Inklusion: Noch immer bestimmen Kosten die Diskussion

Von: Christopher Gerards
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Heitere Stimmung, trotz eines schwierigen Themas: Im Café Life der Lebenshilfe sprachen die SPD-Bundestagsabgeordnete Ulla Schmidt und Yasemin Karakasoglu, Mitglied des Kompetenzteams von Peer Steinbrück, mit interessierten Gästen über das „Wie“ der Inklusion. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die „Diskussionsveranstaltung“ im Café Life lief fast eine Dreiviertelstunde, da kam zum ersten Mal so etwas auf wie ein Streitthema: „Ressourcen“, so der Sprachgebrauch an diesem Abend. Die R-Frage. Das Thema des SPD-Talks am Donnerstagabend hieß „,Eine Schule für alle!‘ – Inklusion, aber wie?“, und Ulla Schmidt hatte es eingangs erläutert.

Das „Ob“ der Inklusion sei im Grunde entschieden, so die SPD-Bundestagsabgeordnete, dank Werbetechnik gleich dreifach auf der Bühne vertreten. Deutschland hat die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen angenommen, so dass es den gemeinsamen Unterricht aller Kinder gesetzlich regeln muss. Es gehe vielmehr um das „Wie“ der Inklusion. Das „Wie“, das nach den Worten Schmidts „neue gesellschaftspolitische Debatten prägen kann“, sie fühle sich da erinnert an Debatten zur Bildungspolitik in den 70ern.

In Nordrhein-Westfalen möchte Rot-Grün im Herbst ein Gesetz zur Inklusion verabschieden. Die allgemeine Schule soll Regelförderort aller Kinder werden – einen Rechtsanspruch auf gemeinsamen Unterricht für Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf soll es geben. Soviel zum „Ob“. Susanne Hollmann, Vorsitzende der Schulpflegschaft am Couven-Gymnasium, konnte aus Elternsicht etwas zum „Wie“ sagen. Das Thema begleite die Eltern jetzt seit ein paar Jahren. Niemand habe etwas dagegen gehabt, aber wie das alles konkret umgesetzt werde, habe ihnen bisher niemand gesagt, sagte Hollmann. Die Eltern interessiere angesichts der Hilfeschreie der Kommunen aber zum Beispiel die Frage: „Wer soll das bezahlen?“ Natürlich, sagte Hollmann: „Es läuft immer irgendwie.“ Aber weil die Schulzeit nicht allzu lang sei, solle doch bitte auf Experimente verzichtet werden.

Kosten bestimmen die Diskussion

Eva-Maria Voigt-Küppers, SPD-Landtagsabgeordnete und Mitglied des Schulausschusses, störte sich am Gerede über das Geld – wenngleich sie zuvor darauf verwiesen hatte, das Land stelle 300 Millionen Euro in einem Inklusionsfonds bereit. Voigt-Küppers sagte, es sei „höchst bedauerlich“, dass „über den eigentlichen Gewinn“ der Inklusion zu wenig diskutiert werde, auch medial: den „Paradigmenwechsel in der Pädagogik“. Statt Defiziten rückten die Stärken der Kinder in den Vordergrund. Nun bestimmten die Kosten die Diskussion. „Wir müssen in der Inklusionsdiskussion einen positiven Unterton haben.“

Ja, sie wisse, „dass das Land sich sehr bemüht“, entgegnete Ulla Schmidt. Trotzdem hätten Schulen das Gefühl, allein gelassen zu werden. Notwendig seien zwei Lehrer in den Klassen, denn „ohne Ressourcen habe ich keine individuelle Förderung“. Schmidt sagte: „Sonst können wir uns das sparen.“ Apropos: Yasemin Karakasoglu, Mitglied des Kompetenzteams Peer Steinbrücks, sprach sich für eine Unterstützung der Länder durch den Bund aus.

Maria Keller, Leiterin der Grundschule Passstraße und am Donnerstag im Publikum, machte das Henne-Ei-Problem dann rund. Sie erinnerte an jene Mütter, deren Kinder von keiner Regelschule gewollt seien. „Das tut weh.“ Aus ihrer eigenen Erfahrung wisse sie um die Chancen des Ganztages beim Thema Inklusion. Keller sagte: „Es ist keine Frage des Geldes. Ich glaube, dass wir Wege finden werden.“

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