Aachen - Kaiserplatzgalerie: Neue Kritik am Großprojekt

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Kaiserplatzgalerie: Neue Kritik am Großprojekt

Von: Georg Dünnwald
Letzte Aktualisierung:
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Die Ladeninhaber, die in der Kleinen Adalbertstraße ihre Geschäfte führen, beklagen sich über den „unhaltbaren Zustand” der Einkaufsmeile.

Aachen. Der neugierige Fahrgast, der am Kaiserplatz auf die Aseag-Linie 2 wartet und sich dabei langweilt, wagt sicher einen Blick durchs Din-A-4-große Bauzaunfenster der geplanten Kaiserplatzgalerie - dort, wo ehedem der Gloria-Palast stand.

Dahinter sieht er die Abrissspuren, viel Müll türmt sich auf dem Bauschutt, direkt hinter dem Holzzaun liegt gerollter Nato-Stacheldraht. Man kann ihn durch das „Loch” im Zaun anfassen und dabei ahnen, welch schlimme Verletzungen sich zufügt, wer über den hohen Zaun klettert und auf die andere Seite rutscht. Der Stacheldraht soll das Baugelände schützen, auf dem sich nach wie vor nichts tut.

„Es geht nicht weiter mit der Kaiserplatzgalerie”, sagt Ratsherr Horst Schnitzler (UWG), gleichzeitig einer der Sprecher der Bürgerinitiative „Kaiserplatzgalerie? Nein Danke.” Investor Hans Kahlen habe ein Jahr zu spät den Bauantrag für das 240-Millionen-Euro-Projekt eingereicht, und den nicht einmal komplett. „Wegen eines nicht genehmigungsfähigen Bauantrags verzögert sich der Baubeginn um mindestens einen Monat. Eigentlich sollten ja schon im Mai die Bagger rollen”, behauptet Schnitzler.

Der Antrag befasse sich nur unzureichend mit der Entwässerung des Grundstücks, was Baudezernentin Gisela Nacken bestätigt: „Da muss nachgebessert und Unterlagen müssen nachgereicht werden, die Pläne zur Entwässerung sind noch nicht ausreichend.” Kaiserplatzgalerie-Projektmanager Herbert Dierke teilt mit, dass die Unterlagen nun alle bei der Stadt sind. „Es ist alles so umfangreich, dass es schon passieren kann, dass einige wenige Sachen fehlen, das ist eigentlich normal.”

Schnitzler allerdings stellt die Frage, warum nicht „ein unvollständiger Bauantrag Gelegenheit sein sollte, den vorhabenbezogenen Bebauungsplan zu überarbeiten und das riesige Einkaufszentrum ein paar Nummern kleiner zu fahren und auf das geplante 600-Plätze-Parkhaus ganz zu verzichten”. Die Hälfte der geplanten Einkaufsfläche würde reichen, ist Schnitzler überzeugt. Zumal er daran zweifelt, dass tatsächlich ein finanzstarker Ankermieter gefunden sei.

„Monopoly”

Der UWG-Politiker, der im Rat als Einzelkämpfer sitzt, streitet seit geraumer Zeit gegen die Kaiserplatzgalerie in der geplanten Form. „Kleine Geschäftsleute werden aus der eigentlich attraktiven Kleinen Adalbertstraße verdrängt, fast nicht wieder gut zu machende Tatsachen sind geschaffen worden, Herr Kahlen spielt eine Art Monopoly am Standort”, ereifert sich Schnitzler. Kahlen spiele auf Zeit, „nur der Schiedsrichter fehlt, der ihm deswegen die Gelbe Karte zeigt”. So wie Kahlen agiere, gehe das auf Kosten der Ladeninhaber. Und diese haben Schnitzler und seine Mitstreiter von der Bürgerinitiative gleich zur Pressekonferenz mit eingeladen.

Die Einzelhändler in der Kleinen Adalbertstraße beklagen denn auch Umsatzeinbrüche zwischen 30 und 90 Prozent. „In diesen Teil der Adalbertstraße wagt sich doch keiner mehr hin”, sagt Otto van Grinsven, der als Lizenznehmer das Beate-Uhse-Geschäft führt. Hamid Reza Ketabi, Inhaber der Pizzeria Mangiare, hegt schwerste Befürchtungen: „Der Straßenteil verkommt zusehends. Wohnungen und Geschäfte stehen leer, was sollen wir nur machen?” Attraktiv sei die Lage nicht mehr. Der Investor müsse gezwungen werden, die leerstehenden Ladenlokale wieder zu vermieten.

„Die Stadt macht uns das Leben schwer”, sagt van Grinsven und fordert, dass die Einkaufsmeile zu einer Art Basar umgerüstet wird. Dazu gehöre auch, dass Verkaufsstände und sogenannte Passantenstopper vor die Geschäfte gestellt werden dürfen. „Wenn wir das machen, verteilt die Stadt Knöllchen”, kritisiert van Grinsven.

Von der Interessen- und Standortgemeinschaft (ISG) Kleine Adalbertstraße fühlt er sich im Stich gelassen: „Wir als Mitglieder zahlen 70 Euro im Monat, aber die tun nichts.” Was ISG-Geschäftsführer Oliver Mohr bestreitet. „Natürlich tun wir was, aber unsere Kasse ist permanent leer.”

So habe die ISG dafür gesorgt, dass die gesamte Schaufensterfront von Philipp Leisten bald als Werbefläche genutzt werden darf, „die Auslagen zahlreicher Leerstände dürfen von den Geschäften genutzt werden.” Allerdings, 13 Läden stünden leer, gibt Mohr zu. Und beklagt sich ebenfalls: „Die ISG hat zu wenig Mitglieder, deshalb auch zu wenig Mittel.” Wenn die Stadt endlich in der Lage sei, eine Satzung zu konstruieren, würde jeder Hauseigentümer und Ladenbesitzer pflichtgemäß ISG-Mitglied werden und der Beitrag von der Stadt eingezogen, „das würde helfen”.

Mohr verweist auf die Beleuchtung von St. Adalbert in der Weihnachtszeit und die Puffelparade vor Karneval: „Das waren Zeichen, die wir gesetzt haben, mehr ist zurzeit nicht drin.”
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