Inda-Gymnasium nimmt über Nacht 300 Flüchtlinge auf

Von: Heiner Hautermans
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Die Vorbereitungen für die Unterbringung von Hunderten von Flüchtlingen im Inda-Gymnasium liefen am Nachmittag an. Am Ende standen Dutzende von Hilfsfahrzeugen auf dem zuvor verwaisten Schulgelände.
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Die Feuerwehr richtete an Ort und Stelle eine Leitstelle ein, die sich gegen 19 Uhr einsatzbereit meldete. Foto: Ralf Roeger

Aachen. [Hinweis: Dies ist ein Artikel von 2015 aus unserem Archiv, siehe Datum.] Der Ton war höflich, das Gespräch durchaus sehr nett, der Sachverhalt dennoch sehr eindeutig. So schilderte Beigeordneter Lothar Barth um 18 Uhr in einer improvisierten Pressekonferenz im Inda-Gymnasium die Entwicklung des Tages anschaulich.

Der Dezernent der Bezirksregierung habe sich vormittags bei ihm gemeldet und unmissverständlich klargemacht, dass die Stadt Aachen innerhalb der nächsten 24 Stunden rund 300 Flüchtlinge aufzunehmen habe, wahrscheinlich 150 noch am Montagabend, die zweite Hälfte voraussichtlich am Dienstag. Barth schaltete schnell, berief einen Krisenstab ein, der Helfer zusammentrommelte und die notwendigen Vorbereitungen traf. So sorgten Hilfsdienste wie Malteser oder Johanniter sowie Freiwillige Wehrleute für die notwendige Infrastruktur und leerten die Klassenräume, in denen die Flüchtlinge untergebracht wurden.

Hoffnungen von Schülern, dass der Unterricht im Inda ausfallen könnte, dürften verfrüht sein: Bis zum Ende der Sommerferien soll die ungeplante Zwischennutzung wieder beendet sein. Spätestens in zwei Wochen will man dezentrale Unterbringungsmöglichkeiten im gesamten Stadtgebiet gefunden haben, zeigte sich Barth überzeugt. Und nur wenig Trost spendete die Erkenntnis, dass „nicht nur NRW, sondern auch andere Bundesländer betroffen sind“ und ebenso schnell reagieren mussten. Gut auch, dass Hausmeister Michael Nellessen schnell zur Stelle war. Man bittet allerdings darum, die Menschen in den ersten zwei Tagen ungestört zu lassen.

Dass die Stadt Karls des Großen den großen Kraftakt dennoch meistern würde, daran hatte Barth angesichts des erprobten Miteinanders von Verwaltung, Stadtgesellschaft und Politik keinen Zweifel. Das bewies auch die Anwesenheit einiger Politiker, die spontan gekommen waren.

„Herzlich begrüßen“

Ladislaus Hoffner (Grüne) etwa, der stellvertretende Bezirksbürgermeister von Kornelimünster/Walheim, hatte schon am Nachmittag begonnen, die Bürger über Netzwerke zu informieren: „Das ist für einen Ort wie Kornelimünster schon eine Menge, was hier an Equipment aufgefahren wird. Wir waren zwar überrascht, haben aber festgestellt, dass die Stadt gewappnet ist. Wir werden die Flüchtlingen herzlich begrüßen.“ Bürgermeisterin Hilde Scheidt (Grüne) erinnerte daran, dass man es im Bosnienkrieg 1994 schon einmal geschafft habe, kurzfristig „1200 Leute unterzubringen“. Langfristig werde nur ein Investitionspakt helfen, in Aachen genügend Flüchtlingswohnraum für die nächsten zehn Jahre zu schaffen. Auch CDU-Ratsherr Hans Müller zeigte sich überzeugt davon, dass Aachen die Flüchtlinge willkommen heißen wird: „Europa hat die Probleme mitverursacht, und wir haben die Folgen zu tragen.“

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