Aachen - Im Pflegeheim St. Elisabeth tauschen Mitarbeiter die Abteilungen

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Im Pflegeheim St. Elisabeth tauschen Mitarbeiter die Abteilungen

Von: Lee Beck
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Nathalie Lorer zeigt, wie es geht: Im Rahmen der ersten Tauschwoche im Pflegeheim St. Elisabeth leitet die Reinigungskraft Heimleiter Peter Rode an, der seinen Schreibtisch mit Wischmopp und Lappen getauscht hat. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Als Putzfee macht Peter Rode eine gute Figur. Der Mopp liegt ihm gut in der Hand. Wenn er erst einmal Tempo beim Wischen aufgenommen hat, kann ihn so schnell nichts mehr stoppen. „Haben sie gesündigt, dass sie heute putzen müssen?“, fragt Gertrud Bongartz, Bewohnerin des Pflegeheims St. Elisabeth, den Leiter der Einrichtung mit großen Augen.

Nein, gesündigt hat Peter Rode nicht. Er möchte nur wissen, wie man sich als Reinigungskraft in seinem Pflegeheim fühlt. Es ist die allererste Mitarbeiter-Tauschwoche in der Einrichtung an der Welkenrather Straße, die von den Aachener Caritasdiensten (ACD) getragen wird. Fünf Tage lang können sich die Angestellten die Berufsfelder der Kollegen anschauen. Von der Verwaltung geht es in die Ergotherapie und von der Großküche in den Empfang.

Oder eben von der Einrichtungsleitung an den Mopp. „Ich möchte, dass die Tätigkeiten der anderen in diesem Haus gegenseitig wertgeschätzt werden“, sagt Peter Rode über die Idee, eine Tauschwoche zu veranstalten. Er hat sich den Beruf der Reinigungskraft ausgesucht, weil er davon überzeugt ist, dass diese Tätigkeit die geringste Wertschätzung erfährt. Insgesamt sind zehn Bereiche beteiligt.

Bei der Aktion soll der reibungslose Ablauf des Betriebes nicht gestört werden. Deswegen wird er von Reinigungskraft Nathalie Lorer angeleitet und begleitet. Sie ist ein wahrer Wirbelwind: Beim ersten Patientenzimmer schaut Rode ihr ungläubig zu. In Windeseile wischt sie über Klinken, Tische, Waschbecken und die Toilette. Am Ende geht’s noch einmal mit dem Wischmopp durch das Zimmer, dann ist sie fertig. „Ich bin beeindruckt, das geht so schnell und ist dennoch gründlich“, sagt Rode, während er sich die gelben Gummihandschuhe überstreift. In den Taschen seiner Jeans stecken schon die Müllbeutel – gut ausgerüstet, ist er allemal. Nur der Kittel fehlt, den gab es in seiner Größe nicht.

Es gibt viel zu beachten: Der Putzkarren hat für jeden Lappen ein spezielles Fach. „Das ist ganz schön kompliziert“, erzählt er. Rode stehen nach ein paar Minuten schon Schweißperlen im Gesicht. „Ich habe mir vorher schon vorgestellt, dass es anstrengend wird“, sagt er und wischt sich mit dem Handrücken über die Stirn. „Aber dass es so anstrengend ist, hätte ich nicht gedacht“, sagt er.

Die Bewohner und Angestellten der Einrichtung müssen beim Anblick Rodes lachen. Wohnbereichsleiterin Ursula Urbanek ist von der Idee der Tauschwoche begeistert. „Wirklich toll!“ Sie selbst wird sich die Verwaltung anschauen. Auch Verwaltungsleiterin Gerlinde Deil ist in die Ergotherapie gewechselt und begleitet Therapeutin Barbara Bischoff. „Es ist interessant, einfach mal etwas anderes zu sehen“, sagt Deil. Sie schaut Bischoff dabei zu, wie sie Handübungen mit einer an Parkinson erkrankten Bewohnerin macht. Ein oder zwei Mal in dieser Woche mehrere Stunden lang tauschen die Mitarbeiter.

Nathalie Lorer ist froh, ihren Chef heute an ihrer Seite zu haben. „Es ist toll! So versteht er auch mal unsere Probleme und wie wir uns fühlen“, sagt sie. Nathalie Lorer macht ihren Beruf gerne, vor allem mag sie, wenn hinterher alles blinkt und sauber ist. Nach einer Stunde sagt sie zu Rode: „Sie machen eine Pause und ich mache weiter!“ Doch das will der 52-Jährige, der seit 15 Jahren in St. Elisabeth arbeitet, nicht hören, obwohl er das Angebot zu schätzen weiß. „Nein, ich mache auch weiter“, antwortet er. Als ihm ein Lappen runterfällt und er sich Bücken muss, schmerzt ihm der Rücken. „Ich glaube, dass diese Arbeit wirklich auf den Rücken geht“, sagt Rode. Man gewöhne sich daran und später sei es nicht mehr so schlimm, klärt Nathalie Lorer auf.

Rode hat die betriebswirtschaftlichen und kaufmännischen Entscheidungen, die er sonst fällt, gegen insgesamt acht Stunden mit dem Putzlappen eingetauscht. In diesen Stunden putzt er etwa 40 Zimmer. Für den Nachmittag hat er ein frisches Hemd eingepackt. Und das braucht er auch.

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