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Jeder Kilometer weniger kann Leben retten

Von: Heiner Hautermans
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geschwindigkeitskontrolle
Eine Geschwindigkeitskontrolle der Polizei Aachen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die erste Warnung mit Lichthupe und Handzeichen eines entgegenkommenden Autofahrers erfolgt auf der Roermonder Straße in Höhe Wildbach: Geschwindigkeitskontrolle.

In einer leichten Rechtskurve im Anstieg zu Haus Linde steht es dann, das Laser-Team des Verkehrsdienstes. Auf der stadtauswärts linken Seite Polizeikommissar André Engels am Laser Traffic Speed Meter FG 21-P. „Der Laser ist überall flexibel einsetzbar. Das ist das Schöne.”

Bis zu einer Entfernung von 1000 Meter kann der Messbeamte mit dem Gerät, das ein gestochen scharfes Bild liefert, allerdings durch permanentes Piepsen nervt, Raser erkennen. Doch kurz nach Aufstellung um 15 Uhr ist es noch ruhig. Protokollführer Frank Wilde: „In den Medien wird pausenlos wiederholt, dass heute gemessen wird. Wer heute zu schnell ist, ist selber schuld.”

Doch auf einmal geht es schnell: „64 auf 197 Meter, der letzte Wagen”, gibt Engels dem auf der anderen Straßenseite stehenden Kollegen Adolf Fournell per Funk durch.

Der winkt per Kelle einen Golf zur Seite, der schließlich auf einer größeren Einfahrt von seiner 47-jährigen Fahrerin abgestellt wird. Auf dem Hof steht versteckt ein VW-Bulli, für alle Fälle sind auch zwei Motorräder in petto.

„Das ist nicht mein Tag. Ich war in Gedanken”, erklärt die rasante Fahrerin. Von den 64 Stundenkilometern werden noch drei Kilometer Toleranz abgezogen. Doch mit 25 Euro kommt die Temposündern noch vergleichsweise glimpflich davon.

Sie zahlt per EC-Karte bei Hauptkommissar Franz-Josef Hahn, dem vierten im Bunde: „Ich hätte das Geld lieber jemand gespendet, der es brauchen kann”, betont sie am Ende, bevor sie mit dem dringenden Rat, es künftig langsamer angehen zu lassen, nach Hause fahren darf. Bargeld wird übrigens seit einigen Jahren nicht mehr angenommen. Hat jemand keine Karte dabei, gibt es einen Zahlschein.

„Die Leute sind sehr erfindungsreich,” plaudert Hauptkommissar Adolf Fournell ein wenig aus dem Nähkästchen: „Zeitdruck ist das Nonplusultra, auch Ablenkung wird oft angeführt oder ein Gespräch mit dem Beifahrer. Das ist immer das Gleiche.” Oft sind die Temposünder aber auch einsichtig. Und einmal hat er auch ein Auge zugedrückt. „Eine Frau war einen Tag zuvor nach einer Operation aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Sie klagte über erhebliche Bauchschmerzen. Da ist das Leben wichtiger als alles andere.” Denn genau darum gehe es den Ordnungshütern ja: Das Leben zu schützen.

Bei einem Zusammenstoß mit 50 km/h überleben nämlich acht von zehn Fußgängern eine Kollision, bei Tempo 65 sterben acht von zehn Fußgängern. Fournell: „Jeder Kilometer weniger verringert das Risiko, schwer verletzt oder getötet zu werden.”

Plötzlich geht es Schlag auf Schlag. Erst ein Audi, der mit 72 km/h den Berg hochkommt und dessen Fahrer mit 69 Kilometer haarscharf an einem Punkt in Flensburg vorbeischrammt.

35 Euro muss er entrichten, am Ende erhält er einen Beleg. Dann direkt hintereinander ein BMW und ein Volvo. Der BMW-Fahrer zeigt sich reuig: „Ich fahre jeden Tag diese Strecke. Das ist ein Leihwagen. Man ist schnell über 50 km/h. Ich habe nicht darauf geachtet,” erklärt er die 65 Stundenkilometer.

Sogar mit 80 km/h wird die flotte Frau im Volvo gemessen, die ebenfalls Einsicht zeigt: „Es ist meine Schuld. Sie haben ja recht”, räumt sie kleinlaut ein. Sie kann den Fall jedoch nicht an Ort und Stelle beheben. Sie erhält jetzt einen Bußgeldbescheid über 100 Euro, außerdem drei Punkte in der Verkehrssünderkartei.

Spitzenreiter war 37 Stundenkilometer zu schnell

Obwohl die Aktion mehrfach öffentlich angekündigt war und noch am Dienstag Meldungen im Radio erfolgten, hat die Polizei von 8 Uhr morgens bis nachmittags gegen 15 Uhr schon 487 Geschwindigkeitsverstöße festgestellt. Sprecher Paul Kemen: „Und das ist erst ein Zwischenergebnis. Unglaublich!”

Unrühmlicher Spitzenreiter war ein Fahrer auf der Lütticher Straße. Der wurde mit 87 Stundenkilometern gemessen. Zugelassen sind dort 50 km/h. Ihn erwartet jetzt ein Bußgeld von 160 Euro, außerdem erhält er drei Punkte in Flensburg. Die Aktion „Brems Dich - Rette Leben” ging noch bis in die Abendstunden.

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