Aachen - Infamer Plan sollte Haus in die Luft jagen

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Infamer Plan sollte Haus in die Luft jagen

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Erster Tag am Schwurgericht A
Erster Tag am Schwurgericht Aachen gegen Yussof K. (43) wegen 13-fachen Mordversuchs. Rechts Verteidiger Björn Hühne. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der Angeklagte Yusuf K. (43) sieht aus wie ein smarter Tennislehrer, als er am Mittwochmorgen den Saal des Aachener Schwurgerichts betritt. Er ist nicht bedrückt, jedenfalls nicht äußerlich. Er macht eher einen wohlgefälligen, innerlich aufgeräumten Eindruck.

Er protestiert, sei Familienvater, erklärt sein Verteidiger Björn Hühne, und er wolle deshalb nicht fotografiert werden.

Doch sein Fall ist außergewöhnlich und unbestreitbar von großem öffentlichem Interesse. Denn dem Kölner Hausverwalter, der Mietshäuser in Eilendorf an der Ecke Hansmann-/Karlstraße besitzt, wird von der Staatsanwaltschaft nichts weniger als 13-facher versuchter Mord in Tateinheit mit besonders schwerer Brandstiftung vorgeworfen.

Hinzu kommt der im Ergebnis untaugliche Versuch „des Herbeiführens einer Explosion” sowie gefährliche Körperverletzung. Dass er im März ein anonymes Schreiben an die Polizei sowie an diese Zeitung schickte, um vor seiner Festnahme am 17. März von seiner Tat abzulenken, brachte ihm eine Anklage wegen Täuschung und Irreführung von Behörden ein.

Yusuf K. soll letztlich Schlimmes getan haben. Wäre sein Tatplan aufgegangen, dann hätte es eine Häuserexplosion in Aachen-Eilendorf gegeben, wie man sie aus dem Jahr 1999 kennt, als zu Ostern am 4. April ein Mietshaus in der Burtscheider Bend­straße durch eine vorsätzlich abmontierte Gasleitung völlig zerstört wurde.

Damals war der Täter ein Junkie, der nicht mehr leben wollte. Yusuf K. allerdings, der die Vorwürfe bis auf die Abfassung der anonymen Briefe bestreitet, soll aus Habgier gehandelt haben, weil ihm die Einkünfte aus den vermieteten anscheinend Wohnungen nicht ausreichten.

In der Nacht zum 1. März dieses Jahres hätte sich beinahe eine Tragödie abgespielt. Fünf von sieben Wohnungen des Gebäudekomplexes Hansmannstraße 40 - 42 waren bewohnt, insgesamt 13 Menschen, befanden sich in der Nacht im Gebäude.

Schetter beschrieb minuziös den infamen Plan. Danach bohrte der Angeklagte zwei nur zwei Millimeter große Löcher in eine kupferne Gasleitung im Keller des Hauses, so dass kontinuierlich Gas ausströmte. Im Nebenraum soll K. einen selbst gebastelten Zünder bestehend aus einem Toaster und brennbarem Material installiert haben. Er habe, so die Staatsanwältin, mit Panzertape den Toasterschalter in einer Position fixiert, die ihn anschaltete. Dann habe er das mit Papier von Küchenrollen und einem Bettuch umwickelte Gerät an eine Zeitschaltuhr angeschlossen, die um 3.46 den Stromkreis freigeben sollte.

Die Marke „Eigenbau” funktionierte tatsächlich. Vorher hatte der Täter auf einem Absatz im zweiten Obergeschoss einen „Gelben Sack” angezündet. Die Flammen griffen schnell auf die Eingangstüren der dortigen Wohnungen über, die Feuerwehr konnte aber Schlimmeres verhindern. Als die Wehrmänner jedoch in den Keller kamen, stellten sie Gasgeruch fest. Und entdeckten das vor sich hin glimmende Höllengerät.

Vier erlitten Rauchvergiftungen und mussten ins Krankenhaus gebracht werden, ein Mieter im Stockwerk über dem Brandherd wurde sogar bewusstlos in seiner Wohnung gefunden. „Der Angeklagte”, so die Staatsanwältin, „hat den Tod von 13 Menschen billigend in Kauf genommen”. Er habe sein Ziel, das Haus von den Mietern zu säubern, erreicht. „Das Haus steht seit der Tat leer”, resümierte sie, die Mieter hätten zu viel Angst, wieder zurückzukehren. Der Prozess wird am 5. Oktober ab 9 Uhr fortgesetzt.
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