Aachen - Juweliere im Fadenkreuz internationaler Gangster

Juweliere im Fadenkreuz internationaler Gangster

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Peeter K. (31) wusste am Dienstag eines genau: „Ich war bei dieser Sache nicht dabei!” Dabei hat der aus Estland stammende Mann eine durchaus einschlägige Vergangenheit als Juwelenräuber.

Seit Dienstag muss er sich vor der 1. Großen Strafkammer des Aachener Landgerichts wegen eines Überfalls vom Januar 2003 in Aachen verantworten.

Er saß zwischen 2004 und 2007 deswegen in Belgien ein, seit 2008 sitzt er allerdings sechseinhalb Jahre wegen eines Drogenvergehens ab. Die „Sache”, die vor Richter Arno Bormann verhandelt wird, ist einer von mehreren spektakulären Raubüberfällen, die zwischen 2001 und 2004 auf bekannte Juweliergeschäfte in Aachens City verübt wurden.

Konkret war die Tat des 16. Januar 2003 angeklagt, als das Juweliergeschäft Lücker gegen Mittag überfallen wurde. Damals stürmten sechs vermummte Räuber das Geschäft, laut schreiend und mit Waffen in der Hand, wie sich am Dienstag der Juniorchef René Lücker (44) erinnerte.

Sechs seien es gewesen, berichtete eine heute noch bei Lücker tätige Verkäuferin (45). Ihr hätte einer der Vermummten eine Waffe an den Kopf gehalten, dann mussten sich alle „wie in einem schlechten Krimi”, so die Zeugin, auf den Boden legen. Weil der Juniorchef „das alles nicht schnell begriffen” hatte, wurde er mit einem Tritt gegen die Brust zu Boden befördert.

Blitzschnell und in einem atemberaubenden Tempo hätten sie die Auslagen aus den Schaufenstern gerissen, darunter Cartier- und Rolex-Uhren sowie Schmuck im Gesamtwert von rund 100.000 Euro. Die Räuber hätte sich in einer „wahrscheinlich osteuropäischen Sprache”, so Lücker, sehr laut Befehle zugeschrien. Draußen, das berichtete eine damalige Passantin, seien die Sechs „in alle Richtungen” auseinandergestoben.

Später fand man im Elisengarten eine Sturmhaube und eine Pistole. Im Laden selbst aber hatten sie einen Rucksack mit einer Handytasche zurückgelassen. Und siehe da: An dieser Tasche befanden sich, wie man später bei Abgleichen feststellte, DNA-Spuren des jetzigen Angeklagten Peeter K.. Der allerdings konnte sich da überhaupt nicht erklären, wie er dem Vorsitzenden Richter versicherte. Er sei 2005 oder 2006 mal im belgischen Knast von deutschen Kripobeamten einvernommen worden. Da nahm man auch Fingerabdrücke ab und bestimmte seinen DNA-Code.

Mit Autos ins Panzerglas

Ob er denn in Belgien zu einer großgliedrigen Bande gehört habe, die damals in wechselnden Besetzungen für eine ganze Reihe von Juwelierüberfällen verantwortlich gewesen sei. Der Mann, der 2001 nach Deutschland kam und später in Antwerpen ein Kosmetikgeschäft eröffnen wollte, schüttelte den Kopf. Er könne sich nicht erklären, wie seine DNA an den Rucksack bei Juwelier Lücker komme. Die Serie von professionellen Überfällen hatte im Dezember 2001 mit einem nächtlichen Angriff auf die Juwelierläden Studio Küpper und auch Lücker begonnen.

Die Täter rasten 2001 mit gestohlenen Limousinen rückwärts in das Panzerglas der Schaufenster. Genau dasselbe Muster benutzten Täter im Januar 2004, als man mit einem Pkw den Eingang des Juweliergeschäftes Uttermann knackte. Von den Tätern fehlt bis heute jede Spur. Ein Urteil wird für den kommenden Freitag erwartet.
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