Immer mehr Tiere werden ausgesetzt

Von: Werner Breuer
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Hatte Glück und landete wohl behalten im Tierheim: Der Bernhardiner-Mischling Max wurde in Burtscheid entdeckt, er war etwas versteckt an einer Laterne angebunden und winselte. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die „schönsten Wochen” des Jahres? Mit der Ferienzeit beginnt für viele Haustiere ein Martyrium. Sie werden ausgesetzt, an Laternenpfähle gebunden oder auf einem Waldparkplatz aus dem Auto gescheucht.

Mit etwas Glück überleben die zuvor so geschätzten vierbeinigen Lieblinge den Rauswurf aus ihrer vertrauten Umgebung und landen im Tierheim. Dort herrscht jetzt wieder Hochsaison. Seit Anfang Juli wurden 32 Fundtiere im Feldchen nahe dem Prager Ring abgeliefert, berichtet Birgit Wintersteller-Kordic, die Tierschutzbeauftragte des Aachener Tierschutzvereins.

Einer von ihnen ist „Max”. Der Bernhardiner-Mischling wurde am vergangenen Wochenende in Burtscheid entdeckt, er war etwas versteckt an einer Laterne angebunden und winselte. Eine Passantin brachte den ausgehungerten Hund ins Tierheim. „Er war sehr durstig und hatte starken Durchfall”, berichtet Birgit Wintersteller-Kordic.

Auf seinem braunen Lederhalsband stand der Name „Max”, viel mehr aber wissen die Aachener Tierschützer über ihren Gast noch nicht. Seinen Besitzer konnten sie bislang nicht herausfinden. Immerhin hatte Max mehr Glück als viele Artgenossen, die kläglich verhungern, verdursten oder das ungewohnt rauhe Leben außerhalb des vertrauten Umfeldes nicht meistern können.

Die Tierschutzbeauftragte weiß von Meerschweinchen zu berichten, die Jagdhunden zum Opfer fallen oder kranken Kaninchen, die ohne ärztliche Hilfe keine Chance haben.

„Es ist mir unbegreiflich, wie manche Menschen erst ihre Haustiere aussetzen und dann entspannt ihren Urlaub genießen können”, so Wintersteller-Kordic. Wie viele Zeitgenossen sich auf diese Weise ihrer Schützlinge entledigen, kann auch sie allenfalls schätzen.

So würden immer wieder Katzenhalter ihre Stubentiger mit dem Hinweis auf eine Allergie abgeben. „Natürlich mag es da Notfälle geben”, räumt die Tierschutzbeauftragte ein. Verständnis hat sie auch für Leute, die etwa wegen Umzugs, beruflichen oder privaten Veränderungen oder Trennung ihre Haustiere nicht mehr halten wollen. Auch die finanziellen Gründe kennt sie: „Wenn die Tiere alt und krank werden, verursachen sie höhere Kosten.”

Doch über allen nachvollziehbaren Einzelfällen stehen irritierende Zahlen: Seit Beginn der Ferien musste das Tierheim 40 Babykatzen und 25 ausgewachsene Samtpfoten aufnehmen. „Das ist schon auffällig”, sagt Wintersteller-Kordic, außerhalb der Urlaubszeit würden weitaus weniger Neuzugänge registriert.

Haustier lästig geworden

Sie argwöhnt deshalb, dass „vielen ihr Haustier jetzt lästig geworden ist”. Dabei gibt es durchaus andere Möglichkeiten, Reiselust und Tierpflege unter einen Hut zu bringen. Wintersteller-Kordic verweist da nicht alleine auf Tierpensionen, sondern auch auf die gegenseitige Hilfe unter Tierfreunden. Da gebe es durchaus Leute, bei denen man seinen Liebling mal für einige Zeit unterbringen könne, um im Gegenzug ein anderes Mal selbst einen Hausgast aufzunehmen.

Der Tipp der Expertin: „Am besten mal den Tierarzt fragen, die wissen oft Rat.” Wer ausgesetzte Tiere entdeckt, sollte sich an die Tierschutzbeauftragte (0172/2004837) wenden.
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