Jeans, Puppen, Kaffee: Hauptsache billig?

Von: Lee Beck
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Auf wessen Kosten geht die Produktion billiger Kleidung? Auch mit dieser Frage befassten sich die angehenden Industriekaufleute am Berufskolleg in der Lothringerstraße. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Ethik contra Profit: Um zu verstehen, welche Möglichkeiten ein Unternehmer hat, diesen Kreislauf zu beeinflussen, haben rund 60 angehende Industriekauffrauen und -männer das Thema unter die Lupe genommen. Die Schüler des Berufskollegs für Wirtschaft und Verwaltung, Lothringerstraße 10, nahmen gemeinsam an dem Projekt „Hauptsache preiswert?“ teil.

Bei der Ausstellung „Markt der Möglichkeiten“ präsentierten sie ihre Ergebnisse und diskutierten mit Aachener Unternehmern.

Das Projekt fand, angelehnt an das Fach Religion und das dazugehörige Thema Ethik, drei ganzen Schultagen statt. „Die Schüler waren sechs fiktiven Kleinunternehmen zugeteilt“, erklärt Bildungsgangsleiterin Christine Stein. Die Unternehmen stellen Jeans, Puppen, Kaffee, Schokolade, Handys und Papier her und erhalten eine fiktive Zuschrift einer Bürgerinitiative, die auf Missstände in der Produktion hinweist.

Fabian Wenzel (21) und Eva Schönewald (19) sind gemeinsam der Expertengruppe, die sich mit der Produktion von Puppen befasst, zugeteilt. „Wir haben eine Ökobilanz der Puppen erstellt und herausgefunden, dass der Kunststoff viele giftige Stoffe enthält, die Kindern beim Spielen aber auch den Arbeitern in der Produktion schaden können“, sagt Schönewald. Bei der Recherche habe man außerdem Einblicke in die Produktion erhalten, berichtet Wenzel. „Es ist wirklich eine menschenunwürdige Arbeit in China“, betont er. Gelernt haben die Schüler vor allem, dass der Verbraucher selbst recherchieren und dadurch Verantwortung übernehmen kann und deswegen nicht einfach blind, irgendwelchen Zertifikaten vertrauen muss. Besonders interessiert sind die Azubis aber daran, ob es sich in realen Situationen wirklich lohnt, eine Ökobilanz zu erstellen.

Die Expertengruppe „Jeans“ befasste sich vor allem mit der Produktion von ausgeblichenen und Jeans im so genannten „Vintage-Look“. „Dabei wird eine Sandstrahlmethode verwendet, die sehr gefährlich für die Arbeiter ist“, erklärt Melissa Henkelmann. Als Lösung schlägt die Gruppe vor: „Es gibt eine Lasertechnikmethode, die viel ungefährlicher ist und eine gute Alternative darstellt“.

Brandschutz

Außerdem beschwerte sich die Bürgerinitiative in ihrem Brief darüber, dass die Produktionshalle in Bangladesh abgebrannt sei und so das leben der Arbeiter gefährdet habe. „Wir haben ein Antwortschreiben verfasst, in welchem wir mögliche Verbesserungen der Brandschutzmaßnahmen deutlich erklären“, sagt Henkelmann.

Auch Christine Stein und Schulleiter Thomas Döring sind zum Abschluss des Projekts mehr als begeistert. „Die Schüler haben wirklich intensiv gearbeitet und sich sehr für das Projekt eingesetzt“, so Stein. „Es ist wirklich beeindruckend, was meine Kollegen über den Unterricht hinaus leisten und wie rastlos die Schüler dabei sind“, fügt auch Döring hinzu.

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