Aachen - Inkontinenz darf kein Tabu mehr sein

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Inkontinenz darf kein Tabu mehr sein

Von: Elisa Zander
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Zahlreiche Interessenten infor
Zahlreiche Interessenten informieren sich beim Tag der offenen Tür des Kontinenzzentrums am Aachener Uniklinikum über Vorbeugung und Versorgung bei Inkontinenz. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Zwischen fünf und sechs Millionen Menschen leiden in Deutschland an Inkontinenz. Und doch ist dieses Problem - unabhängig von Alter und Geschlecht - ein Tabu-Thema.

Um dem entgegenzutreten und sich noch bekannter zu machen, hat das Kontinenzzentrum des Universitätsklinikums Aachen im Rahmen der Welt-Kontinenz-Woche zum Tag der offenen Tür geladen. Fachvorträge und eine Industrieausstellung boten den Patienten Informationsmöglichkeiten rund um Inkontinenz, Vorbeugung und Versorgung.

Diese Veranstaltung ist für Privat-Dozentin Dr. Ruth Kirschner-Hermanns, Leiterin des interdisziplinären Kontinenzzentrums und Fachärztin für Urologie und Andrologie, auch der Abschied aus Aachen. Sie wird an der Uniklinik Bonn eine Professur annehmen und dort ein interdisziplinäres Kontinenzzentrum aufbauen. Weiterhin übernimmt sie die Leitung der Neuro-Urologie des neurologischen Rehabilitationszentrums „Godeshöhe”.

Joachim Grosse übernimmt

Ruth Kirschner-Hermanns freut sich schon auf ihre neue Aufgabe und weiß, dass sie das Zentrum in Aachen in gute Hände übergibt: Oberarzt Dr. Joachim Grosse (Urologe), der viel Erfahrung im Bereich Neurourologie hat, wird in ihre Fußstapfen treten. Ihm zur Seite stehen die Oberärztinnen aus der Gynäkologischen Klinik, Dr. Esther Kaldenhoff und Dr. Laila Najjari. Die Gynäkologie ist neben der Urologischen Klinik sowie der Chirurgischen Klinik (PD Dr. Gabriele Böhm) die tragende Abteilung des Kontinenzzentrums. Dieses Zentrum arbeitet eng mit der Neurologie (PD Dr. Christina Haubrich), der Kinderklinik (Dr. Claudia Stollbrink-Peschgens) und der Inneren Medizin III/Sektion Endokrinologie Diabetologie (Univ.-Prof. Dr. Wolfram Karges) zusammen. Große Unterstützung erfährt das Kontinenzzentrum durch die Pflegekräfte, unter anderem den beiden Schwestern Andrea von Lewinski und Brigitte Bosse.

Seit 1989 arbeitet Ruth Kirschner-Hermanns in der Urologie des Uniklinikums. „Ich wollte erst Gynäkologin werden, hatte aber schon immer Interesse an der Urologie”, erzählt die 53-Jährige. So konzentrierte sich auf dieses Fachgebiet und war davon ganz begeistert: „Es ist ein kleines Fach, in dem man sowohl konservativ als auch operativ tätig ist und das alle Geschlechter und Altersgruppen einschließt.”

Nachdem sie 1997 aus Boston zurückkehrte, wo sie zwei Jahre mit einem Stipendium an der Harvard-Universität tätig war, übernahm sie die Leitung der Urologischen Poliklinik und führte dort unter anderem die Kontinenzsprechstunde ein. Dabei stellte sie fest, „dass man ein Team braucht, um das Thema Kontinenz besser zu behandeln”.

So entstand die Idee für das Interdisziplinäre Kontinenzzentrum, für das sie 2006 den Förderverein zur Kontinenzforschung und Aufklärung gründete. Auch der trägt zur Öffentlichkeitsarbeit bei, mit der Ruth Kirschner-Hermanns unter anderem zur Enttabuisierung des Themas beitragen will.

„Patienten brauchen oft vier bis fünf Jahre, bis sie zu uns kommen. Kämen sie früher, wären die Heilungschancen höher.” Im Schnitt behandeln die Ärzte im interdisziplinäres Kontinenzzentrum jährlich zwischen 2000 und 3000 Patienten. Die Therapien beginnen teils bereits bei Kindern, die neurologische Erkrankungen haben oder im Alter von sechs Jahren noch nicht trocken sind. Im Alter ist die Inkontinenz oft eine chronische Erkrankung, die lebenslang therapiert werden muss. Die Besserung liegt jedoch bei über 70 Prozent. Bei operativen Eingriffen, die nicht bei allen Inkontinenzformen möglich sind, liegt die Heilungsrate bei über 90 Prozent.

Es sind Zahlen, die Mut machen. Auch den Menschen, die sich beim Tag der offenen Tür informieren.
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