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Immer ein offenes Ohr: Ehrenamtlerinnen in der Ambulanzseelsorge

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:
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An diesem Morgen sind Barbara Kremer und Renate Heinemann (rechts) mit dem Kaffeewagen auf den Klinikfluren unterwegs. Das Angebot der Klinikseelsorge gibt es seit 2002. Derzeit gehören neun Frauen zum ehrenamtlichen Team. Foto: Heike Lachmann
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Pfarrerin Sabine Haag betreut die Ambulanzseelsorge Uniklinikum.

Aachen. Zwölf Liter Kaffee haben Barbara Kremer und Renate Heinemann an diesem Morgen gekocht. Drei Liter Tee haben sie aufgebrüht, heißes Wasser für Kakao abgefüllt, Milch und Zucker bereitgestellt. Nun laden sie alles auf den großen Servierwagen und ziehen los.

Nuklearmedizin, Strahlentherapie, Radiologie, chirurgische Notaufnahme, Augenklinik, Hautklinik… Renate Heinemann und Barbara Kremer arbeiten ehrenamtlich in der Ambulanzseelsorge des Uniklinikums. Sie haben Kaffee und Tee im Angebot, ein freundliches Wort und ein offenes Ohr.

Neun Frauen gehören aktuell zum ehrenamtlichen Team der Ambulanzseelsorge. Immer dienstags und donnerstags sind einige von ihnen vormittags im Klinikum unterwegs. Die Tour ist sogar mit dem Betreiber des Klinik-Bistros abgesprochen. Denn der hat mittlerweile auch einen Kaffeewagen im Einsatz. Und da will man sich nicht in die Quere kommen und die Patienten verwirren.

Seelsorge in der Ambulanz

Sabine Haag, evangelische Pfarrerin und Krankenhausseelsorgerin, hat die Ambulanzseelsorge 2002 mit damals zwei Ehrenamtlern aus der Taufe gehoben. „Mit dem Kaffeewagen können wir ganz niedrigschwellig auf das Angebot der Klinikseelsorge hinweisen“, sagt sie. Sie ist überzeugt: Seelsorge wird auch im ambulanten Klinikbetrieb gebraucht. „Die Verweildauer in den Krankenhäusern wird immer kürzer, ambulante Operationen spielen eine immer größere Rolle“, sagt Haag. Entsprechend viel ist in den Ambulanzen los.

Patienten kennen das: Man geht für eine Untersuchung oder einen ambulanten Eingriff in die Klinik und sitzt dann lange auf dem Flur, womöglich voller Sorge, wie die Diagnose ausfällt oder ob die Krankheit sich verschlimmert hat. Die Frauen mit dem Kaffeewägelchen erscheinen da vielen wie ein Lichtblick. „Das Warten auf eine Untersuchung, auf ein Ergebnis kann zermürbend sein“, sagt Haag. „Als Klinikseelsorge ist es uns ein Anliegen, in dem Bereich präsent zu sein.“ Die Ehrenamtler haben auf ihrem Wagen auch Kärtchen mit den Kontaktdaten der Klinikseelsorge parat.

Ihre „Kommandozentrale“ haben die Frauen im Aufenthaltsraum der Nuklearmedizin im zweiten Untergeschoss des Großkrankenhauses gefunden. Hier kochen sie ihren Kaffee. Andreas Keuhlarz, physikalisch-technischer Assistent in der Nuklearmedizin, kriegt den ersten Becher Kaffee an diesem Morgen. „Die Damen sind das gute Herz des Uniklinikums“, sagt er und nimmt genüsslich einen Schluck.

Erste Station an diesem Tag: Nuklearmedizin. „Hätten Sie gerne eine Tasse Kaffee?“, fragen Renate Heinemann und Barbara Kremer. „Da sag ich nicht Nein“, antwortet der Patient und blickt höchst erfreut in Richtung Wägelchen.

Bei Bedarf mit Strohhalm

Flur 14, Strahlentherapie: Für die Patientin, die in ihrem Bett auf dem Flur wartet, hätten die Frauen bei Bedarf auch einen Strohhalm parat, damit das Trinken im Liegen etwas einfacher geht. In manchen Abteilungen müssen die Ehrenamtler allerdings sehr genau nachfragen, ob ein Kaffee denn erlaubt sei, erzählt Barbara Kremer ein paar Flure weiter in der Radiologie. Vor manchen Behandlungen dürfen die Kranken ja nichts trinken. Und manche vergessen das im Untersuchungsstress auch mal.

Ambulante Unfallchirurgie: Wer hier auf Krücken unterwegs ist, kriegt seinen Kaffee in Reichweite abgestellt. Die Rückmeldungen, erzählen die erfahrenen Helferinnen, seien eigentlich überall durchweg positiv. „Die Leute freuen sich so über dieses Angebot.“ Viele wollen kaum glauben, dass sie ihr Heißgetränk ganz umsonst bekommen. Und so viele wollten gerne eine kleine Spende geben, dass die Frauen schließlich eine Spendendose aufs Wägelchen stellten. Von den Spenden wird nun regelmäßig neuer – fair gehandelter – Kaffee gekauft.

Vielen Schicksalen begegnet

Drei Stunden später: Renate Heinemann und Barbara Kremer haben ihre Tour beendet, und die Kaffeekannen sind fast leer. Auf ihrer Runde durch die Uniklinik sind sie – für Augenblicke – vielen Schicksalen und viel Leid begegnet. „Nachher, beim Rausgehen, ist mir immer ganz bewusst, wie gut wir es doch haben“, sagt Renate Heinemann nachdenklich.

Eine Patientin hat den Frauen am Kaffeewagen mal einen Zettel in die Hand gedrückt. „Sie haben mir mehr gegeben als eine warme Tasse Kaffee“ stand darauf. Ein schöneres Kompliment, finden die beiden, kann man ihnen eigentlich nicht machen.

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