigkeiten im Soerser Weg. „Wir konnten uns ein Video anschauen, das uns über die Arbeiten aufklärte. Das fanden wir sehr gut, doch was diese ständigen Vibrationen verursacht und wie sich das auswirkt, wissen wir nach wie vor nicht”, meint Friedel Lender.

Wegen der häufigen Erschütterungen sorgt sich das Ehepaar vor allem um allerlei Haushaltsinventar. Durch das enorme Vibrieren fallen immer wieder Gegenstände von den Schränken. Auch Elektrogeräte könnten in Mitleidenschaft gezogen werden, fürchten Friedel und Marianne Lender. „Die Nerven liegen blank. Ich traue mich manchmal schon gar nicht mehr zu bügeln oder zu waschen, aus Angst, dass es wieder bebt und irgendetwas kaputt geht”, erzählt die Rentnerin. „Manchmal ist es ganz extrem. Da fallen sogar Dachplatten von den Dächern. Dann habe ich wirklich das Gefühl, dass jeden Moment das Haus zusammenstürzt”, fügt sie an.

„Uns ist das bewusst”, sagt Stawag-Sprecherin Corinna Bürgerhausen. Die Kanalbaumaßnahme in der Soers sei sehr aufwändig, da müsse schweres Gerät eingesetzt werden.

Deshalb hat das Unternehmen nicht nur sogenannte Erschütterungsmesser installiert, die die Stärke der Stöße registrieren sollen. Vor Beginn der Arbeiten wurden zudem Aufnahmen von den Häusern gemacht, sowohl die Fassaden als auch die Innenräume wurden abgelichtet. So könnten mögliche Risse oder andere Schäden als Folge der Buddelei später dokumentiert werden. „Das würde dann von der Versicherung reguliert”, betont Bürgerhausen.

Wann genau die Bauarbeiten abgeschlossen sein werden, steht noch nicht fest. Die Stawag hofft, im November fertig zu werden. „Wir haben für die Sanierung vollstes Verständnis, erhoffen uns allerdings für die verbleibende Bauzeit eine Anlaufstelle bei der Stawag, um Probleme kundtun zu können”, sagt Friedel Lender. „Wir wollen einfach nur die Gewissheit haben, dass kein Anlass zur Sorge besteht.”

Die Stawag-Sprecherin kann diese Sorge verstehen und bemüht zum Trost das Beispiel Annastraße. Dort seien seinerzeit die Kanalbauarbeiten wegen Bodenbeschaffenheit, Tiefe und dem Abstand zu den Häusern ähnlich schwierig gewesen wie in der Soers. Auch dort habe es mitunter kräftig gerummst, „aber es ist alles gut gegangen”.
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