In Aachen gebauter Fafnir von 1919 fährt wieder

Von: Berthold Strauch
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Waren die Stars des großen Festes zum 35-jährigen Bestehen des Motor-Dienstleisters FEV: der Fafnir mit den Passagieren Franz und Stefan Pischinger. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Ein großartiges Stück Aachener Automobilgeschichte ist wieder lebendig geworden: der Fafnir. Zur Feier seines 35-jährigen Bestehens präsentierte der Motor-Dienstleister FEV auf seinem Firmengelände an der Neuenhofstraße ein mit großem Aufwand wiederbelebtes Fahrzeug dieses Herstellers, der von 1903 bis 1926 in einer Manufaktur an der Jülicher Straße produzierte.

FEV-Gründer Professor Franz Pischinger (82) und sein Sohn Prof. Stefan Pischinger (52) am Steuer, der aktuelle Geschäftsführer dieses weltweit aktiven Unternehmens mit aktuell 2600 Mitarbeitern und starkem Wachstumspotenzial, fuhren mit dem Oldtimer zur Eröffnung des Festes für die Mitarbeiter und ihre Familien vor. Viele Kameras klickten, und staunende Blicke folgten diesem glänzenden Teil Industriegeschichte der Stadt.

Die Restaurierung hat mehr als vier Jahre gedauert. Dafür verantwortlich war die Ausbildungswerkstatt von FEV unter Leitung von Rolf Weckauf. Gleich zwei Lehrjahrgänge beschäftigten sich damit, das ziemlich ramponierte Auto wieder zu einer vierrädrigen Kostbarkeit zu veredeln. Rund 80 Prozent der Teile des Fafnirs sind noch im Originalzustand, der Rest wurde nachgebaut. Dabei wurde übrigens auch viel Holz verarbeitet.

So bestehen zum Beispiel die Karosserie und die Speichen der Räder aus diesem natürlichen, nachwachsenden Rohstoff – kein Wunder, waren doch damals Pferdekutschen das Vorbild. Deutlich wurde dieses Material auch durch einen Riss, der sich auf einer Autotür im Lack zeigte: „Holz arbeitet schließlich“, erklärte Peter Stommel, der das Projekt bei FEV koordinierte. Vor der kurzen Premientour der Pischingers übers Betriebsgelände war zum Nacharbeiten keine Zeit mehr.

1919 ist der Fafnir aus der Baureihe 472 gebaut worden, zunächst als „Phaeton“, eine Karosserieform aus den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts. Später wurde das Auto zu einem „Pickup“ mit Ladefläche umgerüstet – so, wie der Fafnir sich nun auch dem staunenden Publikum präsentiert. Das Auto hat die Straßenzulassung samt TÜV-Stempel erhalten – und das „H“-Kennzeichen für ein historisches Modell.

Prof. Franz Pischinger sprach in seiner Begrüßung der Gäste des FEV-Festes von einem „ganz wunderbaren Augenblick“: Mit vier Mitarbeitern in einer zum Büro umfunktionierten kleinen Wohnung habe er 1978 begonnen – seitdem sei die Firma enorm gewachsen. Wie das gehe? „Zunächst muss man eine Idee und Phantasie haben“, eine Begeisterung für Mobilität, um so etwas zu entwickeln und immer besser zu werden. „Ganz wichtig“ sei auch, „begeisterte Mitarbeiter“ zu haben mit der gleichen Idee, die sich anstecken lassen und sie gemeinsam mit vorantreiben.

Zudem müsse man bei den Kunden guten Anklang finden. „Das sind die drei Punkte, die FEV groß werden ließen und weiter wachsen lassen.“ Und sein Sohn Stefan Pischinger, der aktuell die Verantwortung im Unternehmen trägt und auch den RWTH-Lehrstuhl für Verbrennungskraftmaschinen (VKA) leitet, sprach von „Mut und Vertrauen“ in das Können der Mitarbeiter. Seit fünf Jahren, als FEV das 30-jährige Bestehen feierte, sei die Gruppe um 850 Mitarbeiter gewachsen, davon im wesentlichen Teil in Aachen, wo 500 Kollegen dazukamen.

2008 sei der FEV-Standort an der Jülicher Straße, wo übrigens einst der Fafnir gebaut wurde, noch genutzt worden, und seitdem sei auch in Alsdorf ein Neubau entstanden, weitere Flächen seien angemietet worden. Die Niederlassung in Indien sei dazugekommen, zudem Filialen in der Türkei, Brasilien und Frankreich. Und aus Russland gebe es große Aufträge.

In den USA, wo erstmals eine Firma hinzugekauft wurde, zähle FEV bereits über 450 Mitarbeiter, so Pischinger weiter. Die weltweite Expansion „macht Spaß“, versicherte der Geschäftsführer. Und sie werde weitergehen, versprach er, der Auto- und Motorenbau „wird weiter gedeihen“.

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