Impfaktion: Die Polizei hat eigenen Planungsstab gebildet

Von: Heiner Hautermans
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Lieferte gestern insgesamt 570 Ampullen an drei Ärzte und das Marienhospital aus: Hans Kaus von der Harscamp-Apotheke. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der Impfstoff gegen die sogenannte Schweinegripppe ist in Aachen angekommen, die Bereitschaft, sich pieksen zu lassen, bislang in der Bevölkerung aber wenig ausgeprägt. Selbst in Berufsgruppen, die an vorderster Front stehen.

Von den rund 1000 haupt- und ehrenamtlichen Sanitätern und Feuerwehrleuten haben sich nur zehn bis 20 Prozent zur Impfung bei den jeweiligen Betriebsärzten gemeldet, berichtet der Abteilungsleiter Rettungsdienst, Erwin Lausberg: „Bisher ist die Resonanz eher zurückhaltend.” Die Ursache vermutet er in der kontroversen Diskussion in der Öffentlichkeit und der Tatsache, dass die Erkrankungen mit dem neuen Virus H1/N1 bislang weitgehend glimpflich abgelaufen sind.

Lausberg erwartet, dass die Impf-Bereitschaft Anfang nächsten Jahres steigen wird. Dann verbreiten sich die Viren üblicherweise in größerem Maße. Der Rettungsdienstchef ist naturgemäß daran interessiert, dass seine Leute „dienstbereit” bleiben, und dafür sei die Impfung schon nützlich. Die ist allerdings auch für besonders betroffene Berufsgruppen, Feuerwehrleute oder Polizisten, freiwillig. Sollte das Krankheitsrisiko größer werden, dann wird - so Lausberg - auch die Einsicht zunehmen, sich eine Spritze geben zu lassen.

An der Spitze der Abwehrbewegung in Aachen steht die Polizei, die eine eigenen Planungsstab Pandemie eingerichtet hat und in dieser Woche ebenfalls mit den Impfungen beginnt. Bei der Bundeswehr dagegen stand man am Montag noch Gewehr bei Fuß. Oberfeldarzt Dr. Konstantin Klein: „Bei uns ist noch nichts angelaufen. Wir erwarten das, haben aber noch keinen Impfstoff und keine Information, wann es losgeht.”

Dass die Resonanz bisher verhalten ist, liegt vielleicht auch daran, dass das Prozedere für die Impfung geändert und zentralisiert wurde. Der Normalbürger kann nicht einfach zu seinem Arzt gehen, sondern muss dort sein Interesse bekunden. Der Arzt meldet das weiter an die Gesundheitsbehörde, die ihrerseits die Ampullen beim Großhändler bestellt und an ausgewählte Apotheken aushändigt. Die wiederum beliefern, gegen Bescheinigung, die Arztpraxen der Mediziner, die bei der Aktion mitmachen.

Drei Apotheken

Für Aachen sind drei Apotheken bestimmt worden, darunter die Laurentius-Apotheke in Laurensberg. Inhaber Dr. Herbert Pichler beobachtet bei der Kundschaft zwar ein sehr großes Interesse: „Es wird ganz viel gefragt.” Doch die Verunsicherung sei ebenfalls groß, weil unterschiedliche Empfehlungen von Experten ausgesprochen würden. 1000 Impfeinheiten hat er Montag erhalten, einen Teil davon an zwei Ärzte ausgeliefert. Eine gleich große Lieferung hat Hans Kaus von der Hars-camp-Apotheke erhalten, der 570 Einheiten am Montag schon an verschiedene Ärzte und das Marienhospital auslieferte.

Er ist in Bezug auf die Impfung ebenfalls zwiegespalten. „Die einen Experten sind dafür, die anderen dagegen.” Nach gegenwärtigen Stand werde er sich nicht gegen die Schweinegrippe impfen lassen. Schließlich wirke der jetzige Impfstoff nicht, wenn das Virus mutiere und gefährlicher werde. „Wir haben bisher Glück gehabt. Aber das kann sich jederzeit ändern, das weiß keiner.” Apothekerin Helga Fischer von der Donatus-Apotheke in Brand, der dritten im Bunde, hat am Montag ebenfalls die ersten Arztpraxen beliefert: „Wir haben reichlich Vorrat.”

Einer der ersten Mediziner in Aachen, der am Montag gegen die Schweinegrippe geimpft hat, ist Dr. Hassan Ouklah. Neun seiner Patienten haben sich am Montag das Serum spritzen lassen: „Die Leute haben Angst. Die Situation ist nicht besonders gut.” Selbst unter den Medizinern gingen schließlich die Meinungen auseinander. Eine seiner Kolleginnen, die namentlich nicht genannt werden will, hat zwar auch festgestellt, dass viele Patienten verschreckt sind - deutlich weniger als bei der normalen Grippeimpfung wollten sich die Nadel setzen lasen.

„Ich habe keine Angst”

Dennoch ist es nach ihrer Ansicht vernünftig, dass sich bestimmte Risikogruppen impfen lasen. Deshalb wird die Allgemeinmedizinerin mit gutem Beispiel vorangehen und die Impfung an sich ausprobieren: „Ich habe keine Angst.” Wenn sich in den nächsten Wochen herausstelle, dass es keine großen Nebenwirkungen gebe, werde sich die Aufregung schon legen.
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