Im Sommer schlägt der Puls langsamer

Von: Gerald Eimer
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Das Aachener Organisationsteam von „Pulse of Europe“ wird im Sommer kürzer treten und nur noch einmal monatlich zu den pro-europäischen Kundgebungen aufrufen. An diesem Sonntag und am kommenden Mittwoch soll es anlässlich der Karlspreisverleihung aber noch mal richtig rund gehen auf dem Katschhof. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Europabewegung „Pulse of Europe“ (PoE) schaltet vom Sprint auf den Marathonmodus um. Der engmaschige Wochenrhythmus der Veranstaltungen sei auf Dauer nicht durchzuhalten, gab das örtliche Organisationsteam am Freitag bekannt, das gleichwohl an den erprobten Aktionsformen festhalten will.

„Wir möchten das Greenpeace Europas werden“, erklärte Beate Roderburg. „Wir wollen immer laut werden, wenn es in Europa zu brennen anfängt.“

Nach diesem Prinzip hat die PoE-Bewegung, die vor kaum einem halben Jahr von dem Frankfurter Daniel Röder ins Leben gerufen wurde, eigener Einschätzung nach „die schweigende Mehrheit“ für ein friedliches und demokratisches Europa auf die Straßen geholt. Alleine in Aachen beteiligten sich in der Spitze bis zu 2500 Menschen an den sonntäglichen Kundgebungen. Mehr als 130 Städte in ganz Europa haben sich zwischenzeitlich angeschlossen.

„Wie klein müssen sich die Pegida-Anhänger dagegen vorkommen“, meint Joachim Sina, Sprecher des Aachener PoE-Teams, der in den pro-europäischen Kundgebungen von Anfang an auch eine Antwort auf die Montagsdemonstrationen in Dresden gesehen hat. Viele Menschen hätten heute erkannt, dass man für vermeintlich sicher geglaubte Werte wieder kämpfen müsse: „für Frieden, Freiheit, Solidarität und Vielfalt“.

Als „größte Open-Air-Therapie gegen geschundene europäische Seelen“ bezeichnet PoE-Moderator Manfred Kutsch die sonntäglichen Treffen, bei denen keine geschliffenen Politikerreden zu hören sind, sondern ganz normale Menschen am offenen Mikro Redezeit erhalten. Das mache den besonderen Reiz der Veranstaltungen aus, auf denen nicht gegen, sondern für etwas demonstriert wird. „Diese positive Aura ist ein wertvoller Beitrag für die politische Kultur“, schwärmt Kutsch, der ebenfalls das „Greenpeace“-Bild aufgreift: „Wir kapern keine Ölplattformen, aber sinnbildlich die Bürotürme von 45.000 EU-Beamten.“ Er fügt hinzu: „Wir rühren in den Wunden Europas, um sie zu heilen.“

Über die Sommermonate hinweg wird man sich nun allerdings nur noch einmal monatlich treffen – und zwar an jedem ersten Sonntag im Monat. So wurde es auf einem Delegiertentreffen in Frankfurt verabredet. Einigkeit bestand dort auch darüber, sich in keine parteipolitische Ecke drängen lassen zu wollen und sich kein festes Programm zu geben. Man werde weiter auf die Straße gehen und weiterhin den Normalbürgern eine Redezeit von drei Minuten an den „offenen Mikros“ ermöglichen. „Wir wollen flexibel bleiben“, sagt Beate Roderburg, Aachener Delegierte beim PoE-Bundestreffen.

Und so wird man nach der nun schon eingespielten Kundgebung am morgigen Sonntag ab 14 Uhr auf dem Katschhof allmählich das Tempo aus dem Veranstaltungsreigen nehmen. „Zunächst geht es aber nochmal richtig rund“, wirbt Iris Hilker. Auf die Rednerliste haben sich diesmal auch Karlspreis-Sprecher Jürgen Linden, ALRV-Ehrenpräsident Klaus Pavel und Komiker Jürgen Beckers setzen lassen. Von den Promis sollten sich jedoch keinesfalls die „normalen Bürger“ abhalten lassen, ebenfalls ans Mikro zu gehen, wünschen sich die örtlichen Organisatoren.

Gleichwohl freuen sie sich, dass ihr Engagement längst auch von den Politikern gewürdigt wird. Ob Bundeskanzlerin oder Bundespräsident – alle finden immer wieder lobende Worte für „Pulse of Europe“. „Wir haben bei vielen Menschen eine Begeisterung entfacht, die viele Politiker so gar nicht mehr kannten“, meint Joachim Sina.

In Aachen habe der Karlspreis mit der PoE-Bewegung sinnbildlich „einen Bauch in die Bevölkerung“ bekommen, sagt Sina. Und tatsächlich hat auch das Karlspreis-Direktorium alles daran gesetzt, die Bürgerbewegung in den Festakt zur Karlspreisverleihung am kommenden Donnerstag einzubeziehen.

Bereits am Vorabend der Preisverleihung soll es am Mittwoch, 25. Mai, ab 18.30 Uhr einen „Pulse of Europe Light“ geben, kündigt Iris Hilker an. PoE-Gründer Daniel Röder wird ebenfalls anwesend sein.

Ab September wieder wöchentlich

Danach wird es deutlich ruhiger um die Bewegung werden. Erst am 2. Juli wollen sich die Aachener PoE-Organisatoren mit einer Aktion am Rande der Tour de France-Etappe durch Aachen zurückmelden.

Es folgt ein weiteres Treffen am 6. August, bevor der Pulsschlag Europas ab 3. September wieder wöchentlich auf dem Katschhof zu sprüen sein wird – bis zur Bundestagswahl am 24. September.

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