Aachen - Im Umgang mit Aids gibt es immer noch eine große Unsicherheit

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Im Umgang mit Aids gibt es immer noch eine große Unsicherheit

Von: Rolf Hohl
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Aachen. Mit HIV kann man heute gut leben – mit der Diskriminierung aber nicht. Mit dieser Botschaft machen die Aids-Hilfe Aachen und ihre Partner auf den diesjährigen Welt-Aids-Tag am kommenden Montag, 1. Dezember, aufmerksam.

Damit steckt sie auch sogleich die aktuellen Probleme ab, denen HIV-Infizierte häufig begegnen. Die gesundheitlichen Folgen einer Infektion sind heute viel besser in den Griff zu bekommen, als die – durchaus berechtigte – Angst vor gesellschaftlicher Diskriminierung.

„Die einfachen Botschaften wie ‚Benutzt ein Kondom!’ sind inzwischen angekommen, mehr aber nicht“, konstatiert Karl-Georg Rinkleff, Sozialarbeiter bei der Aids-Hilfe. Besonders schwierig sei es, wenn der Umgang mit Aids nicht rational erfolgt, sondern emotional aufgeladen werde. „Wenn etwa eine Mutter ihr Kind zusammen mit einem HIV-positiven Altersgenossen in denselben Kindergarten schicken soll, tauchen plötzlich völlig irrationale Ängste auf“, beschreibt Rinkleff eine alltägliche Situation. Diesem gefährlichen Halbwissen entgegenzuwirken, ist eine der zahlreichen Aufgaben des Vereins und Ziel der bundesweiten Kampagne „Positiv zusammen leben“.

Die Bedürfnisse der HIV-Infizierten und die Hilfeleistungen der Aids-Hilfe Aachen haben sich seit der Gründung im Jahr 1986 stark verändert. „Die ersten zehn Jahre unseres Bestehens haben wir praktisch nur Sterbebegleitung gemacht“, sagt Walter Brüsseler, diplomierter Sozialpädagoge und Geschäftsführer des Vereins. Inzwischen sei jedoch durch den medizinischen Fortschritt die Lebenserwartung enorm gestiegen – und damit auch die Zahl der Beratungsbedürftigen.

Trotz der massiven gesundheitlichen Verbesserungen für die Betroffenen, müssen HIV-Positive im Alltag noch immer viele Hindernisse umschiffen und sich der Frage stellen, wem sie sich anvertrauen sollen. Auch Brüsseler hat dazu keinen allgemeingültigen Rat: „Das muss jeder für sich selbst abwägen. Es wäre jedoch naiv, zu glauben, dass es keine Folgen hat, wenn jemand seine Krankheit öffentlich macht – dazu sitzt die Unsicherheit zu tief.“ Die Reaktionen darauf sind unabsehbar. Sie reichen von Verständnis und Zuwendung bis zur völligen Ausgrenzung oder Mobbing.

Dabei gibt es keinen Grund, sich von betroffenen Personen abzuwenden und zu den gesundheitlichen Laster noch soziale Probleme draufzupacken. „Durch Medikamente und Therapie sinkt das ohnehin minimale Ansteckungsrisiko noch weiter und führt sogar dazu, dass das HI-Virus in manchen Fällen überhaupt nicht mehr nachweisbar ist“, sagt Brüsseler. Wichtig ist jedoch, sich bei Verdacht möglichst schnell testen zu lassen. Diese Tests werden von den Gesundheitsämtern kostenlos angeboten und machen eine wirksame Behandlung überhaupt erst möglich.

Neben den Beratungs- und Betreuungsangeboten unterstützt die Aids-Hilfe Bedürftige auch mit finanziellen Mitteln. „Da viele Personen neben ihrer Krankheit von Armut betroffen sind, sorgen wir dafür, dass die teuren Medikamente nicht ausgesetzt werden müssen, wenn das Geld fehlt. Manchmal kümmern wir uns aber einfach nur darum, dass der Kühlschrank wieder gefüllt wird“, erklärt Brüsseler den Zweck des Spendenfonds.

Mit Veranstaltungen rund um den Welt-Aids-Tag will der Verein in Aachen das Bewusstsein für den Umgang mit Aids stärken – und dazu ist vor allem das Interesse und Verständnis der Mitmenschen erforderlich.

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