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Kämpfer gegen jeden Sozialabbau: Willi Jentgens ist tot

Von: Alfred Stoffels
Letzte Aktualisierung:
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Von 1986 bis 2001 DGB-Chef in Aachen: Willi Jentgens starb mit 68 Jahren. Foto: Wolfgang Plitzner

Aachen. Nach längerer Krankheit ist Willi Jentgens, von 1986 bis 2001 DGB-Vorsitzender in Aachen, im Alter von 68 Jahren gestorben. Der gelernte Schriftsetzer war zeit seines Lebens ein einsatzfroher Kämpfer für die Rechte der Arbeitnehmer, noch ein Streiter von altem Schrot und Korn, wobei er nie aus dem Blick verlor, was sinnvoll und machbar war.

Er sah sich immer als Mann des Konsenses, konnte aber zu großer Form auflaufen, wenn ihm die Ungerechtigkeiten zu schreiend und politische Entscheidungen zu unbedarft vorkamen - da machte er auch vor der eigenen Partei, der SPD, nicht halt.

Weihnachten 1940 in Stolberg-Zweifall geboren (wo er zuletzt auch wieder wohnte), war Jentgens nach Volksschule und Lehre als Schriftsetzer tätig und engagierte sich schon früh bei der damaligen IG Druck und Papier. Anschließend arbeitete er in Köln und Aachen als hauptamtlicher Rechtssekretär des DGB, im November 1986 wurde er - überraschend und im Rahmen einer Kampfkandidatur - Vorsitzender des DGB in Aachen.

Ob der Christdemokrat Kohl regierte oder der Sozialdemokrat Schröder - wenn er antigewerkschaftliche Umtriebe der jeweiligen Regierung zu erkennen glaubte, schonte Willi Jentgens weder Feind noch Freund und machte mobil gegen neoliberale Zumutungen aller Art. „Sozialabbau”, das war der Vorgang , der ihn verlässlich auf die Barrikaden brachte. Zur Situation der Gewerkschaften sagte er einmal: „Wir stehen in einem ungeheuren Abwehrkampf.” Er sah natürlich, wohin der Hase lief, aber Resignation war seine Sache nie - die Hoffnung, ein paar Dinge zugunsten der Arbeitnehmer „umdrehen” zu können, hat er nicht aufgegeben.

Keine Frage, dass sich Jentgens im Kampf gegen rechte Umtriebe immer wieder und mit großem Engagement einschaltete. Mehr als einmal wurde der DGB unter seiner Führung zum Ausgangspunkt für gezielte Aktionen gegen Rechts.

Ständige Herausforderung

In seine Amtszeit fiel der Neubau des DGB-Gebäudes an der Dennewartstraße, wo sich viele Einzelgewerkschaften und die örtliche DGB-Spitze unter einem Dach versammelten. Trotz allen Einsatzes konnte der Chef nicht verhindern, dass die Zahl der organisierten Gewerkschafter auch in Aachen kontinuierlich abnahm - direkte Folge der zunehmenden Arbeitslosigkeit. Für Jentgens stellte diese Entwicklung eine ständige Herausforderung dar; mit Genugtuung wird er registriert haben, dass seit kurzem wieder eine Trendumkehr zu beobachten ist.

„Ein feiner Kerl”, sagt Heinz Kaulen, amtierender Vorsitzender der DGB-Region NRW Süd-West, über seinen direkten Vorgänger in Aachen, „eine lange Wegstrecke sind wir gemeinsam gegangen”. Kollegialität sei eine der herausragenden Eigenschaften von Willi Jentgens gewesen. Konsequent habe er die Wahrnehmung von Arbeitnehmerinteressen betrieben, „allerdings ohne engstirnig zu sein. Er hat immer die Rahmenbedingungen berücksichtigt, er wusste, was möglich ist und was nicht”. Und er habe stets über den Tellerrand geguckt, in größeren Zusammenhängen gedacht, „er war einfach kooperativ”, sagt Kaulen, der lange Jahre DGB-Chef in Düren war.
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