Inde: Entwarnung am Nachmittag

Von: Werner Breuer
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An der Kante: Bei einem Pegelstand von 2,20 Metern hätte die Stromversorgung im historischen Ortskern von Kornelimünster abgeschaltet werden müssen. Doch die Inde blieb einige Zentimeter darunter. Dennoch liefen einige Keller voll und mussten ausgepumpt werden. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Morgens um sieben ist die Welt noch ziemlich in Ordnung: Da ist die Inde noch im Bett, der Pegel in Kornelimünster steht bei 1,28 Metern und der historische Ortskern liegt noch weit außerhalb der Gefahrenzone. Aber es regnet unablässig - und die Bewohner des Indestädtchens wissen, dass es ungemütlich zu werden droht.

Die Feuerwehr weiß das auch und zieht im Laufe des Vormittags immer mehr Kräfte in Kornelimünster zusammen.

Im Einsatz sind die Wehrleute dabei nicht allein am Ufer der Inde. Auch nahe dem Wohngebiet Meischenfeld laufen ihre Pumpen. Dabei liegt dieser Bereich einige Hundert Meter vom Ortskern entfernt und ein gutes Stückchen höher. Hinter den Häusern erstrecken sich die Wiesen bis hinauf nach Schleckheim. „Das sieht alles sehr niedlich aus”, sagt Anwohner Günter Bannach, „wenn es trocken ist.” Aber seit Tagen ist es nass, die Wiesen sind vollgesogen wie ein nasser Schwamm. Nach der Schneeschmelze schaffen sie es nicht mehr, das Regenwasser aufzunehmen.

Der Anblick der nun entstandenen Seenplatte ist für Bannach nicht ungewöhnlich, „aber so schlimm habe ich es in den 21 Jahren, die ich jetzt hier wohne, noch nicht erlebt”. Die aus dem Grünflächen quellenden Wassermaßen fließen über die Schleckheimer Straße und nahe dem Meischenfeld in ein Regenauffangbecken. Von dort geht es dann in den Kanal, aber der kann das viele Wasser nicht mehr aufnehmen. „Wir pumpen das zu Entlastung aus”, sagt Lagedienstführer Uwe Weiß von der Aachener Berufsfeuerwehr. Sonst würden im Wohngebiet manche Keller vollaufen.

Das passiert derweil unten im historischen Ortskern. Bis zum frühen Nachmittag ist der Pegel der Inde schon auf 1,95 Meter gestiegen. Auf dem Korneliusmarkt treffen immer mehr Feuerwehrwagen ein, Schläuche werden verlegt, Sandsäcke von Lastwagen abgeladen. In der Sparkassen-Filiale herrscht noch Gelassenheit. „Bis wir hier nasse Füße kriegen, muss das Wasser noch eine Weile steigen”, sagt eine Mitarbeiterin. Allerdings sieht es zwischenzeitlich danach aus, als könne sie womöglich ihren Arbeitsplatz nicht mehr trockenen Fußes verlassen.

Vorsorglich gesperrt

Am Nachmittag werden jedenfalls Korneliusmarkt und Benediktusplatz für den Verkehr gesperrt. „Vorsorglich”, betont Rita Klösges vom städtischen Presseamt, habe der Stab für außergewöhnliche Ereignisse der Stadt Aachen das entschieden. In diesem Gremium stecken Vertreter von Feuerwehr, diversen städtischen Fachbereichen, von Polizei, Stawag und Technischem Hilfswerk (THW) immer wieder die Köpfe zusammen und beraten, was bei weiter steigendem Wasserstand zu tun ist.

Als besonders kritisch gilt die marke von 2,20 Metern. Dann müsste die Stawag den Strom im historischen Ortskern aus Sicherheitsgründen abschalten. Die Helfer vom THW stehen schon bereit, um in diesem Fall eine Notstromversorgung sicherzustellen. „Schon allein wegen der Pumpen”, erklärt Rita Klösges. Die müssen schließlich weiter ihre Arbeit in den abgesoffenen Kellern verrichten.

