Aachen - Jetzt sind Rechenkünste gefragt

Jetzt sind Rechenkünste gefragt

Von: Achim Kaiser
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OB Marcel Philipp ist erstmals
OB Marcel Philipp ist erstmals in Kohlscheid Foto: Krömer

Aachen. Die Stadt wird den Tivoli nicht übernehmen, sie will aber behilflich bei einer „Umfinanzierung” sein. Dadurch soll der klammen Alemannia langfristig ein wirtschaftliches Überleben in der zweiten Fußball-Bundesliga ermöglicht werden.

Dabei könnte Oberbürgermeister Marcel Philipp noch zu einem echten Rechenkünstler avancieren. Derzeit arbeitet er mit Kämmerin Annekathrin Grehling an einem großen Zahlenwerk, das die Grundlage für die Rettung der angeschlagenen Alemannia werden soll. „Alles, was wir jetzt tun, muss günstiger sein als eine Insolvenz der Alemannia”, sagt Philipp.

Und deshalb war er Donnerstagnachmittag zu Gast in Düsseldorf, wo wichtige Gespräche mit Vertretern der Landesregierung auf dem Rettungsprogramm standen. Beide Seiten vereinbarten nach dem Gespräch „Stillschweigen”. „Die heiße Phase beginnt Anfang Januar, wenn das, was mündlich besprochen wurde, in eine schriftliche Form gegossen werden muss”, sagt der OB. Der Weg ist noch weit bis hin zu dem Beschluss, der in der kommenden Ratssitzung am 25. Januar verabschiedet werden soll.

Klar ist: Die Stadt wird den Tivoli nicht übernehmen. Vielmehr will Philipp die günstigen Kreditkonditionen, die auf kommunaler Ebene möglich seien, „an die Alemannia-Stadion GmbH durchreichen”, sagte er im „Nachrichten”-Interview.

Dabei gehe es nach Auffassung des Oberbürgermeisters nicht um die Frage: „Retten wir die Alemannia oder retten wir sie nicht? Es geht vielmehr darum, eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung zu finden, die auch langfristig tragfähig sein muss.” Letztlich muss die Politik entscheiden: über die wirtschaftliche Zukunft der Alemannia und damit auch über die des Fußballprofisports in Aachen. So dürfte das von einer renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft verfasste Sanierungskonzept auch für alle Ratsmitglieder eine Pflichtlektüre während der Weihnachtsferien sein.

Eine Bedingung für die Einhaltung dieses Sanierungskonzepts ist die sportliche Qualifikation der Tivolikicker. Das heißt die Lizenzerteilung ist die Voraussetzung für die Sanierungsfähigkeit der Alemannia. Aufgrund der auch sportlich prekären Situation muss der Profiklub die Lizenz sowohl für die zweite als auch für die dritte Liga beantragen. Das Horrorszenario eines sportlichen Absturzes wird allerdings in dem Bericht gar nicht erst weiterverfolgt. „Der Rat muss sich bewusst sein, dass bei einem Abstieg eine weitere Belastung auf die Stadt zukommt”, sagt Philipp.
Keine Zuschüsse

Käme der Rat am 25. Januar nicht zu einer Entscheidung, bliebe immer noch etwas Zeit. Bis zum 15. März muss die Alemannia erst die Lizenzunterlagen bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) abgegeben haben. So weit ist es noch nicht, auch wenn der Druck steigt. Geld wird die Stadt jedenfalls nicht Richtung Tivoli fließen lassen. Philipp: „Wir geben keine Zuschüsse, wir helfen bei der Gestaltung eines Finanzierungskonzepts.”

Und so trägt der OB momentan sämtliche Fakten und Zahlen zusammen, vergleicht und analysiert sie. Denn in der Beschlussvorlage für den Rat muss in der Zeile mit der Überschrift „Jährliche zinsliche Belastung für das Stadion” eine Zahl unter zwei Millionen Euro stehen. Auf Philipps aktueller Rechnung schlägt die Belastung mit 1,9 Millionen Euro zu Buche. Die Frage ist, ob die Rechenkünste des OB das Land und die Sponsoren überzeugen.
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