KAB will zunehmende Armut nicht dulden

Von: Georg Dünnwald
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2500  Fragebögen zur Situatio
2500 Fragebögen zur Situation von Arbeitnehmern hat die KAB eingesammelt. Nun sind Ralf Welter (rechts) und seine Mitstreiter gespannt auf das Ergebnis der Auswertung. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Arbeit kann ganz schön sein” ist das Credo der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), die sich selbst als Sozialverband vorstellt. Damit Arbeit aber schön ist, müsse sie sich lohnen.

Sprich: Anerkennung bringen und soziale Sicherheit schaffen. „Nach dem KAB-Prinzip ?sehen - urteilen - handeln hatte die Diözesanleitung der KAB eine Kampagne gestartet, um herauszufinden, was die Leute darüber denken, wie die zukünftige Aufteilung der Lebenszeit in Erwerbsarbeit, ehrenamtliche und private Arbeit sinnstiftend gestaltet werden kann”, erklärt Diözesanleiter Ralf Welter.

Als Beilage zur Kampagne servierte die KAB einen mehrere Seiten umfassenden Fragebogen. Etwa 2500 ausgefüllte Exemplare kamen zurück. „Die Mehrzahl ist von Nichtmitgliedern ausgefüllt worden”, sagt Welter. Die würden jetzt von Prof. Liane Schirra-Weirich von der Katholischen Fachhochschule (Katho) Aachen ausgewertet. Selbstverständlich sei der Datenschutz gewährleistet.

Volkes Meinung wollen die KAB-Mitglieder durch den Fragebogen erfahren. „Wir sind schon sehr gespannt, was bei der Auswertung herauskommen wird”, sagt Agnes Schnieders, die keinen Hehl daraus macht, was sie über bestehende Zeiten denkt. „Wir brauchen eine andere Gesellschaftsform”, ist sie überzeugt. „20 Prozent der Menschen haben keinen oder nur einen prekären Zugang zum Arbeitsmarkt, die Gesellschaft wird diesen nicht gerecht”, erläutert sie. Vor allem in der Städteregion rangierten die Minijobs an der Spitze, „weit über dem Durchschnitt”, behauptet Welter.

Grund sei, dass in Stadt und Altkreis vor allem Dienstleistungskräfte beschäftigt würden. „Das muss man sich mal vorstellen. Nur in Deutschland und Österreich gibt es Minijobs. In anderen Ländern werden Teilzeitkräfte zu Tarifbedingungen eingestellt”, erregt sich Welter. Und viele dieser Minijobs seien zudem in einen „fragmentarischen Arbeitsablauf integriert. Das heiße nichts anderes als eine Abrufbereitschaft, die von morgens bis abends gelte. „Da ist dann gar nichts geregelt.”

Grundeinkommen

Deshalb steht auch im Mittelpunkt der KAB-Forderungen das „bedingungslose Grundeinkommen”. Die KABler sind sich sicher: Es würden auch bei einem bedingungslosen Einkommen mehr Menschen arbeiten, als sich das jetzt die Gegner eines solchen vorstellen können. Das würde auch die Angst nehmen, die mittlerweile in der Bevölkerung herrscht. „Die Angst vor der Prekarisierung. Es gibt 900.000 Leiharbeiter in Deutschland, die dieselbe Arbeit leisten wie das Stammpersonal, aber längst nicht denselben Lohn haben”, unterstreicht Klaus Heck, ein zurzeit arbeitsloser Sozialarbeiter, der sich bei der KAB engagiert, ohne Mitglied zu sein.

In der Kampagne wurden nun Fragen gebündelt. „Denn wir müssen grundsätzlich die Frage nach dem Menschenbild stellen”, weiß Agnes Schnieders. Silvia Hinrichs, die bei der KAB mitmacht, erzählt in diesem Zusammenhang von der totalen Resignation, die sie beispielsweise bei den Tafel-Kunden ausgemacht hat. „Es wird durchaus wahrgenommen, dass die soziale Gerechtigkeit fehlt.”

Was die KAB umtreibt, ist die zunehmende Armut. „Nirgendwo in Europa klafft die Einkommensschere so weit auseinander wie in Deutschland”, ist Welter verärgert. Früher habe ein Manager das 40-fache eines Facharbeiters verdient, heute sei es bereits das 280-fache. Die Regierung sei beratungsresistent, da sei es auch kein Wunder, wenn sich die Menschen abwenden würden. Gängelei der Arbeitslosen sei an der Tagesordnung, bemängelt Silvia Hinrichs. „Menschen, die in Jobzentren Hilfe suchen, werden abgewiesen. Dies auch, weil dort viele Mitarbeiter krank werden. Wir sitzen alle in einem Boot, das müssen doch die Hilfesuchenden und die Mitarbeiter endlich wahrnehmen”, sagt sie resolut. Klaus Heck schreibt denen ins Stammbuch, die sich an Stammtischen über das „faule Pack” aufregen, dass sie mehr nachdenken und sich informieren müssten: „Es gibt sogar Hundertprozent-Sperren und, was noch viel schlimmer ist, sogar die Mietzahlung wird hin und wieder eingestellt, was aber nicht rechtens ist.”

Jetzt warten die KAB-Mitarbeiter auf die Auswertung des umfangreichen Fragebogens und wollen mit dem Ergebnis ihre Kampagne fortsetzen.
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