„Job-Speed-Dating”: Acht Minuten für Überzeugungsarbeit

Von: Conny Stenzel-Zenner
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„Job-Speed-Dating” in der Club Lounge des Tivoli: Jeweils acht Minuten Zeiten hatten Firmenvertreter und Arbeitsuchende, um Gefallen aneinander zu finden. Foto: Harald Krömer

Aachen. Sie hatten acht Minuten Zeit. Acht Minuten, in denen sich Arbeitgeber aus der Region und ältere Arbeitsuchende gegenübersaßen und miteinander redeten. Auch Karin Flamme (57), die mit mehr als 150 hoffnungsvoll Gleichgesinnten am ersten Aachener „Job-Speed-Dating” in der Club Lounge des Tivoli teilnahm, versprach sich eine Anstellung von dem Termin.

Ziel der schnellen Treffen war es, den direkten Kontakt aufzubauen, Netzwerke zu knüpfen, Arbeitgeber bei ihrer Personalauswahl und Arbeitslose bei der Integration in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Die Idee hatten Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung der Stadt Aachen, denn Arbeitslose sollen vermittelt werden. Diese Vermittlung steht beim Projekt „Perspektive 50plus Aachen/Düren/Duisburg” als regionaler Beschäftigungspakt im Mittelpunkt.

Zurück im Arbeitsmarkt

So konnten im vergangenen Jahr 817 ältere, vormals langzeitarbeitslose Menschen wieder Fuß fassen im ersten Arbeitsmarkt, davon 590 Frauen und Männer aus der Städteregion Aachen. „Bis Ende Juni 2010 konnten weitere 601 ältere Menschen eine Beschäftigung finden, von denen 359 aus der Städteregion stammen, ebenfalls mit Unterstützung der Perspektive 50plus”, so Marlies Kolley-Mohnen vom Fachbereich Wirtschaftsförderung.

„Ich suche eine Arbeit als Steuerfachangestellte oder als Buchhalterin”, sagt Rosalinde Zimolong (59), die seit zwei Jahren auf der Suche ist. Warum sollte sie eingestellt werden? „Weil ich fundierte Kenntnisse habe, weil ich Lebenserfahrung besitze und sehr ausgeglichen bin, weil ich Erfahrung mit Menschen habe und weil ich arbeiten möchte”, erklärt die Alsdorferin, die mit Mitarbeitern einer Zeitarbeitsfirma sprach.

23 Firmen waren in der Club Lounge vertreten, gesucht wurden examinierte Altenpfleger, Klempner, Tiefbaufacharbeiter, Lageristen, Sicherheitspersonal, Küchenhilfen. „Ich habe einen zweiwöchigen Praktikumsplatz”, sagt Frank Czickanowsky (29), der als unter 50-Jähriger zufällig vor Ort war, aber nun nach Übach-Palenberg fahren wird. „Wir haben ein funktionierendes Team.

Da nun die Stelle für einen Mitarbeiter im Lager frei ist und Frank Czickanowsky nach meinem Bauchgefühl genau in unsere Mannschaft passen könnte, bin ich froh, ihm begegnet zu sein”, erklärt Kerstin Kliebsch, Inhaberin eines Sonderpostenmarktes. „Dieses Job-Speed-Dating ist wirklich gut. Man erhält einen direkten Eindruck vom Bewerber, bekommt seinen Lebenslauf, muss nicht nach dem Papier entscheiden.”

Warum hat die Wirtschaftsförderung der Stadt diese neue Form der Arbeitssuche für die Zielgruppe 50plus angestoßen? „Um auf der einen Seite Unternehmen bei der Rekrutierung guten Personals zu helfen, um auf der anderen Seite auch die Arbeitnehmer, die 50 Jahre und älter sind, am Aufschwung teilhaben zu lassen”, so Thomas Hissel, Abteilungsleiter im Fachbereich Wirtschaftsförderung. Acht Minuten also, die sich lohnen. Eine Neuauflage wird es im nächsten Jahr wieder geben.
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