Im Westen nichts Neues

Von: Heike Nelsen-Minkenberg
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Keine Frage, „West Arch”, die aktuelle Ausstellung im Ludwig-Forum ist ein spannendes Projekt.

Es ist auch eine prima Idee, die eindrucksvolle Schau zeitgenössischer Architektur durch ein Rahmenprogramm mit Filmen, Vorträgen, Workshops und ähnlichem zu begleiten. Befremdlich war nur die Beobachtung, wie die Podiumsdiskussion „Fallstudie: Rekonstruktion und Dekonstruktion in Aachen” sich selbst dekonstruierte.

Hans-Dieter Collinet, Vorsitzender des Architektenbeirats der Stadt Aachen, brach in seiner Eröffnungsrede zwar eine Lanze dafür, dass es „dort, wo der Krieg ganze Innenstädte verwüstet hat, legitim ist, die eigene Stadtgeschichte an einzelnen Punkten zu rekonstruieren” - allerdings widersprach ihm keiner. Und ohne kontrovers besetztes Podium kommt eben keine Diskussion zustande. Übertroffen wurde der Zustand nur noch durch den allgemeinen Konsens, dass die gesamte Frage „Rekonstruktion oder Dekonstruktion” sich heute in Aachen gar nicht stellt. „Diese Debatte wurde hier in den 70ern geführt”, so Collinet. Kalter Kaffee für die Städteplaner von heute. Und blickt man über den Öcher Tellerrand, sind sogar die hitzigen Kämpfe um Großprojekte wie die Dresdener Frauenkirche oder das Berliner Stadtschloss längst ausgefochten, alle Argumente ausgetauscht - wie selbst Diskussionsleiter Alexander Markschies feststellte.

„Postmoderner Stilpluralismus”

Laut Heike Delitz ist Architektur nicht nur Ausdruck der Gesellschaft, sondern besitzt soziale Brisanz. „Was macht Architektur mit uns?” fragte die Soziologin - allerdings ohne eine Antwort zu geben, geschweige denn einen Lokalbezug zu finden. Und dass die Diskussion um den einen oder anderen Baustil sowieso absurd ist, brachte Denkmalpflegerin Monika Krücken auf den Punkt: „Stilbrüche bilden gesellschaftspolitische Umbrüche ab. Heute herrscht aber ein postmoderner Stilpluralismus. Das heißt, wir dürfen verschieden sein.”

Was auch Harald K. Lange, Leiter des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW in Aachen „ganz angenehm” findet und noch weiter führt: „Ich plädiere für das ideale Rezept am jeweiligen Ort.” Das wusste der interessierte Zuhörer aber auch schon vorher.
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