Aachen - Kaiserplatz-Galerie: Die Archäologen nehmen die Arbeit auf

Kaiserplatz-Galerie: Die Archäologen nehmen die Arbeit auf

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
Archäologisches Fenster der e
Archäologisches Fenster der etwas anderen Art: Auf dem Areal an der Adalbertstraße haben Archäologen gestern die Voruntersuchungen des Geländes eingeleitet. Es gilt als Indiz, dass es doch noch ein ernsthaftes Interesse am Thema Kaiserplatz-Galerie gibt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Überraschender Anblick auf Aachens bedeutendstem Trümmerfeld: Eine Fachfirma hat am Mittwoch archäologische Voruntersuchungen entlang der Adalbertstraße eingeleitet. Es ist ein deutliches Indiz dafür, dass das Thema Kaiserplatz-Galerie immer noch nicht abgehakt ist.

Zwar wollten sich die Archäologen vor Ort nicht äußern, dennoch zeichnet sich ab, dass sie in Kürze im Auftrag künftiger Investoren ihre Arbeit aufnehmen werden und sogenannte archäologische Schnitte auf dem Areal zwischen Kaiserplatz und Adalbertsberg erstellen.

Da das Gelände innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer liegt, muss beim Bau mit historischen Funden gerechnet werden. Die wissenschaftlichen Voruntersuchungen dienen auch dazu, Risiken für Bauherren zu minimieren und teure Verzögerungen während der Bauphase zu verhindern.

Das gesteigerte Interesse an möglichen Bodenfunden lässt somit auf ernsthafte Bauabsichten schließen und dürfte somit auch bei den Planungspolitikern auf Wohlwollen stoßen, die sich am Freitag im Planungsausschuss (ab 17 Uhr im Ratssaal) erneut mit den Plänen für den Einkaufspalast befassen wollen.

Dort geht es um einen reinen Sachstandsbericht, kündigt Ausschussvorsitzender Harald Baal (CDU) an, Beschlüsse werden nicht gefasst. Zur Euphorie bestehe trotz der Bodenuntersuchungen bislang kein Anlass. Zu oft habe es in der Vergangenheit Versprechen und Ankündigungen gegeben, die nicht eingehalten wurden.

Stadtviertel im Niedergang

Das Endlos-Thema Kaiserplatz-Galerie ist seit den ersten Abrissarbeiten im Juni 2007 für die Aachener Politik und Verwaltung eines der unangenehmsten Kapitel der letzten Jahre, bei dem ein ganzes Stadtviertel seinen Niedergang erleidet.

Verantwortlich dafür wird die Projektentwicklungsgesellschaft PEA gemacht, einst Ideengeber und Vorbereiter für das 240-Millionen-Projekt. „Mit denen wollen wir nichts mehr zu tun haben”, sagt Baal heute stellvertretend für seine Kollegen und die Verwaltung. Alle Hoffnungen ruhen daher darauf, dass PEA die Grundstücke alsbald an die beiden Interessenten Strabag aus Köln und ECE aus Hamburg verkauft, die das Einkaufszentrum errichten und betreiben wollen.

Das wird allgemein als einzig realistische Chance gesehen, eine bereits im Mai eingeleitete Kehrtwende doch noch zu stoppen. Im Frühsommer hat die Politik bekanntlich die Reißleine gezogen und den Bebauungsplan für die Kaiserplatz-Galerie gekippt.

Die Marschrichtung ist seitdem klar: Im Oktober sollen die Programmberatungen für einen neuen Bebauungsplan beginnen, der eine deutlich kleinteiligere Bebauung mit vielen Wohnungen und mehr Grün vorsehen soll und spätestens in anderthalb Jahren den endgültigen Abschied von der Kaiserplatz-Galerie nach sich ziehen würde. Wie lange es bis zu einer Verwirklichung der neuen Pläne dauern würde, weiß niemand. Eine weitere jahrelange Brache im Herzen der Stadt wäre die absehbare Folge.

Es ist ein Horrorszenario, das einzig durch einen Ankauf von Strabag und ECE noch abgewendet werden kann. „Dann könnte es beim alten Bebauungsplan bleiben”, deutet auch Baal an, der genau wie seine Kollegen das Einkaufszentrum noch nicht endgültig abschreiben will.

Zu den weiteren Entwicklungen und zum Stand der Grundstücksverhandlungen wollten sich am Mittwoch weder die städtische Planungsdezernentin Gisela Nacken noch PEA-Geschäftsführer Herbert Pontzen äußern. „Es müsste in diesem Monat zum Schwur kommen”, hieß es am Mittwoch von Seiten der Politik.

Nackens Einschätzung der Dinge wird somit mit Spannung im heutigen Planungsausschuss erwartet. Anders als zunächst angekündigt, wird sie voraussichtlich im öffentlichen Teil berichten. Das Rock-Konzert gegen die Galeriepläne am Kaiserplatz wird verschoben

Das für Samstag, 1. September, geplante Rock-Konzert gegen die Pläne für die Kaiserplatz-Galerie muss verschoben werden. „Wir haben die Finanzierung für die Bühne nicht hinbekommen”, erklärt Horst Schnitzler, Sprecher der Bürgerinitiative „Kaiserplatzgalerie - Nein danke!”. Zahlreiche Bands hatten ihre Zusage bereits gegeben, bei dem Musikfestival am Adalbertsberg aufzutreten.

Die Sponsorenwerbung sei jedoch zu schwierig gewesen, sagt Schnitzler. Denn ein Großteil der angesprochenen Geldgeber teile nicht unbedingt die Meinung der Bürgerinitiative. So will Schnitzler, der selbst musikalisch aktiv ist, nun seine Tontechnik mit entsprechender Anlage zur Verfügung stellen. Mit einem neuen Finanzierungsmodell soll das Festival möglicherweise Ende September, Anfang Oktober doch noch stattfinden. Ob die Aktion dann auch tatsächlich open air am Adalbertsberg über die Bühne geht, ist aber noch offen.

Dennoch will die Bürgerinitiative „Kaiserplatzgalerie - Nein danke!” am Samstag, 1. September, erneut mit einer kleineren Aktion auf sich und ihre Ideen aufmerksam machen. Hängende Gärten sollen begrünt werden und eine „Wunschtafel” wird aufgehängt, auf der die Bürger ihre Gedanken zu dem maroden Areal am Kaiserplatz notieren können. „Es gibt aber auch noch einige Überraschungen”, verspricht Schnitzler. (akai)
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert