Aachen - Jetzt umsteigefrei mit der Bahn nach Heinsberg

Jetzt umsteigefrei mit der Bahn nach Heinsberg

Von: Gerald Eimer
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Aachen. „Was wir in der Stadt nicht hingekriegt haben, kriegen wir wenigstens in der Region hin“, freute sich Bürgermeisterin Margrethe Schmeer (CDU), die damit auf die Absage der Aachener an die Campusbahn anspielte. Doch die Renaissance der Schiene ist nicht aufzuhalten. Gesten startete die Wurmtalbahn zur Jungfernfahrt, ab Sonntag wird sie im Stundentakt zwischen Aachen und Heinsberg verkehren.

Nach zehnjähriger Vorarbeit kann Hans Joachim Sistenich, Geschäftsführer des Aachener Verkehrsverbunds, damit Vollzug vermelden und nach „einem Kraftakt“ und „schwierigen Verhandlungen mit der DB Netz AG“ eine weitere Schienenstrecke wiederbeleben. 33 Jahre, nachdem der letzte Personenzug auf der Wurmtallinie verkehrte, kommt die Bahn nun zurück in den Heinsberger Raum. Rund 18,6 Millionen Euro haben sich die Beteiligten den Ausbau kosten lassen.

Profitieren sollen davon nicht zuletzt viele Berufspendler und Studenten. Gut 1000 Pendler seien täglich von Heinsberg nach Aachen unterwegs, 300 weitere seien es jeden Tag in Gegenrichtung, sagt Benjamin Haag von der Industrie- und Handelskammer. Ihnen stehe nun eine neue attraktive Verbindung zur Verfügung.

Doch nicht nur für Berufstätige werden die Reisezeiten immer länger, auch Studenten bleiben angesichts der Wohnungsprobleme in Aachen vielfach zu Hause wohnen oder suchen sich eine Wohnung im Umland. „Sie sind auf eine gute Schienenanbindung angewiesen“, sagt Sistenich.

Nicht zuletzt deshalb ordne man seit 1996 das gesamte Schienensystem in der Region neu. Fünf neue Strecken sind seitdem in Betrieb genommen worden, gut 30 neue Haltepunkte wurden geschaffen. Die Zahl der Fahrgäste im Bahnverkehr wurde seitdem laut Sistenich um 70 Prozent gesteigert.

Im Flügelzugbetrieb

Nun also die Wurmtalbahn, für die die Verkehrsexperten auf der stark befahrenen Strecke in Richtung Mönchengladbach den sogenannten Flügelzugbetrieb nutzen. Heißt: Von Aachen bis Lindern fahren zunächst zwei zusammengekoppelte Zugteile, von denen ab Lindern einer in Richtung Mönchengladbach weiterfährt, der andere hingegen Heinsberg ansteuert. In Gegenrichtung vereinen sich die Zugteile ebenfalls wieder in Lindern und fahren gemeinsam weiter nach Aachen.

50 Minuten braucht der Zug für die Strecke von Aachen nach Heinsberg – was mit dem Auto kaum zu schaffen sei, erst recht nicht während der Zuckerrübenkampagne. „Ich freue mich schon auf die ersten Anfragen nach dem Jobticket aus dem Heinsberger Raum“, sagt IHK-Mann Haag. Impulse erwartet er jedoch auch für den dortigen Tourismus. Denn natürlich ist im Zug die Fahrradmitnahme erlaubt. So wird auch all jenen die Anreise erleichtert, die das gut ausgeschilderte Radnetz im flachen Heinsberger Gelände für Fahrradausflüge nutzen wollen.

Im Gegenzug erhoffen sich jedoch auch die Aachener Geschäftsleute Vorteile von der neuen umsteigefreien Verbindung. „Der Handel ist auf gute Erreichbarkeit angewiesen“, sagt Manfred Piana, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands. Vor allem auch für ältere Menschen gebe es nun eine gute Möglichkeit, von Heinsberg aus bequem in die Aachener Innenstadt zu kommen.

Aachens Umweltdezernentin Gisela Nacken freut sich als „Heinsberger Mädchen“ auch „ganz persönlich“ über die neue Verbindung. Sie sieht sie aber auch als Teil des Luftreinhalteplans der Stadt, mit dem unter anderem mehr Menschen zum Umstieg auf Bus und Bahn bewegt werden sollen. „Wir versprechen uns viel von der neuen Verbindung“, sagt sie.

Der neue Streckenabschnitt zwischen Lindern und Heinsberg ist 12,2 Kilometer lang. Ans Schienenetz sind damit auch wieder die Ortschaften Randerath, Horst, Porselen, Dremmen und Oberbruch angeschlossen. Werktags fährt der erste Zug ab Hauptbahnhof um 4.37 Uhr, der letzte um 22.37 Uhr.

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