Jugendliche drehen Film über ihr eigenes Leben

Von: Rebecca Kiljan
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Die Dreharbeiten in einem Kiosk zeigen die einzige Gewaltszene des Kurzfilms, den die Jugendlichen der OT Talstraße über Erlebnisse aus ihrem eigenen Leben gedreht haben. Am Freitag feiert der Film Premiere. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Mit diesem Film können die Leute sehen, was in unserem Leben passiert, und auch Parallelen zu ihren eigenen Erfahrungen entdecken“, sagt Leyla Keskin über das Filmprojekt des städtischen Kinder- und Jugendhilfezentrums Tal­straße. Reinhard Nolle und Katarina Huber von der Medienwerkstatt der Universität Kassel ermöglichen den acht Jugendlichen der Offenen Tür Talstraße den Dreh eines eigenen Films.

Der rund 20-minütige Kurzfilm zeigt die eigenen sozialen Erfahrungen der 14- bis 16-Jährigen in ihren Familien, Wohnungen und Freundeskreisen. Das Oberthema lautet „Angst und Scham“.

Dabei nehmen die Mädchen und Jungen die Rollen der Schauspieler ein, schreiben gemeinsam das Drehbuch und helfen sogar, die Tonangel zu halten. Allerdings spielen sie sich nicht selbst. Denn niemand soll sehen können, wem was widerfahren ist.

Zehn Tage Arbeit

Bei dem Projekt handelt es sich um eine „prozessorientierte Spielfilmpädagogik“, wie Reinhard Nolle seine Entwicklung nennt. Diese Methode soll die Entwicklung von Sozialkompetenzen, Kreativität und Medienkompetenz fördern.

Insgesamt arbeiteten die Jugendlichen zehn Tage an dem Projekt, täglich acht bis zehn Stunden. Die ersten vier Tage wurden dazu genutzt, das Drehbuch zu erstellen. „Egal welche Szene aus seinem Leben ein Jugendlicher in dem Film verarbeitet sehen will, sie wird umgesetzt“, berichtet Reinhard Nolle. „Denn eine Ablehnung der Szene käme einer Ablehnung gegenüber dem Jungen oder Mädchen gleich“, so Nolle weiter.

Die Jugendlichen waren sich einig, dass sie einen positiven Film drehen wollten, allerdings gibt es auch eine Gewaltszene, die sich ein Teilnehmer gewünscht hatte. Es handelt sich dabei um eine Szene in einem Kiosk, die ein Zwölfjähriger so erlebt hat.

„Dieser Junge war neu in der Gegend und ging auf dem Spielplatz. Dort wurde er von den anderen älteren Jungen zunächst ausgegrenzt, bevor sie ihn zwangen, Zigaretten zu stehlen – als Mutprobe“, erzählt Reinhard Nolle die Geschichte. „Aber die anderen Jungen nutzten die Mutprobe nur aus, um selbst Sachen aus dem Kiosk zu stehlen. Einer der älteren Jungen wurde erwischt, er zog ein Messer, woraufhin der Kioskbesitzer auch ein Messer zog und den Jungen in den Arm schnitt“, schildert Nolle die Szene.

Doch diese Szene solle nicht das Bild vermitteln, dass die Jugendlichen in einem Risiko-Viertel aufgewachsen sind. „Das wichtigste ist für uns, dass man unsere Botschaften versteht“, erklärt Teilnehmerin Burcu Aydin. „Außerdem soll man sehen, dass jeder etwas werden kann und nicht gleich einen Stempel aufgesetzt bekommt, nur weil man in einem gewissen Stadtteil wohnt“, ergänzt Katarina Huber.

So nutzten die Jugendlichen den Dreh auch als Chance, etwas Neues kennenzulernen, wie etwa Patricia Roeber. Sie begleitete Reinhard Nolle die letzten Tage mit der Tonangel und hatte daran sichtlich Freude. Logistisch wurde das Projekt von Angelika Gerber und Natasha Chizari betreut, die sich um Requisiten, Drehorte und Verpflegungen gekümmert haben. Die Eltern der Jugendlichen halfen ebenfalls mit Nahrung und Wohnungen als Drehorte aus. Das Projekt wird zudem durch zwei Spenden finanziert – eine stammt von Stadtdirektor Wolfgang Rombey, die andere von der BB-Bank.

„Harmonische Gruppe“

Bereits 2006 fand ein Filmprojekt in der OT Talstraße statt. Daraus resultierte der Kurzfilm „the next generation“, der ebenfalls in Zusammenarbeit mit Reinhard Nolle entstanden ist. Motiviert durch dieses Projekt, gelang es den Jugendlichen, Reinhard Nolle erneut für ein Filmprojekt in ihrem Treff zu gewinnen. „In nicht allen Jugendgruppen verläuft die Arbeit so gut wie hier“, lobt Reinhard Nolle. „Die Jugendlichen sind eine harmonische Gruppe, immerhin kennen sie sich durch den Treff bereits seit Jahren“, fügt Natasha Chizari dazu.

Am Freitag, 5. April, feiert der Film Premiere. Die kostenfreie Vorführung beginnt um 12 Uhr im Capitol-Kino am Seilgraben.

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