Aachen - Integration durch Sport: Das geht!

Integration durch Sport: Das geht!

Von: Rebecca Kiljan
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Damit die Integration in unserer Stadt weiter vorangetrieben wird, wurde beim aktuellen Netzwerktreffen in der Nadelfabrik die „Integration durch Sport“ thematisiert. Dazu hatten sich die hiesigen Sportvereine, der Stadtsportbund, städtische Integrationsbeauftragte und eine Sportwissenschaftlerin versammelt, um gemeinsam mit dem Publikum über Chancen und Grenzen von integrativem Sport zu diskutieren.

Achim Kaiser, Chef der AN-Lokalredaktion, moderierte die Veranstaltung am Reichsweg. Dass Integration in Aachen längst gelebt werde, erklärte Heidemarie Ernst, Integrationsbeauftragte der Stadt und Abteilungsleiterin des Kommunalen Integrationszentrums, kurz und bündig mit dem Slogan: „Aachen lebt Integration!“ Denn in einer Stadt, in der 157 Nationen gemeinsam lebten und arbeiteten, sei für sie Integration greifbar.

Nicht nur die vielen Sportarten in Aachen werden durch Migranten bereichert, auch die Integration selbst, wie eine Studie zeigt. Professor Christa Kleindienst-Cachay, Sportwissenschaftlerin der Universität Bielefeld, verdeutlichte anhand einer Erhebung zu Duisburg und Bielefeld, welchen Einfluss Sport auf die Integration haben kann. Sie stellte heraus, dass es in zwei Dritteln aller Vereine überhaupt keine Migranten gibt. Auch zeigt die Studie, dass demgegenüber in Fitnessstudios bei den Mitgliedern ein 60-prozentiger Migrationshintergrund besteht.

Das hieße, so Kleindienst-Cachay, dass Migranten und Deutsche verschiedene Wünsche in Bezug auf die Sportart hätten. Während die einen vermehrt auf Freizeit- und Gesundheitssport setzten, übten die anderen bevorzugt Wettkampfsport aus. Außerdem seien Mädchen und Frauen sowie Erwachsene und Senioren in Sportvereinen unterrepräsentiert.

Doch Sevim Dogan, Teamleiterin beim Kommunalen Integrationszentrum der Stadt, betonte, dass der Vereinseintritt eine individuelle Entscheidung ist. „Wenn sich Frauen dazu entscheiden, nicht in einen Verein beizutreten, dann gibt es keine Parallelgesellschaft oder eine Sperre gegen Integration, sondern sie haben einfach keine Lust auf Vereinssport. Das ist bei deutschen Frauen nicht anders.“

Aus der Erhebung ging zudem hervor, dass Sport die gegenseitige Wertschätzung und Anerkennung, sowie den gegenseitigen Respekt stärkt. Gemeinsamer Sport führt zur Erfahrung sozialer Unterstützung und verbindet letztlich die verschiedenen Nationen. Genau diese Ergebnisse sind auch in einigen Aachener Sportvereinen bereits zu erkennen, wie zum Beispiel im brasilianischen Kampfsportverein „Capoeira Sião“ in der Passstraße.

Der Verein wurde 2001 gegründet, und seine Mitglieder haben einen 45-prozentigen Migrationsanteil. Dienstags gibt es für gehandicapte Sportbegeisterte die Möglichkeit, Capoeira auszuüben. „Bei uns zählt nicht der Leistungsgedanke, sondern die Gemeinschaft“, erklärt Patricia Donassy-Derek, Vorsitzende von „Capoeira Sião“, die Zielsetzung.

Als weiteres positives Beispiel für Integration in Vereinen wurde die Boxabteilung des PTSV Aachen mit Trainer und Leiter Josef Gottfried vorgestellt. „Wir sind in der Nadelfabrik mit unserem Box-Gym zu einem attraktiven Anlaufpunkt im Ostviertel geworden“, sagte Gottfried. Durch eine Kooperation mit den Sozialarbeitern des Vereins In Via erfahren die PTSV-Jugendlichen bei Bedarf auch Unterstützung und Betreuung außerhalb des Sports.

Damit die interkulturelle Öffnung der Vereine weiter vorangetrieben werden kann, muss laut Kleindienst-Cachay noch ein Umdenken in den Sportvereinen stattfinden. „Vereine müssen Migranten als Stärken und wertvolle Ressource sehen, nicht als Belastung!“ Ein Knackpunkt, der auch innerhalb des Netzwerktreffens sichtbar wurde, wie Björn Jansen, erster Vorsitzender des Stadtsportbundes, feststellte. „Die zwei Drittel der Vereine, die sich nicht mit Integration beschäftigen, sind heute nicht hier!“

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert