Im Zirkuswagen von „FlicFlac" gibt‘s zum Fest Truthahn

Von: Wolfgang Schumacher
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Antonio und Connor (2. und 3. v. l.) aus der englisch-irisch-schottischen Familie Garcia zeigen ihren artistischen Moonwalk, mit dem sie in Brüssel auftraten. Connor: „Ich mag eigentlich Eminem.“ Fotos (2): Heike Lachmann Foto: Heike Lachmann
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Artistenfamilie Vickky, Connor, Antonio und Pablo Garcia (v.l.): stolz auf die Söhne mit ihrem artistischen Figuren zum Jackson-Song „Bad“. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Antonio (11) und Connor (7) freuen sich wie alle Jungs in dem Alter auf Weihnachten. Das ist normal. Alles andere ist nicht so normal in dieser englisch-irisch-schottischen Artistenfamilie mit südländischen Wurzeln, die mit Mutter Vickky und Vater Pablo Garcia für gut zwei Wochen auf dem Aachener Bendplatz lebt und ansonsten ihre Heimat im englischen Birmingham hat.

Die „Nachrichten“ besuchten die Garcias, eine der vielen Hochartisten-Attraktionen des Zirkus „FlicFlac“. Dort auf dem Platz, wo sie heute am spielfreien Heiligabend ein ganz normales Weihnachtsfest feiern, machten sie sich am Montagmittag noch fertig für die zwei letzten Vorstellungen vor dem Fest. Die beiden Jungs saßen währenddessen vor ihren Schulaufgaben, denn auch Zirkuskinder müssen büffeln, da gibt es kein Pardon.

Wuschelmähne

Unter der Wuschelmähne des kleinen Connor stecke ein echte Begabung für Mathematik, lobte Vater Pablo (45) stolz den Jüngsten, der anders als der Elfjährige ein wenig scheu und zurückhaltend im Wagen sitzt. Der Große dagegen ist mit seinen elf Jahren bereits ein echter Show-Mann, der mit einem perfekten Michael-Jackson-Moonwalk in einem kurzen weißen Jäckchen auftritt. Der kleine Bruder ist auch dabei, etwas im Hintergrund, aber mit nicht viel weniger Körperbeherrschung und artistischem Sachverstand.

Klar, für das Welt­niveau des großen „FlicFlac“-Zirkus reicht die Nummer noch nicht. Aber zeitlich kurz vor dem Aachener Engagement der Eltern hatten die beiden bereits ihre großen Auftritte in Brüssel. Da treten sie zu der Melodie des legendären Jackson-Songs „Bad“ auf, Antonio mit weißen Handschuhen und ganz schlank wie das Original. Doch was Jackson niemals hinbekommen hätte, das sind die akrobatischen Bodennummern, die die beiden im gleißenden Bühnenlicht zu der Melodie hinlegen, stolz zeigen sie uns Videoclips ihrer jüngsten Auftritte.

Leichtes Training

Dann posieren sie in der „FlicFlac“-Manege für unsere Fotografin Heike Lachmann, ein Fotoshooting zwischen ganz großen Artisten. Da sind beispielsweise die ebenso noch blutjungen Akrobatenspringer der chinesischen Gruppe aus Wuhan, die an diesem Morgen nur ein leichtes Trampolin-Training absolvieren, nachmittags und abends aber erneut ihr unerbittliches Showgerät, den sogenannten Steelhammer (Stahlhammer), besiegen müssen.

Die Manege ist anders als bei der Abendshow richtig kalt, Antonio wärmt sich in der Winterjacke, auch Connor friert. Dann legen beide los. Connor geht in den Handstand, ebenso Antonio, der sich dabei völlig in die Rückenlage biegt, bis Beine und Kopf nach hinten zeigen, der „Kleine“ steht inzwischen auf dem Kopf. das machen sie in ihrer Show dann, als wenn es nichts wäre, beide haben Spaß dabei, freuen sich über die gelungen Figuren. „Zeig‘ mal dein Sixpack“, lacht Vater Pablo, er weiß genau, dass die Bauchmuskeln bei Antonio stahlhart sind.

Die Kinder warten natürlich sehnsüchtig auf Weihnachten, Geschenke gibt es schließlich auch im Zirkus. Antonio hat sich ein neues Spiel für die Playstation gewünscht, bei Connor ist die Zeit für ein „bike“, ein neues Fahrrad, gekommen – alles ganz normal. Die Speisekarte im Zirkuswagen ist ebenfalls weihnachtlich. Was kocht die Artistenfrau denn so zum Heiligabend? Den klassischen „Turkey with vegetables“, also den traditionellen Puter mit einem Gemüse, welches, das hatte Vickky Garcia noch nicht entschieden.

Manche der Zirkusmenschen gehen in die Kirche, berichtete Zirkus-Sprecher Sascha Freudrich, dies auch in Aachen. Ansonsten aber bleibe man in den Familien. Für Muslime etwa gibt es nichts zu feiern, und Menschen orthodoxen Glaubens feiern Weihnachten später.

Feier nach Silvestershow

Doch nach der Silvestershow, da kämen alle zusammen, freute sich Freudrich bereits auf den 31. Dezember. Da lasse sich meistens auch Zirkusgründer Benno Kastein sehen, sicher weil er Sehnsucht nach seiner Tochter Larissa habe. Die 26-Jährige tritt in dem Programm mit einer akrobatischen Lovestory auf und gilt als hoffnungsvolle Jungchefin, die eventuell dereinst das Zirkusunternehmen übernehmen könnte. Kastein selbst wollte „FlicFlac“ bereits 2010 veräußern, es gelang nicht.

Pablo Garcia kennt den ehemaligen Weltklasse-Hochseilartisten und Zirkusgründer Kastein noch aus den 1980er Jahren. Im Laptop hat der Engländer ein Foto aus diesen Zeiten. Da saß er mit Kastein vor dessen Wohnwagen mit der Aufschrift „Larissa“, benannt nach der frisch geborenen Tochter. So sollte auch der nostalgische Zirkus heißen, den er gründen wollte. Doch dann habe sich Kastein völlig umentschieden: Der Betrieb wurde zum aufregenden Zirkusprogramm „FlicFlac“.

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