Aachen - Im Preuswald bröckelt mehr als nur der Putz

Im Preuswald bröckelt mehr als nur der Putz

Von: Gerald Eimer
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Das Marienhospital zieht sich Ende des Jahres mit seinem Kursangebot aus dem Schwimmbad im Preuswald zurück. Ob es weiter geöffnet bleibt, steht in den Sternen. Foto: Harald Krömer
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Verfall: Eine Tiefgarage wurde wegen erheblicher Mängel von der Bauaufsicht geschlossen. Anwohner werfen dem Eigentümer Annington vor, die Verwahrlosung einkalkuliert zu haben.

Aachen. Vor kaum vier Monaten haben Aachens Politiker ein sogenanntes Handlungskonzept verabschiedet, durch das die Siedlung Preuswald wieder nach vorne gebracht werden soll. Doch der Trend zum Schlechteren scheint einfach nicht gestoppt zu werden. Zum Ende des Jahres wird das Marienhospital den Betrieb in dem von ihm bewirtschafteten Schwimmbad einstellen.

Und zuvor schon soll eine Parkpalette mit gut 120 Stellplätzen niedergelegt werden. Der Grund in beiden Fällen: Die Gebäude sind völlig heruntergekommen, der Investitionsstau ist gigantisch, eine Sanierung kaum noch wirtschaftlich.

Das passt ins Bild, das die im Preuswald aktive Bürgerinitiative und die Politik seit geraumer Zeit von dem Mehrheitseigentümer Deutsche Annington haben: Die Immobiliengruppe hole das Maximale aus den Bauten raus, ohne etwas für den Bestand zu tun, kritisieren sie. Das Ergebnis seien „verwahrloste Problemimmobilien“, konstatierte die Stadtverwaltung im Dezember. Gemeinsam mit der Politik sagte sie den Preuswald-Bewohnern zu, der Deutschen Annington die Grenzen der Renditesucht aufzuzeigen. Doch derzeit haben Vertreter der Initiative Preuswald wieder einmal das Gefühl, dass die Stadt ihrem Versprechen nur halbherzig nachkommt.

So verweist Reiner Elsing, einer der Sprecher der Initiative, auf den im Preuswald geltenden Erbbaurechtsvertrag, den Annington seiner Ansicht nach grob missachtet. Als Pächter der städtischen Grundstücke ist sie demnach zur Instandhaltung der Gebäude und Anlagen verpflichtet. „Erforderliche Ausbesserungen und Erneuerungen sind stets unverzüglich vorzunehmen“, heißt es in dem Vertrag. Ein Abbruch oder Veränderungen von Gebäuden und Anlagen ist nur mit Genehmigung der Stadt als Grundstückseigentümerin möglich.

Nun fragen sich die Preuswald-Initiativler, warum die Stadt ihre Rechte nicht wahrnimmt und stattdessen der Annington bereits eine Abrissgenehmigung für die Parkgarage erteilt hat. „Es ist Aufgabe der Stadt, die Annington in die Pflicht zu nehmen“, wettert Elsing. Man könne nicht immer nur klagen, dass man dem Immobilienriesen hilflos ausgeliefert sei, denn jetzt habe man endlich mal eine Handhabe, die nötige Sanierung von Schwimmbad und Parkgarage einzufordern. „Das ist die Nagelprobe“, meint Elsing.

Die Abrissgenehmigung befreie die Annington nicht von anderen Pflichten, betont der städtische Pressesprecher Hans Poth – wohl wissend, dass in diesem Fall sogar mehrere Fachbereiche aneinander vorbei gearbeitet haben: Die Bauaufsicht hat eine Abrissgenehmigung erteilt, von der weder das Immobilienmanagement noch der Fachbereich Wohnen etwas wussten. Pikanterweise ist jedoch der Leiter des FB Wohnens, Hans Körfer, zugleich der städtische Preuswald-Beauftragte.

Noch sei nicht klar, was ersatzweise für die Parkpalette geschaffen werden soll. Der ganz große Bedarf für Parkplätze sei nicht vorhanden, hat die Stadt festgestellt. Da mache es wenig Sinn, eine neue Garage zu erstellen, in die sich anschließend niemand einmiete. Was alternativ getan werden könne, wolle man gemeinsam mit der Annington ausloten. Ein Kontakt sei bislang jedoch nicht zustande gekommen, sagt Poth.

Doch während die Stadt noch in der Überlegungsphase ist, scheint Annington längst klare Vorstellungen zu haben. Eine „Nachrichten“-Anfrage beantwortet Pressesprecher Philipp Schmitz-Waters kurz und bündig: „Es ist vorgesehen, die Tiefgarage zeitnah durch Stellplätze und Einzelgaragen zu ersetzen.“

Offener äußert er sich hingegen über das vom Marienhospital genutzte Schwimmbad: „Die Deutsche Annington ist momentan mit dem Marienhospital im Rahmen der Verlängerung des Mietvertrages über erforderliche Investitionen in konkreten Gesprächen. Ein abschließendes Ergebnis gibt es bisher nicht.“

Auch zwei Schulen betroffen

Das sieht hingegen Rolf-Leonhard Haugrund, Geschäftsführer der Marienhospital-Stiftung, anders. Der Betrieb werde zum 31. Dezember eingestellt, teilt er auf Anfrage mit. Im Falle einer Sanierung des Schwimmbads würde der Pachtbeitrag so sehr steigen, dass sich dies nicht mehr mit dem Betreiberkonzept vereinbaren lasse, sagt Haugrund. Die bislang dort angebotenen Kurse des „Zentrums für Gesundheitsförderung“ sollen verlagert, teils aber auch ganz eingestellt werden. Zwei Schulen müssen sich dann wohl auch andere Schwimmstätten für ihren Unterricht suchen.

Derweil spricht Elsing von einer „quasi-öffentlichen Einrichtung“, die einzig deswegen geschlossen werde, „weil die Annington ihren Verpflichtungen nicht nachkommt“. Das dürfe die Stadt nicht hinnehmen.

Die allerdings wusste bislang noch gar nichts von der bevorstehenden Einstellung des Betriebs. „Das Problem Schwimmbad war uns unbekannt“, sagt Poth, „wenn es nicht weitergeführt würde, wäre das sicher ein weiteres negatives Ereignis für die Siedlung.“

Um dies abzuwenden, soll das Thema laut Poth auf die Tagesordnung für ein Treffen gesetzt werden, zu dem Oberbürgermeister Marcel Philipp den neuen Annington-Vorstandsvorsitzenden Rolf Buch eingeladen hat. Wann es stattfinden wird, ist noch offen. Und ob es greifbare Ergebnisse und ein Einlenken geben wird, ist ungewiss.

Für die Preuswald-Initiative ist die Annington die Hauptverantwortliche für den Niedergang der einstigen Mustersiedlung im Grünen. Sie lasse die Bausubstanz verkommen und kassiere Mieten und Nebenkosten über das Sozialamt ein. Wenn die Stadt jetzt nicht Druck ausübe, ist dies „eine politische Bankrotterklärung“, meint Elsing.

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