Aachen - Kahlschlag am Straßenrand

Kahlschlag am Straßenrand

Von: Udo Kals
Letzte Aktualisierung:
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Grünpflege oder Kahlschlag? Auch an der Krefelder Straße in Aachen hat der Landesbetrieb Straßenbau roden lassen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ob an der B 57 zwischen Würselen und Aachen, an der Landstraße 246 bei Nideggen oder an einigen Autobahnabschnitten nicht nur in der hiesigen Region: Kahle Stümpfe, gefällte Bäume, Stapel mit Geäst, wohin der Autofahrer nur blickt. Die Arbeiter haben dieser Tage am Straßenrand ganze Arbeit geleistet und hinterlassen einen Anblick, der Naturschützern wie Josef Tumbrinck gar nicht gefällt.

„Seit einigen Jahren hat der Landesbetrieb Straßen.NRW die Gehölzpflege am Straßenrand intensiviert – und wir haben seitdem auch schon massiven Ärger miteinander gehabt“, sagt der Landesvorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) in NRW. „Doch die ziehen das durch. Und auch in diesem Jahr gibt es Abschnitte, in denen weit übers Ziel hinausgeschossen wird, in denen weitaus mehr Bäume als nötig abgeholzt werden.“

Dabei betont Tumbrinck: „Rodungen müssen sein, um die Verkehrssicherheit auf den Straßen zu gewährleisten.“ Wenn dies möglichst naturverträglich geschehe, umso besser. Doch das, was mancherorts passiere, gehe über das Notwendige hinaus, sei zu radikal. „Wir verabschieden uns sukzessive von der früher gewollten Eingrünung der Straßen und bewegen uns auf niederländische Verhältnisse zu“, beklagt er: „Die Autobahnen sind bei unseren Nachbarn teilweise vollkommen baumfrei.“

Dies ist aus Nabu-Sicht umso dramatischer, als wegen des Artenrückgangs selbst Grünzüge entlang vielbefahrener Straßen eine große Bedeutung bekommen. „Je mehr Agrarflächen wir bekommen, desto höher steigt der Wert solcher Bäume und Sträucher.“

Neu ist die Klage nicht. Und so langsam entwickelt sich der Streit um die winterlichen Rodungen zu einem Ritual. Vor drei Jahren war es, als Tumbrinck erstmals so richtig auf die Pauke schlug. Richtig geändert, sagt er, habe sich seither nichts. „Wir kommen an den Landesbetrieb bei diesem Punkt nicht heran.“ Einen Grund dafür sieht Tumbrinck darin, dass „der Landesbetrieb unter einem ökonomischen Druck“ stehe. Weil er nicht mehr aus dem Vollen schöpfen könne, würden andere Einnahmequellen gesucht, zum Beispiel das Holz entlang der Straßen.

Die Pflegearbeiten werden vom Landesbetrieb oftmals ausgeschrieben und ausgelagert. Die beauftragten Firmen dürften das geschlagene Holz auf eigene Rechnung verkaufen, ein lukratives Geschäft. Im Gegenzug bieten die Firmen dem Landesbetrieb ihre Leistungen vergleichsweise günstig an. Das Problem für die Naturschützer ist, dass die Firmen oft mehr Holz schlagen, als eigentlich nötig wäre.

Die Zeit drängt

Dem wirtschaftlichen Argument widerspricht der Landesbetrieb energisch. Bei der Gehölzpflege gehe es nicht um Gewinne, sagt Bernd Aulmann. „Natürlich sieht der Einschlag teilweise brutal aus“, räumt der Landesbetrieb-Sprecher ein. Doch gefällt werden nur solche Bäume, die eine Gefahr darstellen.

Dass dies in diesen Wochen so viele seien, hänge mit dem harten Winter des Vorjahres und den nun milden Temperaturen zusammen. „Wegen des strengen Winters wurde im vergangenen Jahr weniger geschnitten. Statt Schnee zu räumen, können nun die Rückschnitte gemacht werden, die im vergangenen Winter liegen geblieben sind“, sagt Aulmann. Dabei drängt mittlerweile ein bisschen die Zeit. Nur noch bis zum 28. Februar dürften die Bäume geschnitten werden.

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