Unterdessen beklagen Anwohner das zugewachsene Flussbett der Inde. „Das hätte man beizeiten freischneiden müssen”, sagt eine Passantin und weist von der Fußgängerbrücke zwischen Bundesstraße und Benediktusplatz auf kleine Bäume mitten in den braunen Fluten. Nun ist das Gehölz mit der Kettensäge nicht mehr so ohne Weiteres zu erreichen. Weil sich dort aber Treibgut verkeilen und möglicherweise ein Rückstau verursachen könnte, muss die Feuerwehr solche Gefahrenstellen beseitigen. Dafür muss eigens eine Hubrettungsbühne mühsam vom baumbestandenen Flußufer aus in Position gebracht werden, von der aus Wehrleute dann - über den tosenden Fluten schwebend - zu Werke gehen.

Etwas weiter südlich wirkt der Fluss nicht ganz so reißend, zwischen der Bundesstraße und der Straße Unter den den Weiden kann er sich etwas weiter ausbreiten. Aber Georg Titopoulos sieht das mit Sorge. Zwischen seinem Haus und der Inde liegt nur die schmale Fahrbahn der Straße Unter den Weiden - und das Wasser kommt bedrohlich nahe an die Kante. „Die andere Seite ist seit dem Brückenbau vor Jahren mit einer neuen Mauer besser geschützt”, meint er. Vor seiner Tür aber gibt es nichts, was sich dem Wasser entgegenstemmt. „Das muss ich wohl mit Sandsäcken abdichten”, sagt Titopoulos.

Solche Säcke schleppt die Feuerwehr immer wieder heran, aber nicht zu seinem Haus. „Die werden zum Uferschutz für die Allgemeinheit gebraucht”, stellt Rita Klösges klar. Aber es diene ja letztlich jedem Anwohner, wenn das Wasser schon weit vor seiner Haustür mit Sandsäcken gebremst werde. Einige der Barrieren liegen noch seit der Flutwelle der vergangenen Woche in Haustüren und Durchgängen, neue Säcke werden von 20 Wehrleuten in der Feuerwache Nord befüllt.

Korneliusmarkt geräumt

Doch im Laufe des Nachmittags entspannt sich die Lage. „Seit 14 Uhr fällt der Pegel”, meldet Rita Claßen, die Leiterin des Bezirksamtes Kornelimünster/Walheim erleichtert. Um 14.45 Uhr liegt er schon wieder bei 1,85 Metern. Und während die Halter von 28 Autos auf dem Korneliusmarkt ermittelt und aufgefordert werden, ihre Wagen in weniger gefährdeten Bereichen abzustellen, lässt man es bei zwei auswärtigen Fahrzeugen, deren Besitzer nicht aufzutreiben sind, einfach bewenden. „Nach Lage der Dinge kann Entwarnung gegeben werden”, teilt Rita Klösges vom Presseamt gegen 16 Uhr mit.

Feierabend hat die Feuerwehr dennoch nicht. 60 Einsatzkräfte sind an diesem Tag vorwiegend in Kornelimünster im Einsatz, dazu 27 Helfer vom THW. „Die ganze Nacht wird weiter gepumpt”, erklärt Lagedienstführer Weiß. Dass am Nachmittag die Dreilägerbachtalsperre Wasser ablassen muss, weil ihr Stauvolumen erreicht ist, lässt ihn für Kornelimünster nichts Böses mehr befürchten. „Da fließen jetzt zwar 60 Kubikmeter pro Sekunde raus”, sagt Weiß, „aber das betrifft eher den Vichtbach und damit Stolberg.”

Und die besorgten Anrufe von Bürgern, die Wassergüsse in der Bahnbrücke über die Mozartstraße melden, sind auch kein Aufreger mehr: „Die Feuerwehr hat das kontrolliert und keine akute Gefahr erkennen können”, erklärt Rita Klösges.
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