Aachen - Jugendcamp: Schülerinnen in „typisch männlichen“ Studiengängen

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Jugendcamp: Schülerinnen in „typisch männlichen“ Studiengängen

Von: Martina Stöhr
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Selbstgemachtes Erdbeben: Matthias Krupinski und Kaja Hoffmann zeigten den Schülerinnen, wie es zu den Erdstößen kommt. Foto: Heike Lachmann

Aachen. „Dieser Turm hält nicht so lange“, lautet die Prognose von Kaja Hoffmann, Mitarbeiterin Fachhochschule (FH) Aachen. „Oben hat er zu viel Gewicht, die Pufferzonen unten allerdings sind nicht schlecht“, führt sie weiter aus. Als das schwere Pendel das erste Mal zuschlägt und den Untergrund zum Beben bringt, hält der Turm noch stand.

Beim dritten Stoß wackelt er schon bedenklich, aber erst nach dem vierten Stoß bricht er in sich zusammen.

Mit Erdbeben und einer Bauweise, die Gebäude möglichst unempfindlich macht gegen solche äußeren Faktoren, beschäftigten sich jetzt 20 Schülerinnen zwischen 14 und 17 Jahren aus Aachen und der gesamten Städteregion. Beim Technikerferiencamp „FH4you“ lernten sie eine Woche lang Fachbereiche wie Bauingenieurwesen, Luft- und Raumfahrttechnik, Informatik oder Maschinenbau kennen.

„Ich finde es gut, dass wir hier selber etwas machen können“, sagt die 14-jährige Theresa Trenz. Und dass sich die Workshops mit Problemen beschäftigen, die es in der Wirklichkeit gibt, gefällt ihr besonders gut. Neben den praktischen Versuchen mit dem Turm aus Holzklötzen, der möglichst hoch und trotzdem standfest gebaut werden soll, machten Matthias Krupinski und Kaja Hoffmann die Schülerinnen auch in einem Vortrag mit den Ursachen von Erdbeben und ihren Folgen vertraut.

Mädchen für „MINT-Fächer“ begeistern

Zweifelsohne ein spannendes Thema, wie auch die 14-jährige Rieke Gies meint. Überhaupt biete das Technikerferiencamp eine super Chance, sich zu orientieren. „Besonders gut gefällt mir der Fachbereich Bauingenieurwesen“, sagt sie.

Bei den Geotechnikern „zaubern“ die Schülerinnen mit Sand. Der wird immer wieder gesiebt und gewogen, um seine Beschaffenheit zu prüfen. Dabei geht es um die Korngrößen, die Verteilung der Körner, und die alles entscheidende „Kornverteilungslinie“, wie Prof. Ansgar Kirsch erläutert. So wird möglicher Baugrund auf seine Beschaffenheit untersucht.

Überall öffnen sich den Schülerinnen die Labortüren und gewähren Einblicke in die jeweiligen Fachbereiche. Theresa Trenz findet das toll, weiß aber noch nicht, wofür sie sich entscheiden würde. Mit ihren 14 Jahren habe sie aber auch noch viel Zeit, sagt sie.

Die verschiedenen Workshops mit „Technik zum Anfassen und Ausprobieren“ bieten jedenfalls viel Gelegenheit, sich umzusehen. Rund 25 Prozent der Bauingenieurstudenten sind laut Kirsch inzwischen Frauen, in anderen Bereichen sehe es möglicherweise noch sehr viel schlechter aus. Um auch Mädchen für die sogenannten „MINT-Fächer“ (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) zu begeistern, organisiert die FH schon seit einigen Jahren diese Feriencamps.

Spaß in der Freizeit

Neben Anregungen zur Berufsfindung geht es hier aber auch um Freizeitgestaltung und Spaß. Die Mädchen sind während des Camps in einer Jugendherberge untergebracht und stammen aus Aachen und der Städteregion. Die Eindrücke, die sie von den verschiedenen Fachbereichen bekommen, scheinen sie wirklich zu faszinieren.

Dabei geht es unter anderem auch um Mikroskopische Verkehrssimulation, um Einblicke in die Informatik, und auch der Besuch eines Windkanals und eines Flugsimulators stehen auf dem Programm. Laut Organisatorin Nadine Bellingradt-Hannig ist das Interesse an dem Technikerferiencamp der FH sehr groß. Die zur Verfügung stehenden Plätze seien immer in Windeseile vergeben.

Theresa und Rieke kommen bei dem Camp offensichtlich voll auf ihre Kosten. Sie finden das Angebot toll, wollen aber in aller Ruhe entscheiden, für welchen Beruf sie sich später entscheiden, sagen sie.

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