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Jurakowa-Projekt führt „Madame de Sade” auf

Von: Amien Idries
Letzte Aktualisierung:
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Ein Stück, in dem aussschließlich Frauen auftreten: Das Theater 99 bringt „Madame de Sade” auf die Bühne mit Eva Koschmieder als Gräfin Saint-Fond (r.) und Susanne Prinz als Bedienstete Charlotte. Foto: Karin Jager

Aachen. Der Titel des neuen Stücks des Jurakowa-Projektes lässt stutzen: Assoziierte man bisher den Namen „de Sade” weniger mit einer Madame als vielmehr mit einem gewissen Marquis, dem Namensgeber des Sadismus. Der Marquis erscheint noch nicht einmal auf der Bühne, wenn das Stück am 27. Februar im Theater 99 Premiere feiert.

„In dem Stück des japanischen Autors Yukio Mishima treten ausschließlich Frauen auf”, so Regisseurin Tatjana Jurakowa. „Der Marquis und seine perversen Praktiken und Verbrechen treten lediglich in den Erzählungen der Frauen in Erscheinung.” So gelinge es, seine Taten aus weiblicher Perspektive zu zeigen.

Besonders interessant in dieser Hinsicht besagte Madame, dargestellt von Kira Jabeck. Als 21-Jährige wurde Renée-Pélagie de Montreuil von ihrer Mutter (Regina Schütt) mit dem schon damals berüchtigten Marquis verheiratet. Eine Vernunftehe, die dem Marquis Vermögen für sein ausschweifendes Leben zur Verfügung stellte und der Familie „de Montreuil” den Einzug in den französischen Hochadel ermöglichte.

„Diese Ehe ermöglichte es Renée, sich von ihrer dominanten Mutter zu emanzipieren”, sagt Jurakowa, die in dem Stück aktuelle Bezüge zu den viel diskutierten Zwangsehen ausmacht. Insgeheim träumt Renée wohl von einer romantischen Liebe, muss aber schnell feststellen, dass ein normales Leben mit ihrem Ehemann nicht möglich ist. Aus heutiger Sicht kaum nachvollziehbar ist, wie sie ihn trotz seiner außerehelichen Eskapaden immer wieder aufnahm, deckte und während seiner Inhaftierung wegen abnormer Sexualpraktiken bedingungslos zu ihm stand.

Die gebürtige Russin Jurakowa hat besonders die Frage nach den Motiven Renées fasziniert. „Und die werden noch mysteriöser, wenn man erfährt, dass sich Renée, nachdem ihr Mann in den Wirren der französischen Revolution freikam, von ihm abwandte und ins Kloster ging.” Vor allem diese Volte zum Schluss entspräche so gar nicht dem Bild des willfährigen Opfers, das man sich fast automatisch von der Marquise mache. Für Jurokawa steht Gewalt im Mittelpunkt des Stückes. Die physische Gewalt de Sades und die psychische Gewalt Renées Mutter, die ihre Tochter lieblos für einen Adelstitel verkauft.

Wie bei jeder Jurakowa-Aufführung stellt die Premiere den Höhepunkt eines sechsmonatigen Schauspielkurses dar. Seit 1996 bietet die Diplomregisseurin Schauspielanfängern die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten zu verbessern und in einer Theaterproduktion unter Beweis zu stellen. „Dadurch, dass immer wieder neue Leute teilnehmen, ist es jedes Mal ein Neuanfang”, so Jurakowa über den Workshop. „Aber irgendwie gelingt es immer, ein Niveau zu erreichen, mit dem wir sehr zufrieden sind.”

Davon überzeugen kann man sich im Theater 99.

Weitere Aufführungen am 29. Februar, 1. März, 6. bis 8. März, 13. bis 15. März, 20. bis 22. März, jeweils um 20 Uhr im Theater 99 Gasborn 9 -11. Reservierung unter 02407/17911 oder theater.jurakowa@gmx.de

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