In zehn Jahren 3,8 Millionen Besucher

Von: Alfred Stoffels
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Wie vor 2000 Jahren (fast): Mit den Carolus-Thermen hat Aachen an seine uralte Badetradition angeknüpft, jetzt wird an der Passstraße zehnjähriges Jubiläum gefeiert. Zur Aquagymnastik kommt am Mittwoch auch Prinz Karneval. Foto: Harald Krömer

Aachen. Ein ehrgeiziges, fast schon waghalsiges Unternehmen wird zehn Jahre alt - und trotz aller Unkenrufe und allen Zwistes ist eine runde Erfolgsgeschichte draus geworden: Die Carolus-Thermen haben die 2000 Jahre alte Wasserstadt Aachen wieder in die erste Liga unter Deutschlands Badeplätzen gehievt.

Just in diesen Stunden kann der Gast mit der Nummer 3,800.000 begrüßt werden, was pro Öffnungstag mehr als 1000 Besucher ausmacht. À la bonne heure, kann man da nur rufen, weiter so - doch genau das soll nicht eintreten: Werner Schlösser, „Erfinder” und seit Beginn Geschäftsführer der Thermen, verkündete zum runden Jubiläum die Grenzen des Wachstums. Begründung: Mehr muss nicht immer gut sein.

„Überfüllung passt nicht”

In den ganz guten Jahren (2002 und 2004) pilgerten mehr als 400.000 Leute in die Passstraße, um es sich in Becken und Saunen gut gehen zu lassen. Das sind stolze Zahlen, aber nicht unbedingt die Kennziffern, die man dauerhaft ansteuert - in Zukunft will man sich mit 360.000 bis 380.000 Gästen bescheiden. Dies deswegen, weil ein Etablissement wie die Aachener Badelandschaft viel vertragen kann, nur eines nicht: zu starkes Gewusel.

Schlösser formuliert es so: „Überfüllung passt nicht zu den Carolus-Thermen.” So gesehen, war das vergangene Jahr ein möglicherweise angenehmes, denn die Besucherzahlen gingen auf 353.000 zurück (Vorjahr: 364.000). Das war dennoch ein bisschen arg wenig, aber aus langjähriger Erfahrung weiß Schlösser mittlerweile, dass solche Schwankungen auftreten und kaum zu beeinflussen sind. Er sagt: „Man kann Marketing vorwärts und rückwärts studieren, gegen den Wettergott macht man gar nichts.”

In der Tat scheint so gut wie ausgemacht, dass der Zuspruch bei Einrichtungen wie der Therme extrem witterungsabhängig ist; weder bei großer Hitze noch bei viel Eis und Schnee sind sie erste Wahl bei der Freizeitgestaltung. Und das Jahr 2010 hatte da einiges zu bieten, in die eine wie in die andere Richtung - kein Wunder also, dass weniger Eintrittskarten als üblich verkauft wurden, trotz einer energischen „Sommeraktion”.

In der Spitzengruppe

Aber im großen Ganzen gibt es zum Jubiläum gute Laune an der Passstraße, sehr viel besser hätte es nach Ansicht des Managements nicht laufen können. Mit einem Jahresnettoumsatz von 7,5 Millionen Euro hat man sich laut Schlösser in die „absolute Spitzengruppe” der Branche vorgearbeitet. Zwar gibt die Stadt noch immer einen Zuschuss von 1,75 Millionen Euro (nach anfänglich drei Millionen), das Geld wird aber ausschließlich für Zinszahlungen verwendet: Betriebs-, Personal- und Unterhaltungskosten erwirtschaften die Carolus-Thermen inzwischen zur Gänze selbst.

Als vor zehn Jahren Eröffnung gefeiert wurde, hatte das Projekt nicht nur drei Jahre Bauzeit hinter sich, sondern ein noch viel längeres Politgezerre vom feinsten. Auch in der Folgezeit kam es immer mal wieder zu Turbulenzen, doch die Schlösserschen Visionen („1986 habe ich das erste Exposé geschrieben”) wurden am Ende viel gerühmte Realität. Heute heißt es: Neben dem täglichen Kleinkram gibt es „keine bedeutenden Probleme”.

In der Rückschau steht für Schlösser felsenfest, dass sich jede Auseinandersetzung und jeder Ärger gelohnt hat, um wieder an Aachens große Badetradition anknüpfen zu können. „Viel Hin und Her” habe es nach dem Krieg gegeben, an Kaiser- und Römerbad erinnerte er am Montag, an „viel Medizin, aber wenig Wasser und Vergnügungswert”. Das habe sich mit den Thermen von Grund auf geändert (Medizin gibt´s gar nicht mehr, dafür sind die Burtscheider Kureinrichtungen zuständig).

Einmal in Feierlaune, hat die Thermen-Führung beschlossen, die eigentlich zum 1. Januar 2011 fällige Preiserhöhung ausfallen zu lassen. Gleichwohl wird weiter an der Attraktivität gearbeitet: Die große Badehalle erhält zurzeit eine neue Möblierung („die Zeiten des weißen Kunststoffs sind endgültig vorbei”), die Erdsauna bekommt endlich ein echtes Kaminfeuer, das „Tipi” im Saunagarten wurde wetter- und windfest neu errichtet.

Derzeit beugt sich Schlösser über eine neue Arbeit: Der Aufsichtsrat hat ihn beauftragt, einen „Masterplan 2015 für die Carolus-Thermen Bad Aachen” zu erstellen. Schließlich will man sicherstellen, dass noch einige Jubiläen gefeiert werden können.

Jubiläumstorte und am Beckenrand Alwin I.

Ihren Geburtstag feiern die Carolus-Thermen standesgemäß. Fünf Tage lang, vom 9. bis zum 13. Februar, kann man für jeweils zehn Euro im Badebereich entspannen, ohne auf die Uhr zu gucken; für 20 Euro kann man den kompletten Saunabereich mitnutzen. Am Mittwoch, 9. Februar, gibt es zusätzlich ein Glas Sekt oder ein Stück Jubiläumstorte - und die Aquagymnastik wird von prominenten Vorturnern geleitet, unter ihnen Karnevalsprinz Alwin I. samt Hofstaat und Fastelovvend-Urgestein Heini Mercks.

Unter dem Motto „In zehn Stunden um die Welt” findet am Freitag, 11. Februar, ab 15 Uhr eine lange Saunanacht statt. Zehn Länder aus fünf Kontinenten werden mit landestypischen Aufgüssen und speziellen Pflegeritualen vertreten sein, eine Samba-Tanzgruppe ist auch mit von der Partie. Einen Tag später steigt ab 19 Uhr eine Poolparty mit viel Musik.
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