Im Wahlkampf kommt es auf jeden einzelnen Parkplatz an

Von: Werner Czempas
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Aachen. Zehntausend Bäume will die Stadt neu pflanzen. So steht es im „Masterplan 2030“, und das ist gut so. Doch wenn es für den Baum zum Schwur kommt, gehen die Politiker weniger mutig und weniger beherzt mit den Zahlen um.

So wie jetzt in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte. Dort stand die Friedrichstraße auf der Tagesordnung. In der langen Verbindungsstraße zwischen unterem Adalbertsteinweg und Lothringerstraße wird seit Wochen kräftig gebuddelt. Die Stawag verlegt Strom-, Gas- und Wasserleitungen, NetAachen erweitert das Telekommunikationsnetz.

Um nicht die ganze Straße auf einen Schlag zu blockieren, wird abschnittsweise gearbeitet: Sind in einem Teilstück die Infrastrukturmaßnahmen erledigt, wird sofort die Oberfläche wiederhergestellt. Momentan wird im Abschnitt Steffensplatz/Augustastraße gewühlt. Ende des Jahres soll die gesamte Friedrichstraße komplett fertig sein.

Mit Blick auf den auf dem Papier so ehrgeizigen Baumplan sah die Stadt die Chance, in der Friedrichstraße „im Zuge der Oberflächenarbeiten“ sechs Baumfelder im Bereich der Parkstreifen anzulegen. Wie auch in der benachbarten Alfonsstraße sollten sie mit zwei Radbügeln ausgestattet werden. Die Baumfelder und ein barrierefreier Übergang an der Ecke Oligsbendengasse würden 60.000 Euro kosten.

Zwei Stellplätze weniger

Kosten würden sie aber auch zwei Parkplätze. Wegen der sechs Baumfelder auf der mehrere hundert Meter langen Friedrichstraße würden zwei Stellplätze wegfallen. Zwei! Entsetzen schüttelte manchen Politiker. Die Bäume müssten so platziert werden, „dass keine Parkplätze wegfallen“ (Jörg Lindemann, CDU).

Die Rechnung Parkplätze-Bäume sei „schon relativ ausgequetscht“, hielt Straßenbau-Abteilungsleiterin Regina Poth für ein umweltfreundliches Grün dagegen. Nur auf Restflächen, wo kein Auto mehr hin passe, solle ein Baum gepflanzt werden. Wolle die Politik ein „Nullsummenspiel“, müsse die Veraltung noch einmal neu planen.

Was den Politikern in Vorwahlzeiten zusätzliche Kopfschmerzen machte, war eine Bemerkung Poths, in der Friedrichstraße sei auch vor den Hausnummern 58-60 „Ordnung zu schaffen“. Das ist die Ecke Friedrichstraße/Luisenstraße. An ihr liegt eine Wäscherei.

Vor der wird seit Jahr und Tag in „nicht offiziellen Senkrecht-Parkständen“ halb Straße-halb Gehweg geparkt. Das ist „illegal“, wurde bisher aber geduldet. Die Senkrecht-Parker stören weder Autofahrer noch Fußgänger, denn der Gehweg ist an dieser Stelle ungewöhnlich breit.

Nun fordert aber ein politischer Grundsatzbeschluss unmissverständlich: Kein Parken auf Gehwegen! Würde das Senkrechtparken vor der Wäscherei verboten, fielen in der Friedrichstraße zusätzlich zu den zwei Parkplätzen für die Bäume nochmals fünf weg.

Heiner März (SPD): „In der Friedrichstraße zählt jeder Parkplatz.“ Der Seufzer der CDU-Sprecherin Marianne Conradt war denn auch ein allgemeiner: „Die Friedrichstraße ist eine Wohn-Schlaf-Straße. Es muss doch eine andere Regelung geben, als bei den fünf Plätzen vor der Wäscherei Ordnung zu schaffen.“

SPD und FDP hatten vergeblich versucht, das Thema Friedrichstraße komplett von der Tagesordnung abzusetzen. „Alles zu diffus, alles Dinge, die aus der Vorlage nicht hervorgehen“, kritisierte Joachim Moselage das „Mini-Plänchen“. Für die sechs Baumfelder legte sich der Grüne Jürgen Diehm ins Zeug. Bei der Abstimmung fand er aber nur noch vier Mitstreiter querbeet durch alle Parteien.

Die Mehrheit strich die sechs Baumfelder und will in der Friedrichstraße nur dann welche, „wenn die ohne Verlust von Parkplätzen geschaffen werden können“. Überdies sollen die „vorhandenen bisherigen illegalen Stellplätze vor der Wäscherei“ zu legalen ausgebaut werden.

Das war das von Regina Poth beargwöhnte „Nullsummenspiel“. Wer die energiegeladene Straßenbau-Managerin kennt, wunderte sich nicht, dass sie sich eine Schlussbemerkung denn auch nicht verkneifen wollte. So ein metergenaues Tüfteln Autos-Bäume beschere der Verwaltung immer „viel Arbeit“, belehrte sie die Politiker.

Nach dem Beschluss erhebe sich nun allerdings eine Frage, die sie kühl und dennoch leicht gereizt gleich selbst beantwortete: „Wenn Sie immer zugunsten der Parkplätze entscheiden, dann lassen wir es ganz.“

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