Aachen - Jakobshof: Das letzte große Konzert mit den Legenden

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Jakobshof: Das letzte große Konzert mit den Legenden

Von: Marcus Erberich
Letzte Aktualisierung:
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Final Virus: Peter Sonntag und Reno Schnell feierten mit vielen anderen „Jakobshof-Legenden“ den Abschied von der Kult-Location in der Stromgasse. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Peter Sonntag trinkt Kölsch. Er sitzt an einem Tisch im Außenbereich des Jakobshofs mit einigen anderen Musikern sowie Rick Opgenoorth und Wolfgang Schumacher, den beiden Betreibern der Kult-Location, die in wenigen Tagen schließt. Es wird geplaudert, auf alte Zeiten angestoßen und über die Zukunft der freien Kultur in Aachen philosophiert.

Der Abend steht unter dem Motto „Jakobshof Legenden“ – und davon sind reichlich in die Stromgasse gekommen, um den letzten großen Konzert-Abend gemeinsam zu bestreiten.

Drinnen ist der Soundcheck beendet. Das Christoph Kukulies Hammond Trio hat den ersten Auftritt des Abends – diesmal mit dem in Belgien lebenden Chicagoer Jeff Silvertrust an der Trompete. Später folgen noch Auftritte von Dieter Kaspari und Uwe Böttcher, der Rob Crusoe Band, He Joe Schenkelberg, Jupp Ebert, der wegen einer Augen-OP mit dicker Sonnenbrille auf der Bühne steht, und einigen anderen Musikern. Sie alle haben den Charakter des Jakobshofs über 30 Jahre lang geprägt.

Was Peter Sonntag von diesem Abend erwartet? „You never know. Wer weiß schon, was passiert? Aber es wird gut werden. Das weiß ich.“ Sonntag selbst hatte hier Ende der 70er Jahre seinen ersten Auftritt, damals war er Kontrabassist in einer Jazz-Band. „Als Musiker in den Jakobshof zu kommen, war damals ein Ritterschlag“, erinnert er sich: „Einmal im Jakobshof spielen – dann hast du‘s geschafft!“ Und das hat er wirklich: Mit seiner Band Final Virus hat Sonntag schon in allen Teilen der Welt gespielt – darunter China, Mexiko und das Woodstock-Festival 2009. „Mit der Schließung des Jakobshofs geht kulturelles Erbe verloren“, sagt er, „damit komme ich gar nicht gut klar!“

Am 15. April müssen Opgenoorth und Schumacher nun endgültig den Schlüssel für den Jakobshof abgeben. „Wir fangen ab heute Abend an, abzubauen“, sagt Schumacher. Der neue Investor, Gerd Sauren, wird das Gebäude dann vermutlich abreißen lassen und durch Wohnungen ersetzen.

Dass es für den Jakobshof einen Neuanfang geben soll, ist kein Geheimnis. Die Frage ist nur: wann und wo? „Wir werden zu 90 Prozent in der Stadt Aachen weiter machen können – vielleicht sogar schon ab Mai“, sagt Wolfgang Schumacher. Und sein Kompagnon Opgenoorth ergänzt: „Wir haben da schon eine tolle Idee, die wir aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht verraten dürfen.“

Keine Sorgen

Bei aller Abschieds-Melancholie gibt es also auch durchaus Grund zum Optimismus, das findet auch Peter Sonntag: „Betreiber solcher Kulturstätten sind genauso wichtig wie die Musiker, die darin spielen. Und dass der neue Jakobshof gut wird, darüber mache ich mir bei Rick und Wolfgang keine Sorgen.“ Sein Kölsch hat er zu diesem Zeitpunkt längst ausgetrunken, es dauert jetzt nicht mehr lange bis zu seinem Auftritt.

Schließlich ruft Moderator Robert Esser Final Virus auf die Bühne. Peter Sonntag greift zum Bass, sein Sohn Max sitzt am Schlagzeug, Reno Schnell spielt die Gitarre und Markus Plum die Posaune. Zusammen spielen sie mehrere Songs, abwechselnd nickt und schüttelt Peter Sonntag mit dem Kopf im Takt, schließt die Augen, als Reno Schnell ein intensives Gitarrensolo spielt.

Das Publikum ist begeistert, und am Ende umarmt Peter Sonntag jeden einzelnen seiner Bandkollegen. Er hat es ja gesagt: Es wird schon gut werden.

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