Aachen - Im Tierheim ist jetzt wieder Hochkonjunktur

Im Tierheim ist jetzt wieder Hochkonjunktur

Von: Lee Beck
Letzte Aktualisierung:
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In der Ferienzeit ist das Tierheim besonders voll. Allein mehr als 40 Hunde werden derzeit in Aachen versorgt, berichtet Lutz Vierthaler, Vorsitzender des Tierschutzvereins. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Traurig schaut ein Mischlingsrüde durch die Gitterstäbe seines Zwingers im Aachener Tierheim. Neben ihm hüpft die Jack-Russel-Dame Anja aufgeregt auf und ab. In einer anderen Ecke schmiegt sich eine schwarze Katze an das Gitter und miaut.

Diese Tiere sind die Gesichter des Tierheims im Feldchen 26. Sie wurden abgegeben, vernachlässigt oder herrenlos aufgefunden. Zur Zeit wohnen gut 40 Hunde, mehr als 90 Katzen und noch viele Kleintiere dort. Besonders jetzt zur Ferienzeit befinden sich wieder viele Tiere, ausgesetzt an Raststätten oder an abgelegenen Plätzen, dort.

Aachen als Durchgangsstadt und unmittelbar an der Grenze ist besonders stark betroffen. „Ich kann nur darum bitten, dass die Leute die Tiere zu uns bringen“, sagt Lutz Vierthaler, erster Vorsitzender des Tierschutzvereins Aachen. So habe man wenigstens die Basisinformationen über die Tiere und könne sie schnell weitervermitteln. „Sonst müssen wir den Umgang mit Kindern oder die Verträglichkeit mit anderen Tieren und Hunden erst ausprobieren. Und das dauert“, weiß der Tierschützer.

Das veränderte Urlaubsverhalten der Deutschen spürt auch das Tierheim. Früher wurden zu den Ferienzeiten immer die meisten Tiere abgegeben. Diese Spitze gibt es immer noch. Aber da viele mehrmals im Jahr in den Urlaub fahren, verteilen sich auch die Funde und Abgaben zeitlich. Viele Tiere im Tierheim können trotzdem gut vermittelt werden. „Die Rücklaufquote liegt eigentlich im Promillebereich“, berichtet Vierthaler.

„Niemals im Auto lassen“

Der Tierschutz liegt Vierthaler besonders am Herzen. Und so weist er auf ein Problem hin, dass den Tieren in diesen heißen Sommertagen zu schaffen macht: Trotz der großen Hitze werden sie von ihren Herrchen einfach im Auto zurückgelassen, wo sie teilweise qualvoll verenden.

„Unter gar keinen Umständen sollte ein Tier bei so einer Hitze im Auto gelassen werden, auch nicht mit geöffnetem Fenster oder nur fünf Minuten lang“, mahnt Vierthaler. Denn innerhalb kürzester Zeit erhitze sich der Innenraum auf 60 Grad.

Im Blick hat der Tierschützer aber auch immer die Probleme der Straßentiere: „Gerade das Katzenelend in Deutschland ist etwa vergleichbar mit dem Hundeelend in Südeuropa“, sagt Lutz Vierthaler. Da viele Tiere nicht kastriert oder sterilisiert sind, vermehren sich die Kätzchen rasant. „Wir unterstützen mit dem Katzenkastrationsfonds die operativen Eingriffe bei Leuten, die es sich nicht leisten können“, erläutert er.

Jeder Cent für die Tiere

Der Tierschutzverein organisiert in naher Zukunft zwei Aktionen. Am Sonntag, 28. Juli, von 11 bis 15 Uhr findet die Vernissage der Ausstellung „ARTenVielfalt – what a wonderful world“ der Künstlerin Marion Brab-Reimann statt. Die Ausstellung kann bis Samstag, 14. September, jeweils montags und dienstags sowie von donnerstags bis samstags von 15 bis 18 Uhr besucht werden. „30 Prozent des Erlöses der verkauften Bilder kommen den Tieren hier im Tierheim zugute“, sagt Vierthaler.

Am Sonntag, 1. September, öffnet das Tierheim von 11 bis 18 Uhr seine Türen für das Sommerfest. Es gibt Attraktionen wie Glücksrad, Slush-Eis oder Ballon-Modellierer, die Gäste können sich aber auch über die verschiedenen Projekte und Tierpatenschaften informieren. „Das Fest ist sehr familienorientiert und soll auch Präventionsarbeit leisten“, betont Vierthaler. Schon Kinder sollen verstehen, warum es ein Tierheim gibt. „Die Gesellschaft entsorgt diese Tiere, und keiner will die Verantwortung tragen“, sagt er kopfschüttelnd.

Auch beim Sommerfest kommt jeder Cent den Tieren zugute. Und das Geld wird dringend gebraucht. „Wir erleben einen 15- bis 20-prozentigen Spendenrückgang seit 2011, das tut schon weh“, sagt Vierthaler betrübt. Von den rund 700.000 Euro an Kosten, die jährlich entstehen, deckt allein die Städteregion rund 200.000. Eine Unterdeckung von 200.000 Euro bleibt unterm Strich trotzdem. „Wir haben durch ein paar Erbschaften ein gutes Polster, das wird aber in fünf Jahren aufgebraucht sein“, befürchtet der Vorsitzende.

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