Aachen - Jeden Tag ist tierisches Einfühlungsvermögen gefragt

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Jeden Tag ist tierisches Einfühlungsvermögen gefragt

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
Pferde sind sein Beruf und sei
Pferde sind sein Beruf und seine Berufung: Pferde-Dompteur Florian Richter tritt im Circus Roncalli Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Acht von Florian Richters Mitarbeitern sind schwarz, neun weiß. Zucker und Peitsche sind die Instrumente, die der 33-Jährige einsetzt, um seine Mitarbeiter auf Trab zu halten. Das klingt drastisch, ist aber in Wahrheit eine Geschichte ganz ohne Schläge und mit vielen Streicheleinheiten.

Der Mann aus Ungarn ist Pferde-Dompteur. Er und seine Mitarbeiter, acht Friesen und neun Araber, sind eine der Hauptattraktionen im neuen Programm des Circus Roncalli, der noch bis zum 19. Juni auf dem Aachener Bendplatz zu Gast ist.

„Wir bieten dem Publikum mit seiner Nummer eine Show, die es sonst nur selten zu sehen gibt”, sagte Angela Weller von der Roncalli-Tourneeleitung. Richter und seine Frau Edith gehören dem ungarischen Nationalzirkus an. „Roncalli ist für mich das erste Mal, dass ich außerhalb des Staatszirkus unterwegs bin”, sagt der Dompteur. Ein Neuling im Geschäft ist der Ungar keinesfalls. Seit er denken kann, arbeitet er mit Pferden. Und seine Familie tut das seit vielen Generationen. Aus tiefer Überzeugung. „Die Pferde gehören für mich zur Familie”, erzählt der 33-Jährige. Deswegen funktioniert der Umgang mit den Vierbeinern auf einer Vertrauensbasis. „Pferde sind Fluchttiere, und du musst dir ihr Vertrauen verdienen”, so der Dompteur.

Die Peitsche benutzt er häufig. Allerdings nie, um seine Pferde zu schlagen. Stattdessen sei sie sein verlängerter Arm. „Ich habe noch keinen Dirirgenten gesehen, der seine Musiker mit dem Taktstab schlägt”, erklärt Richter seine Arbeitsweise. Das Vertrauen des Pferdes zu gewinnen ist eine der schwierigsten Aufgaben. Die Richters kaufen ihre Tiere, wenn diese etwa drei Jahre alt sind.

Ein Jahr lang dauert es, bis das notwendige Vertrauen aufgebaut ist. „Unsere Nummer sind nicht ganz ohne Risiko. Da gab es auch schon mal Unfälle”, erklärt der Zirkus-Artist. Deswegen kommen nach dem Vertrauens-Jahr noch mindestens zwei Jahre Training, bis das Pferd Teil der Show sein kann. „Jedes Pferd ist anders. Wie bei einem Menschen. Es dauert einfach seine Zeit, bis wir herausgefunden haben, wo die Talente eines Pferdes liegen”, schildert Richter, dass Geduld eine Grundvoraussetzung ist. Geduld in der Ausbildung und der täglichen Arbeit. Nach jeder Vorstellung gibt es eine Besprechung. Alle Dinge, die nicht wie gewünscht gelaufen sind, kommen dann auf den Tisch und in den Trainingsplan für den kommenden Morgen. „Wir müssen uns ständig in die Lage der Pferde versetzen und uns fragen, warum sie anders als gewünscht reagiert haben”, sagt Florian Richter. Tierisches Einfühlungsvermögen ist gefragt. Härte sei völlig fehl am Platz und würde das Vertrauen nachhaltig stören. „Letztlich machen die Pferde Fehler, weil die Menschen etwas falsch gemacht haben”, so der Mann, der in Ungarn ein Artisten-Diplom mit der Fachrichtung Dressur erworben hat.

Viel Zeit, um Aachen kennenzulernen, hat die junge Familie nicht. Denn die Arbeit mit Pferden kennt keinen Feierabend. An Tagen ohne Vorstellung müssen die Pferde trotzdem beschäftigt werden. „Ich habe keinen Beruf, sondern eine Berufung. Und ich könnte mir niemals vorstellen, etwas anderes zu machen.” SeinVerhältnis zu seinen acht schwarzen und neun weißen Mitarbeitern beschreibt Florian Richter mit einem einfachen Satz. „Ich liebe meine Pferde.”
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