In Front Festival: Uraufführung für die neue Aachen-Fanfare

Von: Eva Onkels
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Im Rahmen des Festivals feiert die Gesellschaft für Zeitgenössische Musik mit ihrer Vorsitzenden Gwendolen Webster (links) ihr 25-jähriges Bestehen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Das „n“ fehlt leider bei der neuen Fanfare von Aachen. Der Grund ist simpel: In der Tonleiter gibt es kein „n“. Also baut die Fanfare von Aachen, die in der kommenden Zeit zu vielen Gelegenheiten erschallen soll, nur auf den Akkorden a-a-c-h-e auf. Die Uraufführung des Stückes wird Teil des „In Front Festival 2013“, organisiert von der GZM, die mit voller, wenngleich selten ausgesprochener Bezeichnung Gesellschaft für zeitgenössische Musik heißt.

25 Jahre alt wird die Gesellschaft in diesem Jahr. Für einen kulturschaffenden Verein ist das nicht gerade wenig. Gründungsmitglied Heribert Leuchter erinnert sich, dass die Vereinsgründung damals nicht ganz einfach verlief: Als von der Universität kommender professioneller Musiker hatte man damals wie heute das Problem, vor einem diffusen Markt zu stehen, dessen Arbeitschancen doch begrenzt waren.

Damals habe man überlegt, wie man sich gegenseitig unterstützen könnte – Musiker für Musiker sozusagen. Doch lange nicht alle waren mit der Idee einverstanden, einen Verein zu gründen. Daran, dass einige wütend den Raum verließen und die Türe knallten, kann sich Leuchter noch gut erinnern. Heute zeigt die GZM, dass sie in Aachen ankommen ist.

Unter dem Motto „Zukunftsmusik“ wird beim diesjährigen Festival wieder improvisierte Musik, aktueller Jazz und Neue Musik zu hören sein. Dabei macht es, wie so oft, die Mischung. Besonders in der oft frei gestaltbaren Jazzmusik.

Eröffnet wird das Festival am Tag der deutschen Einheit, 3. Oktober, vom Thoneline Orchester unter der Leitung von Caroline Thon. Sie ist eine der wenigen weiblichen Dirigenten einer Bigband. Hört man Manfred Sieben bei seinen Ausführungen über das Doppelkonzert am Freitag, 4. Oktober, zu, kann man sich vorstellen, wie frei Jazz von den klassischen, strengen Formen der Musik sein kann.

Die „Big Family“, ein Projektzusammenschluss verschiedener Musiker, spielt ein Stück von Terry Riley und eines von James Tenney. Beides große Namen der Jazzmusik und beide vollkommen unterschiedlich. Beide lassen den Musikern große Freiräume.

„Ohrenöffner“

Als „Ohrenöffner“ bezeichnet Sieben das Stück „Form 2 in memoriam John Cage“. Es kommt ohne einen Dirigenten aus, die Musiker hören aufeinander. Vorgegeben sind ein Zeitfenster von 20 Sekunden, in dem bestimmte Töne gespielt werden können – oder eben auch nicht. Dann folgt das nächste.

Als „neue Klangerfahrung“ bezeichnet Sieben das Hörerlebnis. Auch, da die Musiker nicht vorne auf der Bühne, sondern im Saal verteilt stehen. Unregelmäßige und irrationale Rhythmen kommen so zustande.

Das Stück klingt jedes Mal anders. Eine weitere Sachen gibt Tenney vor: Das Stück dauert exakt 16 Minuten und 40 Sekunden. Anders das Werk von Terry Riley: Hier sind Melodien vorgegeben. Manche umfassen nur wenige Noten, manche viele Takte.

Die Länge des Stückes ist nicht genau definiert. Es kann zwischen 30 Minuten und eineinhalb Stunden dauern. Auch das „Neue Musik Ensemble Aachen“ wird zu hören sein, mit Stücken von Luciano Berio, Theo Pauss, Tristan Murail und Sidney Corbett.

Pause mit Suppe

Und noch ein Highlight zwischen den Konzerten: Es gibt eine Pausensuppe. Mit einem kleinen Augenzwinkern meint Werner Hüsgens dazu, dass heute Konzertbesuche immer mehr einen „Eventcharakter“ bekommen, nicht mehr die Musik allein im Vordergrund steht. Die Pausensuppe soll hier ein Teil des „Events“ werden. Auch wenn es natürlich immer noch um die Musik geht.

Internationalen Flair werden dann am Samstag, 5. Oktober, die Streifenjunkos nach Aachen bringen. Die beiden jungen Norweger werden mit Tenorsaxophon und Trompete einen eigenen, improvisierten Sound nach Aachen tragen. In Kooperation mit Soundtrips NRW werden die beiden jungen Musiker Musik aus dem „Jetzt“ spielen. Die ungewöhnliche Besetzung wird ihren Beitrag dazu leisten, dieses Konzert zu einem besonderen Ohrenschmaus zu machen.

Kompositionen aus eigener Feder kann man im Anschluss vom Werner Hüsgens Quartett hören. Hier trifft ein Musiker mit 30 Jahren Bühnenerfahrung auf junge Ausnahmetalente, die mit ihrer Jazzmusik auf eine klischeefreie Art kommunizieren. Gleichzeitig ist es auch die Vorstellung der neuen CD.

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