Aachen - Ingrid Breuer-Schermuly steigt aus

Ingrid Breuer-Schermuly steigt aus

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:
ingrid_bu
„Die Arbeit als Erzieherin war immer meine Berufung, mein Glück”: Nach mehr als 40 Jahren im Kindergartenbereich beginnt Ingrid Breuer-Schermuly (58) nun den aktiven Teil ihrer Altersteilzeit. Foto: Harald Krömer

Aachen. Der letzte Abschied ist gefeiert, ihr Büro will sie irgendwann im Januar ausräumen. Ingrid Breuer-Schermuly steigt aus. Die 58-Jährige beginnt den aktiven Teil ihrer Altersteilzeit. Mehr als 40 Jahre hat sie im Kindergartenbereich gearbeitet.

Und fast 30 Jahre davon war sie Leiterin der Kindertagesstätte in der Weißwasserstraße. Eigentlich stammt Ingrid Breuer aus Hessen. Aber eingeschult wurde sie schon Aachen, aufgewachsen ist sie im Ostviertel. Nach Schule und Hauswirtschaftsschule hat sie Kinderpflegerin gelernt.

Ihre erste Stelle fand sie 1968 im städtischen Schulkindergarten in der Robert-Koch-Straße. Ein Jahr später wechselte sie in die Johanniterstraße. „1975 habe ich dann meine Erzieherausbildung gemacht”, erinnert sich Ingrid Breuer. Drei Jahre lang betreute sie an der Bergstraße die Hortgruppe.

Am 1. Mai 1979 übernahm die junge Erzieherinnen die Leitung der Kita Weißwasserstraße in Rothe Erde. Eine einfache Gegend war die Weißwasserstraße damals bestimmt nicht. Elf Häuser für Obdachlose unterhielt die Stadt dort in unmittelbarer Nähe zum Kindergarten. Viele kinderreiche Familien lebten dort. Als hart, aber herzlich, rau, aber ehrlich hat Breuer die Menschen im Viertel kennengelernt.

Und der Kindergarten kümmerte sich nicht nur um die Kinder. Er entwickelte sich zu einer Anlaufstelle fürs Viertel. „Die Leute wussten, da kriegen wir Hilfe. Und das ist heute noch so.” Die Kita Weißwasserstraße, sagt Breuer selbstbewusst, sei immer schon eine Art Familienzentren gewesen.Ihrem Lebensmotto ist Breuer auch im Beruf immer treu geblieben: „Man muss den Menschen mit Wertschätzung begegnen”, sagt die 58-Jährige. „Alles, was man gibt, bekommt man auch zurück.”

Viele Schicksale hat sie über die Jahr in der Weißwasserstraße kennengelernt, viele Menschen auch, die das Leben aus der Bahn geworfen hatte. „Und das kann jedem von uns passieren”, sagt sie, „das habe ich hier gelernt”.

Zweimal in den fast 30 Jahren, die Breuer in der Weißwasserstraße arbeitete, stand der Kindergarten über Nacht vor dem Nichts. Zweimal hat es dort heftig gebrannt, einmal im Sommer 1987 und einmal in der Milleniumsnacht. Enorme Hilfsbereitschaft und Spendenfreudigkeit hat das Kita-Team jedes Mal erfahren. Auch Firmen haben großzügig geholfen. Und manche Spender von damals sind der Tagesstätte noch heute verbunden.

Veränderungen in der Kita-Arbeit hat die Erzieherin in gut 40 Jahren reichlich miterlebt. Über das neue Kinderbildungsgesetz (Kibiz) kann sich sBreuer auch am Ende ihres Berufslebens mächtig in Rage reden. „Dieses Kibiz ist ein Einsparungsprogramm, sonst gar nicht”, sagt sie. „Die Kitas brauchen mehr Personal, sonst werden wir den Kindern nicht gerecht.” In der Weißwasserstraße sind von 50 Kindern mittlerweile rund 20 jünger als drei Jahre. Das stellt ganz neue Anforderungen ans Personal.

„Die Arbeit als Erzieherin war immer meine Berufung, mein Glück” sagt Ingrid Breuer rückblickend. Unter den jetzigen Bedingungen allerdings mag sie jungen Leuten gar nicht mehr raten, Erzieherin oder Erzieher zu werden.

Zum Abschied kommt auch noch einmal ein Thema auf den Tisch, das ihr seit jeher am Herzen liegt: die Verantwortung der Eltern. „Väter und Mütter müssen mehr in die Pflicht genommen werden” fordert sie. „Warum gibt es für Eltern nicht eine Art Elternführerschein? Die müssen doch lernen, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen für so ein kleines Lebewesen.”

Selbst hat Ingrid Breuer jetzt keine Verantwortung mehr für die kleinen Menschen in der Kita in Rothe Erde. Dafür aber hat sie viele Pläne für den Ruhestand. „Endlich mal Zeit haben”, sagt sie und strahlt. Abends mal ausgiebig ausgehen möchte sie. Und tanzen will sie. Denn tanzen tut sie für ihr Leben gerne.

Natürlich hat Ingrid Breuer „ihrer” Weißwasserstraße nicht endgültig Tschüss gesagt. „Ich werde wiederkommen.” Das hat sie Kindern, Eltern und Kolleginnen fest versprechen müssen. Und damit sie sich auch wirklich blicken lässt, haben sie ihr zum Abschied eine Pfanne geschenkt - mit der Bedingung, dass sie kommt und Apfelpfannkuchen backt. Ingrid Breuers Pfannpfannkuchen sind nämlich legendär in der Kita Weißwasserstraße.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert