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In Aachen hat er den „Backenzahn” gebaut

Von: Christiane Husmann
Letzte Aktualisierung:
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Gottfried Böhm, weltberühmter Architekt und in Aachen Lehrstuhlinhaber von 1963 bis 1985, wurde an der RWTH mit einer Feierstunde zum 90. Geburtstag geehrt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Viele Gratulanten - frühere Studenten, Assistenten, Mitarbeiter und Wegbegleiter - waren gekommen, um mit Gottfried Böhm, ehemals Professor an der Fakultät für Architektur der RWTH, seinen 90. Geburtstag zu feiern.

In der Aula des Hauptgebäudes am Templergraben ließen sie Schaffen und Werke des international geehrten Baumeisters im Rahmen von Präsentationen Revue passieren und erinnerten sich mit einem Augenzwinkern an die gemeinsame Zeit mit ihrem akademischen Lehrer.

„Ich war verblüfft darüber, dass abends alle gemeinsam bei Bier und Wurst diskutierten. Es gab keine künstlichen Schranken zwischen Studenten, Assistenten und Institutsleiter”, erinnerte sich Manfred Jaeger an seine Zeit als Assistent des Jubilars. Böhm lehrte von 1963 bis 1985 im Fachbereich „Stadtbereichsplanung und Werklehre” und erlebte während dieser Zeit 68er-Studentenbewegung. Auch ihm sei es wichtig gewesen, die Ideen von Mitarbeitern und Studenten ernst zu nehmen.

Auch in seinem Fachbereich Stadtplanung hielt er dazu an, neue Wege zu gehen. Eine Stadt sollte wie das Innere eines Wohnhauses aussehen, mit den Straßen als Fluren. Böhms ehemaliger Assistent Hans Schmalscheid erklärte an Modellen das moderne Konzept seines früheren Professors. Der Mensch und seine Lebensqualität im Stadtraum sollten dabei an erster Stelle stehen.

Als Andenken an die gemeinsame Zeit hatten die ehemaligen Assistenten eine Festschrift für „ihren Meister” zusammengestellt. „Sie existiert nur einmal”, erklärte Designer Frank Popp und überreichte dem Jubilar die Sammlung von Fotos, Skizzen und Briefen. Böhm freute sich über das exklusive Buch und begann gleich darin zu blättern.

Wie ein Bergkristall

Böhm brachte es aber nicht nur als Hochschullehrer, sondern auch als selbstständiger Architekt zu höchsten Ehren. Ende der 1940-er Jahre begann er seine Laufbahn im Kölner Architekturbüro seines Vaters, des berühmten Kirchenbauers Dominikus Böhm, und entwarf dort die Kapelle „Madonna in den Trümmern” für die Ruine der Kölner St. Kolumba-Kirche.

Viele weitere Kirchen in Deutschland folgten, und auch in Aachen hinterließ Böhm seine Spuren: Der Entwurf für die katholische St. Hubertus-Kirche kommt von seinem Reißbrett. Vorlage für den eckigen und modernen Bau soll ein Bergkristall gewesen sein. „Die rheinisch-poetische Natur hat der Kirche den Namen ÔBackenzahn Gottes´ beschert”, erklärte Bürgermeisterin Margarethe Schmeer in ihrer Festrede schmunzelnd. Auch Böhm konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. „Kirchen zu bauen ist etwas Großes”, befand er.

Auch in anderen Ländern, von Luxemburg bis Brasilien, stehen Böhms Kirchen und viele weitere öffentliche Gebäude. Materialien wie Beton und später Glas und Stahl prägten seine Werke. Für sein weltweites Wirken erhielt er 1986 den Pritzker-Preis, eine der begehrtesten internationalen Auszeichnungen in der Architekturwelt.

Volkwin Marg, Böhms Nachfolger an der RWTH, würdigte ebenfalls die vielen Verdienste. „Ich wünsche Ihnen Gesundheit, Gelassenheit und Gottes Segen”, gratulierte er. Gelassen kann Jubilar Böhm auch in die Zukunft sehen: Seine drei Söhne haben das Architektenbüro übernommen und führen es erfolgreich weiter. Zu den jüngsten Projekten gehören zum Beispiel das „Hans Otto Theater” in Potsdam und die geplante Moschee in Köln-Ehrenfeld. Auch an diesen Entwürfen hat Böhm senior mitgearbeitet.
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