Kammermusik mal wörtlich: Klänge und Ambiente stimmen

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Premiere in passender Umgebung: Das Kammermusikfestival eröffnet den ersten Abend unter dem Titel „Wie früher“ mit Musik von Dowland bis Bach. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wer bislang noch nicht die Gelegenheit hatte, die von den „Frankenb(u)ergern“ liebevoll hergerichteten Innenräume der Frankenberger Burg zu sehen, hat jetzt eine weitere Möglichkeit: Das Kammermusikfestival „heartmade in Aachen“ feierte am Donnerstagabend ganz oben unterm Dach Premiere und wird auch heute und morgen noch Musik vom Feinsten in besonderem Ambiente anbieten.

„Wie früher“ lautete die Überschrift des ersten Abends und nahm das Genre „Kammermusik“ wörtlich. Denn der kleine Raum mit Dachschrägen und rohen Holzbalken – zu erreichen über eine steile Wendeltreppe – ist tatsächlich eine Kammer. Angemessen zart und intim agierten die sechs Aachener Musiker, die sonst als Orchestermusiker und Opernsänger ganz andere Bühnen und Klangräume gewöhnt sind. Selbst Posaune und Oboe blieben stets zurückhaltend und konzentrierten sich auf das Agile der Musik, nicht auf das Opulente.

Renaissance im ersten Teil

Die Renaissance – sie bestimmte den ersten Teil des zweistündigen Abends – kommt ohnedies deutlich empfindsamer daher, als die festliche, zugleich in klaren Formen klingende Barockmusik, die nach der Pause auf dem Programm stand. Patricio Arroyo (Gesang), Saman Maroofi (Barockposaune) und Vicente Bögeholz (Gitarre) präsentierten in wechselnden Besetzungen Musik von Diego Ortiz, Alonso Mudarra, John Dowland, Gaspar Sanz und Claudio Monteverdi. Arroyo begeisterte mit einem klaren lyrischen Tenor, der alle Empfindungen von Dowland wie von Monteverdi direkt ins Herz transportierte. Maroofi glänzte mit großer Beweglichkeit bei gleichzeitiger Zurückhaltung. Bögeholz sorgte für die nötige Prise Temperament.

Sonate für Oboe und Cembalo

Highlight des zweiten Teils war die dem Bach-Sohn Carl Phillipp Emanuel zugeschriebene Sonate g-moll für Oboe und obligates Cembalo, das in der Frankenberger Burg durch einen Flügel ersetzt wurde. Pianistin Julia Okruashvili verfolgte dennoch ihren Klavierpart mit schöner Klarheit. Blanca Gleisner erhielt so einen wunderbar strukturierten Raum für ihr virtuoses Oboenspiel. Zuvor war Okruashvili diese klare Struktur bei aller Verwobenheit in der Klavierbearbeitung von „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (BWV 645) nicht so gelungen.

Felix Giglberger, Konzertmeister des Sinfonieorchesters, bekam zusammen mit Okruashvili den letzten Auftritt des Abends mit Johann Sebastian Bachs Sonate Nr. 4 c-moll für Violine und obligates Cembalo. Man hätte sie auch für obligate Holzdiele nennen können, denn die quietschte unter Giglbergers Fuß leider fröhlich mit. Ein Standortwechsel hätte seinem Auftritt sicher gut getan und auch Okruashvili optisch nicht so in den Hintergrund gedrängt.

Im Ganzen war die Premiere von „haertmade in Aachen“ aber überaus erfolgreich und machte Lust auf mehr.

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