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Kalverbenden: 99 Wohnungen sollen saniert werden

Von: Werner Czempas
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Schön anzusehen, aber sanierungsbedürftig: Die Wohnanlagen im Heimatstil, hier an der Ecke Kalverbenden/Spaakallee, sollen modernisiert werden. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Müssen wir hier ausziehen?“ Die bange Frage hört die SPD-Ratsfrau Rosa Höller-Radtke in letzter Zeit häufig in ihrem Burtscheider Wahlbezirk. Bei den Mietern der städtischen Wohn- und Gartensiedlung Kalverbenden 62-100 und Spaakallee 1-5/2-6 in Burtscheid werden Sorgen genährt, seit durchgesickert ist, dass die Stadt überlegt, die 99 Wohneinheiten und eine Gewerbeeinheit zu modernisieren.

Wer in der Burtscheider Siedlung vorbeispaziert, erkennt auch als Laie, dass die städtischen Häuser in einem miserablen Zustand sind. Anfang der 1920er Jahre wurden sie „im typischen Heimatstil“ errichtet. Zuletzt wurden sie Anfang der 1980er Jahre teilsaniert. Die Siedlung mit drei verschiedenen Wohnhaustypen steht unter Denkmalschutz.

„Ist mit den Bewohnern denn schon geredet worden? Wollen die das überhaupt?“, fragte jetzt im Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss Rosa Höller-Radtke. Meist wohnten alte Menschen dort, schon lange, und junge Familien mit Kindern, alle mit kleinen Einkommen. Nach ihrer Erkenntnis, fürchtet Höller-Radtke, könnten es sich die meisten Mieter nicht leisten, nach einer Modernisierung dort weiter zu wohnen.

Solche Befürchtungen versuchen die Verwaltung und die städtische Wohnungsgesellschaft Gewoge zu beschwichtigen. In der Vorlage für den Ausschuss heißt es: „Ein sozialverträgliches Umzugsmanagement soll dazu führen, dass möglichst viele der heutigen Mieter nach der Modernisierung in ihre Wohnungen zurückkehren oder eine andere Wohnung in der Siedlung beziehen können.“

Auch CDU-Fraktionschef Harald Baal versicherte: „Die Mieterstruktur soll sich nicht verändern.“ Wie Höller-Radtke kennt auch der Burtscheider Baal die Verhältnisse in der Siedlung. „Normal verdienende Menschen“ wohnten dort, es gehe keineswegs um „Luxus-Immobilien“.

CDU und Grüne hatten gemeinsam das Modernisierungskonzept beantragt. Es soll neben der energetischen Modernisierung, also einer Senkung der Betriebs- und Energiekosten, den Wohnstandard an heutige Wohnbedürfnisse anpassen. Weshalb denn auch Martina Hörmann von den Grünen mahnte, zuerst einmal abzuwarten, was bei der Machbarkeitsstudie überhaupt herauskomme, alles andere sei „jetzt Kaffeesatzlesen“.

CDU und Grünen gehe es darum, die Siedlung mit ihren „Häusern in katastrophalem Zustand“ im städtischen Bestand zu halten. Die Studie solle auch angeben, welche Mieten nach einer Modernisierung zu zahlen seien. Hörmann: „Wir wollen, dass möglichst viele Mieter drinbleiben.“

Mitte Juni liege das Modernisierungskonzept vor, erklärte Joachim Weniger von der Gewoge. In der Juli-Sitzung werde der Ausschuss erneut informiert. Mit den Mietern habe die Gewoge noch keinen Kontakt aufgenommen, weil erst die Studie aufzeigen solle, was machbar sei. Aus Sicht der Gewoge seien mindestens sieben Bauabschnitte erforderlich. In der Verwaltungsvorlage heißt es dazu: „Spätestens zum Baubeginn des 1. Bauabschnitts, zum Beispiel Kalverbenden 96-100, muss dieser von den Mietern freigezogen und eine damit verbundene Umsetzung erfolgt sein.“

Wird modernisiert, rechnet die Gewoge nach einer ersten „groben Kostenschätzung“ (Weniger) mit zwölf Millionen Euro Aufwand für die Sanierungsmaßnahmen. Die sollen bis 2020 dauern. „Erschreckend hohe Kosten“, stöhnte Manfred Kuckelkorn (SPD) auf. „So viel Geld“, wunderte sich auch Joachim Moselage (FDP) über einen Modernisierungspreis von rund 2000 Euro pro Quadratmeter. Allein der Denkmalschutz, erwiderte Joachim Weniger für die Gewoge, sei ein „enormer Kostenfaktor“. Auch das Trockenlegen der „durchnässten Keller“ werde aufwendig.

Häuser in die Gärten?

Ein schwarz-grünes Wort-Geplänkel amüsierte am Rande. „Des weiteren soll neben den Fragen der Modernisierung“, erläuterte die Verwaltung die Ziele der Machbarkeitsstudie, „die Möglichkeit einer denkmal- und bewohnerverträglichen Nachverdichtung der Mietergartengrundstücke im rückwärtigen Bereich der Gebäude Kalverbenden 70-84 und Spaakallee 2-6 untersucht werden.“ Im Klartext: Gärten weg, neue Wohnblocks hin. Sei von CDU und Grünen nicht beantragt, sagte Baal, sei es wohl, sagte Hörmann. Und die Grüne zitierte den schwarz-grünen „Nachverdichtungs“-Antrag. „Bewohnerverträglich, also nicht gegen den Willen der Mieter“, wehrte sich Christdemokrat Baal listig. Joachim Weniger konnte das Scharmützel beenden. Wenn auch einige Gärten in der Siedlung sehr gepflegt, andere aber „eher ein Schandfleck“ seien, gehe es bei einer Nachverdichtung gar nicht um die Gärten, sondern um eine größere Wiese hinter den Häusern. Die werde derzeit allenfalls als „Pony-Wiese“ genutzt.

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