Im Projekt Generationsbrücke begegnen sich Alte und Junge

Von: Jule Klieser
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Interessierter Zuhörer: Tom B
Interessierter Zuhörer: Tom Buhrow und seine Frau Sabine Stamersind Schirmherren des Projektes Generationsbrücke. Dessen Keimzelle ist das Brander Marienheim, wo sich der Tagesthemen-Moderator jetzt über die Entwicklung informierte. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Neun alte Menschensitzen im Kreis im Marienheim. Neben jedem von ihnen ist ein Stuhl frei, für die Grundschulkinder, die kurz darauf in den Saal kommen. Alte und Junge kennen sich schon, denn sie begrüßen einander freudig und herzlich.

Es ist ein besonderer Tag, denn sonst findet die Begegnung vormittags statt. Zu Besuch sind nämlich Tagesthemen-Moderator Tom Buhrow und seine Frau Sabine Stamer, die Schirmherren des Projekts Generationsbrücke. Schon seit vier Jahren besuchen Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsgrundschule Brander Feld im Rahmen des Projektes einmal im Monat das Seniorenheim, um mit den Alten zu sprechen, zu singen und zu spielen.

Jetzt sitzen alle im Kreis und singen einige Lieder zur Begrüßung. Moderatorin Susanne Schmitz erzählt, dass ein Bewohnerpartner vor kurzem gestorben ist. Der jetzt verwaiste, dazugehörige Junge sieht traurig aus. Er bekommt Applaus, zum Trost und weil er den letzten Lebensabschnitt des Verstorbenen mit verschönert hat. Dann werden Luftballons hervorgeholt, und Kinder und Senioren kommen mit Ballons und Tüchern in Bewegung.

„Die Kinder lernen, mit den alten Menschen umzugehen. Sie lernen, dass Alte langsamer sind, nicht gut hören oder sehen. Auch das Thema Tod kommt zur Sprache”, beschreibt Schulleiterin Anke Schürings das Projekt, das in ihrer Schule unter dem Titel „Begabungsförderung im sozialen Bereich” steht.

Jedes Schuljahr werden dafür zehn Kinder, die es möchten, aus den dritten und vierten Klassen ausgewählt. Sie werden auf die Besuche im Altenheim gut vorbereitet. „Eine Win-Win-Situation für beide Seiten”.

Horst Krumbach, Vorsitzender und Gründer der Generationsbrücke, hatte die Idee 2007 aus Amerika mitgebracht und gemeinsam mit einigen Mitstreitern an hiesige Verhältnisse angepasst. Seit die Generationsbrücke-Mitarbeiterinnen mit der Schülerbegleitung im Marienheim angefangen haben, sei das Interesse an dem Projekt über die Grenzen Aachens hinaus immer größer geworden.

Es existiert mittlerweile in fünf Bundesländern in insgesamt 15 Pflegeheimen. „Wir wollen alte und junge Menschen zusammen bringen”, beschreibt er das Ziel. Schließlich beschränke sich die demographische Entwicklung nicht nur auf die Rentenfrage. „Junge sollen sensibel werden für die Bedürfnisse Älterer, damit sie aufeinander zugehen”, sagt Krumbach. Für die Bewohner sei es eine große Freude, wenn die Kinder sie besuchen. „Die Kinder machen nicht etwas für die Senioren, sondern mit ihnen.”

Mindestens ein Schuljahr lang bleiben die jeweils acht bis 10 Kinder bei ihrer Aufgabe, damit Beziehungen entstehen können. Drei Koordinatorinnen, die die Begegnungen moderieren, bilden das Team der Aachener Generationsbrücke, dazu kommen drei Ehrenamtliche als helfende Hände.

Nach dem Luftballon-Tanz sollen Jung und Alt sich über die Ferienzeit austauschen. Die Kinder schreiben auf, was sie von den Senioren zum Thema „Ferien” erfahren.

Tom Buhrow hat sich zu einem Grüppchen gesellt, um zu lauschen, was die Generationen einander zu erzählen haben. Anfang dieses Jahres haben er und seine Frau die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen. Den Aufenthalt in Aachen mit einer Lesung aus seinem Buch hat er mit dem Besuch im Marienheim verbunden. „Es ist wirklich bewegend zu sehen”, sagt er über die Begegnung. Im Kreis berichten die Kinder, was sie erfahren haben und vergleichen es mit ihrem eigenen Leben. Urlaub war zur Jugendzeit der Alten viel kürzer, und wenn überhaupt, dann sind die Familien mit dem Bus weggefahren. Meistens aber hieß es: zu Hause spielen, mit Reifen und Stöckchen, im Wald und auf der Straße. „Die meisten hatten nicht so viel Geld”, wissen die Kinder.
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