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Joos van Cleve-Ausstellung: Die erste Leihgabe ist da

Von: Werner Breuer
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Frisch eingetroffen: Museumsdirektor Peter van den Brink, Restauratorin Ulrike Villwock und Kuratorin Alice Taatgen (von links) bewundern die erste Leihgabe für die Ausstellung über Joos van Cleve. Foto: Harald Krömer

Aachen. Auf den Hieronymus aus der Kiste ist Alice Taatgen schon ganz gepannt. Noch ruht das Gemälde des Heiligen supersicher verpackt und gepolstert in seiner Holzbox, doch Taatgen will endlich sehen, wie das Bild „in echt” aussieht.

Hieronymus ist gewissermaßen die Vorhut der Ausstellung „Leonardo des Nordens - Joos van Cleve” im Suermondt-Ludwig-Museum, die übrigen Werke des Antwerpener Meistermalers kommen nach.

Mitfahrgelgenheit aus Brügge

Für das Heiligenbild gab es eine günstige Mitfahrgelegenheit: Das Kunstwerk stammt aus einer Privatsammlung „in Europa” (Kuratorin Taatgen möchte das nicht genauer eingrenzen) und war bislang in einer Ausstellung im belgischen Brügge zu sehen. Dort hingen auch Leihgaben des Suermondt-Ludwig-Museums, die nun gemeinsam mit dem Hieronymus zurück nach Aachen kamen.

Hier werden ab dem 17. März über 65 Werke des Malers, der Anfang des 16. Jahrhunderts in Antwerpen eine führende Atelierwerkstatt in Antwerpen unterhielt. Mit der Schau möchten Museumsdirektor Peter van den Brink und Kuratorin Alice Taatgen an den Erfolg der Ausstellung „Hans von Aachen - Hofmaler in Europa” im vergangenen Jahr anknüpfen. Dafür waren die Aachener Ausstellungsmacher vom Feuilleton hoch gelobt worden, das niederländische NRC Handelsblad kürte die Schau zur besten Ausstellung alter Kunst in Europa 2010.

Doch zuerst müssen die Kunstwerke des Joos van Cleve einmal nach Aachen kommen. „Hoffentlich nicht alle gleichzeitig”, stöhnt Peter van den Brink. Den der Transport von den über vier Jahrhunderte alten Holttafeln ist eine diffizile Angelegenheit, die man nicht einfach dem preisgünstigsten Paketdienst überlässt. „Die Museen schicken in der Regel Kuriere mit”, weiß van den Brink. Meist seien es Restauratoren, die den Zustand eines Kunstwerks vor dem Einpacken und nach dem Auspacken akribisch dokumentieren. Im Falle irgendwelcher Schäden müsse schließlich geklärt werden, wer dafür verantwortlich ist. Damit es dazu gar nicht kommt, werden die auf Holz gemalten Bilder von Joos van Cleve auf jeden Klimawechsel schonend vorbereitet, auch die Transporter sind entsprechend klimatisiert. Trotz allem schicken 35 Museen und über ein Dutzend Privatsammlungen Leihgaben nach Aachen.

Hier wird mait Spannung ausgepackt. Mit dem, was Alice Taatgen „in echt” sieht, ist die überaus zufrieden. Die laut vanden Brink wohl etwa 490 Jahre alte Holztafel hat sich gut gehalten, fiese Schrammen und Kratzer findet Restauratorin Ulrike Villwock auch bei kritischer Prüfung mit einer kleinen Lampe nicht. In voller Schönheit präsentiertsich der Heilige Hieronymus in seinem Studierzimmer. Das Bild gehe auf einen Entwurf von Dürer zurück, der Joos van Cleve inspiriert habe, erklären die Ausstellungsmacher. Im Gegensatz zu Dürers eher minimalistischer Darstellung sei van Cleves Bild allerdings sehr detailverliebt. So richtete der Antwerpener Meister das Studierzimmer mit allerlei Zubehör ein. Ein Totenschädel weise ebenso wie eine erloschene Kerze und eine Sanduhr auf die Vergänglichkeit des Menschen hin, erklärt Taatgen. Und die neben der Kerze abgelegte Brille deutet auf den Intellektuellen hin? „Die Lesebrille hat Hieronymus abgesetzt, um für den Maler als Modell zu posieren”, witzelt van den Brink, „wahrscheinlich war er eitel.”

In Aachenn vereint

Wer sonst noch für Joos van Cleve als Modell posierte, ist ab dem 17. März im Suermondt-Ludwig-Museum an der Wilhelmstraße zu sehen. Die Macher versprechen einen breiten Überblick über sein vielschichtiges Werk. In Aachen werden dem Ausnahmekünstler erstmals überhaupt eine große monographische Ausstellung gewidmet. Bislang hängen seine Bilder verstreut etwa im Muse du Louvre in Paris, der National Gallery in London, im Museo del Prado in Madrid oder im Metropolitan Museum of Art in New York. Nun treffen sich über 60 Altarstücke, Andachtsbilder oder Portäts an der Wilhelmstraße. Hier bleiben sie bis zum 26. Juni, dann geht es wieder zurück in die Kiste.
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