Integrative Klassen: Kleine Schülerzahl, viel Förderung

Von: Martina Stöhr
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Gemeinsam lernen: Eltern und K
Gemeinsam lernen: Eltern und Kinder berichten über sehr positive Erfahrungen. Christa Rößler (2. von rechts) weiß, dass manche Eltern auch verunsichert sind. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Das ist doch ganz normal”, sagte Mona Nymphius, als sie gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könne, auf der Gesamtschule Brand in einer integrativen Klasse gemeinsam mit Kindern mit Behinderung unterrichtet zu werden.

Ganz offensichtlich haben Kinder keine Schwierigkeiten mit dem Thema Inklusion. Was für sie ganz selbstverständlich ist, scheint dagegen den Erwachsenen durchaus Kopfzerbrechen zu bereiten.

Die Angst der Eltern, dass ihre Kinder nicht genug gefördert werden, wenn sie gemeinsam mit Kindern mit Behinderung in eine Klasse gehen, scheint tief verwurzelt.

Und so löse die Einrichtung von neuen integrativen Klassen an verschiedenen Aachener Schulen laut Christa Rößler vom Verein „Gemeinsam leben - gemeinsam lernen” auch entsprechend Verunsicherung aus. Zu Unrecht, wie sie und eine Reihe von betroffenen Müttern meinen.

Mona Nymphius geht heute in die achte Klasse der Gesamtschule Brand. „Sie entwickelt sich ganz wunderbar, und sie wird Abitur machen”, sagt ihre Mutter. Und was die sozialen Kompetenzen betreffe, sei Mona besonders reif. Sie habe ein Händchen dafür, anderen zu helfen.

Ilona Westermann kann diese guten Erfahrungen nur bestätigen. Auch ihre Tochter besucht die integrative achte Klasse. Was Ilona Westermann so gut gefällt: „Die Kinder lernen, dass jeder anders, dass jeder besonders ist. Und sie arbeiten in kleinen Klassen und haben zwei Lehrer.” Gerade die individuelle Förderung kommt bei den Eltern an. Denn die nutze nicht nur den Schülern mit Behinderung, sondern allen Kindern der integrativen Klasse.

Genau das schätzt Dr. Silke Wieczorek am Gemeinsamen Unterricht (GU). Ihr Sohn besucht die Grundschule Am Höfling und soll später in die integrative Klasse an der Gesamtschule Brand gehen. Der Entschluss steht fest, auch wenn Silke Wieczorek in ihrem Umfeld nicht immer auf Verständnis trifft.

Seine hervorragenden technischen Fähigkeiten auf der besten Schule bestmöglich zu fördern, sollte das oberste Ziel sein, wurde ihr geraten.

Silke Wieczorek sieht das anders. „Unser Sohn war in der individuellen Förderung der Grundschule exzellent aufgehoben”, sagt sie. Für uns war immer klar, dass wir diesen Weg weitergehen wollten.” Sie bleibt bei ihrem Entschluss, auch wenn sie die Reaktionen durchaus auch ein bisschen ins Wanken gebracht haben, wie sie selber meint.

Individuelles Lernen

Auch Eltern, die ihr Kind mit Behinderung nicht auf eine Förderschule schicken wollen, haben es bislang nicht immer leicht. Angela Stippak-Bieberle hat sich für die Montessori-Grundschule entschieden. Ihre Tochter Désirée war ein Frühchen und wuchs mit Entwicklungsverzögerungen heran. In der Montessori-Grundschule könne sie in ihrer eigenen, individuellen Geschwindigkeit lernen. Angela Stippak-Bieberle und ihre Tochter haben damit die für sie ideale Lösung gefunden.

Individuelles Lernen steht bei allen Betroffenen ganz oben an. Und genau das könne nur der Unterricht in einer integrativen Klasse leisten. Alle wünschen sich, dass integrativer Unterricht immer mehr zur Normalität wird. Denn über eines sind sich alle einig: Davon profitieren nicht nur die Kinder mit Behinderung, sondern eben auch die, die gemeinsam mit ihnen unterrichtet werden.
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