Jubiläum macht klar: Der Fußball verbindet

Von: Christopher Gerards
Letzte Aktualisierung:
7488871.jpg
Die Aula in der Kleebachschule ist so voll, dass viele Gäste stehen müssen. Bei der Jubiläumsfeier des SV Eilendorf wird vor allem eins deutlich: Der Fußball verbindet. Foto: Ralf Roeger
7488870.jpg
Der stellvertretende Chefredakteur der „Nachrichten“, Bernd Büttgens (links), und Radiojournalist Stephan Kaußen (rechts) im Gespräch mit dem Vereinsvorsitzenden André Lütz. Sie lassen in drei Talkrunden die Geschichte des Vereins lebendig werden. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Im Publikum rutschen die älteren Männer auf ihren Stühlen hin und her, sie knurren und deuten nach vorne, Richtung Leinwand. Das Video dauert 5:57 Minuten, schwarz-weiße Bilder von Fußballmannschaften huschen vorbei, Bilder von Aufstiegen und Ausflügen, Bilder aus 100 Jahren eines Fußballvereins.

Erinnerungen. Dazu tönt eine der progressiveren Formen der Vereinslieder, Sprechgesang. Der Rapper, Chris Chilla, sagt Wörter wie „Familie“ und „Liebe“, er singt: „SV for life!“ Eilendorf, die Kleebachschule, Sonntagmittag: Ehemalige und aktuelle Spieler, Mitglieder und Ehrenamtler, Politiker, Funktionäre und Vertreter anderer Vereine sind gekommen, um das Jubiläum des SV Eilendorf zu feiern. 100 Jahre wird der Verein alt; am Morgen hat es eine Messe in St. Severin gegeben, am Mittag beginnen in der Schule drei Talkrunden. Bernd Büttgens, stellvertretender Chefredakteur der „Aachener Nachrichten“, moderiert gemeinsam mit dem Journalisten Stephan Kaußen, und die Aula ist so voll, dass nicht wenige Gäste stehen müssen.

Es gibt wahrscheinlich nicht viele Gelegenheiten, die Bedeutung des Sports im Allgemeinen und der Sportart Fußball im Speziellen so eindringlich zu erleben wie auf dem 100. Geburtstag eines größeren Fußballvereins, wie der SV Eilendorf einer ist: 947 Mitglieder, vier Herren-, eine Damen- und 21 Jugendmannschaften, wie der Vorsitzende André Lütz am Rande erklärt – die größte Fußballabteilung der Stadt. Dazu ein Kunstrasenplatz (und der Wunsch nach einem dritten Feld oder einer Halle) und eine Handballabteilung, deren Damen am Samstag in die Landesliga aufgestiegen sind.

Der Moderator Stephan Kaußen gehört zu jenen Menschen, die sehr reflektiert über Fußball sprechen können. Rund 20 Jahre hat Kaußen für den SV Eilendorf gespielt, sein Opa hat aus ihm einen Schwarz-Weißen gemacht, sieben Jahre alt war Kaußen da. „Zu langsam“, sagt er, wenn man ihm fragt, warum er nicht Profi geworden sei. In die Bundesliga gelangt ist Kaußen dennoch, die meisten kennen seine Stimme als Reporter für WDR2.

Kaußen hat am Sonntag noch nicht viele Sätze gesprochen als Moderator, da erinnert er an seine Zeit als Amateur-Spieler. Mit Menschen aus Afrika und dem Kosovo habe er gespielt, und so wie er es sieht, verbindet der Fußball Generationen und Herkünfte. Kaußen sagt: „Fußball überwindet mehr als alles andere Grenzen, weltweit. Fußball verbindet die Menschen und uns heute.“ Das führt wiederum zum SV Eilendorf und seiner Geburtstagsfeier am Sonntag.

Seit 70 Jahren Mitglied

Fußball verbindet. Da raffen sich drei ältere Herren von ihren Sitzen auf, einer stützt sich auf einen Stock. Matthias Ortmanns, Peter Bücken und Peter Faber heißen die Männer. Sie sind Mitglieder seit mehr als 70 Jahren. Der Applaus ertönt lauter als zuvor, und einer der Spieler aus der heutigen Mannschaft zieht sein Handy aus der Tasche und filmt die Szene.

Da spricht zudem der Ex-Profi mit dem D-Jugend-Spieler. Josef Nehl heißt der eine, den alle aber nur „Jupp“ nennen. 201 Mal hat Nehl nach seiner Zeit beim SV Eilendorf in der Bundesliga gespielt und 1993 mit Bayer Leverkusen den DFB-Pokal gewonnen. Hendrik Stark heißt der andere, elf Jahre alt, und fragt nach den schönsten Erlebnissen, den liebsten Gegenspielern und bunten Fußballschuhen.

Der Fußball ist zudem: Erinnerung. Er lebt von der Erinnerung, die er selbst produziert, das kann man auch vom SV Eilendorf behaupten. Da erkennen sich die älteren Herren auf den schwarz-weißen Mannschaftsfotos, die auf der Leinwand auftauchen. Da sind die Ameröllchen in der Chronik, das Freundschaftsspiel gegen Malaysias Nationalmannschaft, das Spiel im Mittelrheinpokal am Tivoli gegen die Alemannia und die Derbys gegen die Arminia. Erinnerung, Geschichten, Gemeinschaft, die Bezirksbürgermeisterin Elke Eschweiler sagt ganz am Ende: „Ohne Vereine wär‘ die Welt nur halb so schön.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert