In der Soers tobt der Streit um die Baustellenreinigung

Von: Robert Baumann
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Sehen sich seit Monaten um ihr
Sehen sich seit Monaten um ihre Lebensqualität gebracht: Gertrud Jungheim, Christa Schroiff, Natascha Riedel und Albert Bremerich-Vos (v.l.). Foto: Ralf Roeger

Aachen. Am Nachmittag macht es sich Christa Schroiff gerne mit einer Tasse Kaffee in ihrem Garten gemütlich. Wenn sie nach dem zweiten Schluck in ihre Tasse blickt, schwimmt eine Staubschicht auf ihrem Kaffee. Auch die Gartenmöbel sind von Schmutz bedeckt.

Schuld hat nicht der Blütenstaub, der viele Aachener lange Zeit plagte, sondern die nahe gelegene Baustelle. Von dort fegt der Staub über die Häuser und Autos im Purweider Weg in der Soers hinweg und hinterlässt einen gelb-grauen Teppich. „Das ist eine große Einschränkung der Lebensqualität. Wenn es regnet, sind die Verschmutzungen noch schlimmer. Dann verschlammt der Dreck und wird von den vielen Lkw in die Straße getragen”, ärgert sich Schroiff.

Anwohner fordern gründliche Reinigung

Seit Herbst 2009 baut das Düsseldorfer Immobilien-Unternehmen Interboden an dem Projekt „Raphaelshöfe Soers”. 65 neue Wohnungen entstehen auf dem ehemaligen Klostergelände der Ordensgemeinschaft der Töchter vom Heiligen Kreuz am Strüver Weg. Um die Baustellenzufahrt an der Lindenallee zu erreichen, müssen die Lkw zum Leidwesen der Anwohner durch den Purweider Weg. „Die brettern hier in der 30-Zone mit 60 km/h durch. Wir stehen dann regelrecht im Staub. Die Fenster zur Straße hin können wir gar nicht mehr öffnen und die Straße kehren wir mittlerweile selbst”, ärgert sich Gertrud Jungheim, die mit ihrem Mann seit 20 Jahren in der Siedlung wohnt.

Die Anwohner fordern eine ordentliche und gründliche Säuberung der Straße, der Baustellenzufahrt und des Fußgängerwegs. „Wir sind keine Querulanten, aber die Baumaßnahme zieht sich schon so lange hin und die Schmutzbelästigung ist enorm. Mein Auto ist ständig verdreckt, so dass ich alle zwei Tage in die Waschanlage fahre. Dort kennt man mich schon mit Namen. Interboden will natürlich die zusätzlichen Kosten für eine Reinigung vermeiden”, sagt Anwohner Albert Bremerich-Vos.

Neben der Staubbelästigung klagen die Anwohner über Lärm und verrußte Fassaden, die durch die wartenden Autos an den beiden Baustellenampeln vor ihren Häusern entstehen. „Es ist klar, dass man bei einer Großbaustelle Einschränkungen in Kauf nehmen muss, aber nicht in diesem Ausmaß. Interboden und die Stadt schieben sich gegenseitig die Verantwortung für die Reinigung zu”, ärgert sich Anwohnerin Natascha Rieke.

Wer den anfallenden Dreck auf einer Baustelle und deren Zugangswegen bereinigen muss, ist klar geregelt. „Baufirmen sind grundsätzlich selbst verpflichtet die Baustellen zu reinigen. Das ist eine Auflage des Bauantrags und somit Aufgabe des Bauunternehmers. Die Stadt ist für die Säuberung nicht zuständig. Wir reinigen den Purweider Weg nur im Rahmen der normalen Straßenreinigung”, erklärt Axel Costard, Pressesprecher der Stadt Aachen.

Mit einem Schreiben haben sich die Anwohner des Purweider Wegs daher jetzt an die Firma Interboden gewandt und fordern darin die Entfernung der Schmutzschicht und die Befestigung der Baustellenzufahrt.

„In der Endphase”

„Eine Baustelle ist nie eine schöne Sache und ich habe Verständnis, dass so etwas bei den Anwohnern an den Nerven zehrt. Wir haben in der Hochphase des Baus ein Reinigungsfahrzeug bestellt, das regelmäßig gesäubert hat. Die Lindenallee, von der aus der Dreck auf die Straße getragen wird, gehört uns nicht. Außerdem dürfen wir aus Umweltschutzgründen die Allee weder asphaltieren, noch zuschottern”, argumentiert Christoph Irmisch, Projektleiter bei Interboden. „Dass es auf einer Baustelle Staub und Dreck gibt, lässt sich einfach nicht vermeiden. Wir befinden uns aber jetzt in der Bauendphase und die Staubbelastungen sind bei weitem nicht mehr so groß wie zu Baubeginn”, ergänzt Rainer Bauer, Bauleiter der Raphaelshöfe Soers.

Bis Ende Juni sollen alle Baumaßnahmen abgeschlossen sein. Schon jetzt sind einzelne Wohnungen fertiggestellt und bezogen. Die Anwohner werden aufatmen, wenn sie nach fast zwei Jahren wieder staubfrei im Garten ihren Kaffee genießen können.
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