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Kaiserplatz-Galerie: Wohnraumfrage bleibt strittig

Von: Gerald Eimer
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Ein Viertel im Umbruch: Der Häuserblock zwischen Adalbertsberg und Harscampstraße am Kugelbrunnen soll ebenfalls bald einem Neubau weichen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die Planungspolitiker haben den Weg freigemacht, in unmittelbarer Nachbarschaft zur geplanten Kaiserplatz-Galerie größere Verkaufsflächen zu schaffen: Ein bislang noch als „Mischgebiet“ geltender Häuserblock zwischen Adalbertsberg und Harscamp­straße wird zu einem „Kerngebiet“ umgewidmet. Planungsrechtlich können dadurch größere Einkaufsflächen geschaffen werden. Die Kehrseite: Wohnraum wird an dieser Stelle verschwinden.

Noch sind auf dem Areal unweit des Kugelbrunnens 1500 Quadratmeter Wohnfläche vorhanden. Doch nach dem Willen der Investoren von ECE und Strabag, die auch die Kaiserplatz-Galerie errichten wollen, werden nach Abriss und Neubau nur 900 Quadratmeter neue Wohnfläche an gleicher Stelle entstehen. Zumindest die Politiker machten fraktionsübergreifend in nichtöffentlicher Sitzung deutlich, dass sie ECE und Strabag damit nicht aus der Verantwortung entlassen wollen.

Wenn der Wohnraum nicht eins zu eins an gleicher Stelle wieder hergestellt werden kann, so ihre Forderung, dann müssten die fehlenden Quadratmeter an anderer Stelle innerhalb des Alleenrings gebaut werden. Die entsprechenden Verhandlungen mit den Investoren soll die Verwaltung umgehend aufnehmen.

Doch die könnten schwierig werden, denn der Tonfall zwischen Investoren und Stadt soll durchaus rauer geworden sein. Auf Anfrage erklärte Rainer Maria Schäfer, Geschäftsführer der Kölner Real-Estate-Strabag, am Freitag: „Wir planen 900 Quadratmeter Wohnraum, und das war‘s.“ Näher äußern wollte er sich nicht, weil er den Beschluss der Politiker noch nicht kannte.

Die Kritiker der geplanten Einkaufslandschaft entlang der Adalbertstraße fürchten bereits, dass die Stadt eine schlechte Verhandlungsposition hat: Schon allzu lange leidet das Viertel unter der dortigen Trümmerlandschaft. Da könne die Stadt kaum Forderungen stellen, die eine Bebauung weiter verzögern. Harald Baal, Vorsitzender im Planungsausschuss (CDU), sieht das hingegen anders: „Die Investoren wollen ja zügig zu Potte kommen.“ Er rechnet daher in der Wohnraumfrage mit einem schnellen Einlenken.

Im Vorfeld haben stets auch SPD, Grüne und Linke deutlich gemacht, wie wichtig ihnen der Erhalt von Wohnraum in der Innenstadt ist. „Es macht ja den besonderen Charme der Innenstadt aus, dass sie so belebt ist. Das wollen wir erhalten“, sagt Norbert Plum (SPD). Dass nicht die volle Qua­dratmeterzahl an gleicher Stelle entstehen kann, will er nun ebenso akzeptieren wie Linken-Kollege Andreas Müller: „In der Summe muss es stimmen.“

Wohnungsbau müsse für den Investor kein Verlustgeschäft sein, meint Müller: „Damit kann man auch Geld verdienen.“ Gleichwohl kam von ihm die einzige Gegenstimme gegen die Umwidmung des umstrittenen Areals zum Kerngebiet. „Wir halten die Kaiserplatz-Galerie schon im Standardformat für zu groß“, sagt er. Alle anderen Fraktionen halten den nun vollzogenen Schritt hingegen für kosnsequent. Schon jetzt sei rundum der gesamte Bereich von Einzelhandel geprägt, meint Maike Schlick (CDU). Da könne man ein Teilstück nicht länger als Mischgebiet behandeln.

Unterdessen betonte Strabag-Chef Schäfer am Freitag nochmals, dass es sich bei den Planungen zwischen Adalbertsberg und Hars­campstraße um ein von der Kaiserplatz-Galerie strikt getrenntes Bauvorhaben handelt. „Das wird ein separates Geschäftshaus.“

Die Belastungen in dem Viertel werden dadurch freilich nicht geringer. Möglichst schon im Sommer soll sowohl mit dem Bau der Kaiserplatz-Galerie als auch mit dem benachbarten Haus begonnen werden. Möglichst zum Weihnachtsgeschäft 2015 sollen dann beide eröffnet werden.

Die Bürgerinitiative „Kaiserplatzgalerie? Nein Danke!“ blickt der Entwicklung mit Schaudern entgegen. Alt eingesessenem Einzelhandel werde „mit einem ruinösen Verdrängungswettbewerb der Garaus gemacht“, meinen die Sprecher Christoph Allemand und Horst Schnitzler. „Nachhaltige Stadtentwicklung zum Nutzen aller geht anders.“

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