Jahrelanger Streit in Brand: Pietät gegen Parkplätze

Von: Heiner Hautermans
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Werner Grief und Elisabeth Kal
Werner Grief und Elisabeth Kall kämpfen gegen den Bau einer Turnhalle auf dem bis 1960 genutzten Friedhofs. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Pietät gegen Parkplätze: Dieser Streit wird im Stadtbezirk Brand seit Jahren ausgefochten. Und obwohl es Bewegung in der Sache gegeben hat, ist die Initiative Brand immer noch aktiv und nicht zufrieden.

Mitglied Werner Grief: „Wir finden, dass das eine Verhöhnung der Verstorbenen ist!” Deshalb trifft sich die Initiative immer noch, jeden zweiten Montag im Ellerhof. Mitstreiterin Elisabeth Kall erläutert, warum: „Unsere Großeltern sollen ausgegraben werden. Das wollen wir nicht und halten wir für pietätlos.” Am Rande des 1982 aufgelassenen Friedhofs soll - wie berichtet - eine neue Turnhalle für die Marktschule gebaut worden. 28 mal 21 Meter groß.

Zur Hälfte soll diese 600 Quadratmeter große Halle auf dem Gelände des ehemaligen Friedhofs stehen, ursprünglich sollte sie ganz darauf gebaut werden. Nach ersten Protesten der Initiative verständigte man sich darauf, sie halb auf dem Schulhof und halb auf dem Parkgelände zu errichten. Doch nicht nur 300 Quadratmeter seien betroffen, klagt Rentnerin Kall, sondern mit Aushub 500 Quadratmeter. „Das sind Grabfelder, auf denen 150 Tote liegen. Die sollen rausgebaggert und in einem Massengrab verscharrt werden.

Die Stadt sagt, dass das mit großer Pietät geschieht, doch das glauben wir nicht.” Dabei habe man gar nichts gegen die Turnhalle, nur solle sie nicht an dieser Stelle hochgezogen werden. Es gebe Alternativen, etwa auf dem Gelände zum Marktplatz hin. Die Initiativler, die 350 Unterschriften gesammelt haben, fühlen sich von der Stadt nicht ernst genommen: „Eine richtige Diskussion hat es nicht gegeben.”

Axel Costard vom Presseamt ist anderer Meinung: „Wir sind schon Kompromisse eingegangen.” Immerhin würde der schon relativ kleine Schulhof mit der Hälfte der Grundfläche belastet. „Gespielt wird da jetzt auch schon, weshalb also nicht in einer Halle.” Auch der altgediente Bezirksbürgermeister Herbert Henn kennt den Fall in- und auswendig, hat auch durchaus Verständnis für das Anliegen der Initiative, aber: „Die Bezirksvertretung ist grundsätzlich anderer Meinung.” Wenn man das Gelände zum Marktplatz nehme, falle der dortige Parkplatz weg. „Wir sind der Auffassung, dass die Stellplätze so wertvoll sind, dass wir darauf nicht verzichten.” Das habe die Bezirksvertretung so gesehen und auch der Planungsausschuss entsprechend entschieden.

Auch die Mehrheit der Bevölkerung sieht der CDU-Politiker hinter sich. Man habe sich mehrfach mit der Initiative zusammengesetzt und geredet: „Da müssen sich Jung und Alt entgegenkommen. Es ist lange überlegt worden, wir machen das nicht leichtfertig.” In den 26 Jahren seit Bestehen des Parks habe sich ja auch niemand daran gestoßen, dass dort Tischtennis oder Streetball gespielt werde. Immerhin habe man die Kriegstoten, die ein ewiges Ruherecht haben, 1959/60 an die Kolpingstraße umgebettet.

Im Haushaltsplan 2013

Henn hofft, dass die von den Vereinen und der Schule dringend geforderte, 1,4 Millionen Euro teure Halle im nächsten Jahr verwirklicht werden kann, die bisherige, vor Jahren ausgebrannte Turnhalle soll dann zur Aula umgestaltet werden. „Ich hoffe, dass die Halle eher fertig wird als der Markt.” Dessen Umgestaltung wird, wie berichtet, wahrscheinlich erst 2015 beginnen.
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