Junge Leute ernten herzlichen Applaus für ihre Geschichte

Von: Rebecca Kiljan
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Dreharbeiten für den Kurzfilm, der jetzt im Capitol-Kino uraufgeführt wurde: Reinhard Nolle (3.v.r.) hat das Projekt mit den Jugendlichen erarbeitet. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Aufgeregtes Gemurmel hallte am Freitag durch den großen Saal des Capitol-Kinos. Denn die Jugendlichen der Offenen Tür (OT) Talstraße präsentierten ihren Familien, Verwandten und Bekannten ihren selbst produzierten Film „Ich krieg dich!“.

Burcu Aydin, eine Jugendliche aus der OT, stellte dem Publikum Reinhard Nolle, Medienwerkstatt der Universität Kassel, vor. Nolle und seine Kollegin Katarina Huber ermöglichten den acht Jugendlichen dieses Filmprojekt. Zum Thema „Angst und Scham“ ließen die Mädchen und Jungen eine Geschichte entstehen. Dabei erarbeiteten sie selbst die Dialoge und testeten, wer welche Rolle am besten verkörpern kann.

Reinhard Nolle hat diese prozessorientierte Spielfilmpädagogik in der Medienwerkstatt der Universität Kassel entwickelt. Die jungen Aktuere sollen eigene Erfahrungen verarbeiten und so Sozialkompetenz und Medienkompetenz sowie Kreativität entwickeln. „Wir haben jeden Tag acht bis zwölf Stunden gearbeitet, ohne Wochenende und ohne Pausen. Denn wir wollten die realen Bedingungen beim Filmemachen zeigen“, erläuterte Nolle. Der zwölfminütige Kurzfilm beginnt mit einer Szene, in der ein Mädchen zusieht, wie ihr Vater den Bruder verhaut. Sie erinnert sich, wie ihr Vater auch ihre Mutter regelmäßig verprügelt. Daraufhin bringt sie ihre Mutter dazu, ihren Vater zu verlassen „Lass dich scheiden, er wird auch uns weiter schlagen!“ Die Mutter zieht mit ihren Kindern zur Schwester und bleibt vorerst bei ihr. Doch ihr Mann droht ihr: „Ich krieg dich!“

Die Geschichte geht spannend weiter. Einige Jahre später wird der Sohn zum Klauen gezwungen und in eine Messerstecherei verwickelt. Auch die Tochter lebt gefährlich, sie wird von einem Mann verfolgt. Die Kinder vertrauen sich ihrer älteren Schwester an, und sie gesteht ihrer Mutter: „Papa ist wieder da!“ Denn auch sie wurde in Briefen mit den Worten „Ich krieg dich!“ terrorisiert. Die Mutter verständigt schließlich die Polizei, welche eine Streife zum Haus der Familie schickt. Dort liegt der gewalttätige Vater schon auf der Lauer.

Mit dieser Sequenz endet der Film und erntete großen Jubel und tobenden Applaus. Als Dank überreichte Angelika Gerber, Betreuerin in der OT Talstraße, allen Darstellern eine Auszeichnung. Ein dickes Dankeschön gab es auch für Reinhard Nolle und Katarina Huber. Nolle gestand: „Der Film wurde erst heute Morgen um sechs Uhr fertig. Katarina hat vorgestern das letzte Mal geschlafen.“ Und Burcu Aydin kündigte an: „Ein neuer Film ist in Verhandlung.“ Wer den Film der Jugendlichen verpasst hat, der kann ihn in 14 Tagen bei der OT, Talstraße 2, auf DVD erwerben.

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