Aachen - Im Karlsjahr werden die Hotelbetten knapp

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Im Karlsjahr werden die Hotelbetten knapp

Von: Werner Breuer
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Schichtwechsel auf der Bühne: Das Blechbläserensemble des Sinfonieorchesters Aachen eröffnete den Festakt auf dem Katschhof musikalisch, bevor Bundespräsident Joachim Gauck das Wort ergriff.
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Ein echter Steher: Kulturbetriebsleiter Olaf Müller harrte nach einer kurzen Ansage 23 Minuten still am Rednerpult aus.
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Im Rathausfoyer bildeten sich am Freitag die ersten Schlangen für die Ausstellung im Krönungssaal.

Aachen. Der Bundespräsident hat seinen Job gemacht, jetzt kann Werner Schlösser die Ernte einfahren. „Das wird ein touristisch hochinteressanter Sommer“, sagt der Geschäftsführer des „aachen tourist service“ (ats). Die drei großen Ausstellungen zum Karlsjahr sind eröffnet, die Stadt wird voller und die Hotelbetten werden knapper.

Dabei gehört Ausstellungseröffner Joachim Gauck aus der Perspektive des Tourismusmanagers eher in die andere Reisegruppe, die aktuell die Stadt bevölkert. „Die Besucher der Heiligtumsfahrt“, erklärt Schlösser, „sind eher Tagestouristen.“ Der Bundespräsident war im Grunde nicht einmal das. Gerade mal knappe drei Stunden dauerte seine Aachen-Visite.

Begonnen hatte sie am Donnerstagnachmittag auf dem Markt, wo Gauck unter anderem von einer Handvoll Demonstranten mit Plakaten und „Kriegshetzer“-Rufen empfangen wurde. Der Gast steckte es augenscheinlich locker weg, winkte von der Rathaustreppe den unten versammelten Öchern zu und warf eine Kusshand in Richtung der Protestierenden. Damit hatte er die Lacher auf seiner Seite.

Ein Bett für das müde Staatsoberhaupt wurde bei der Stippvisite nicht gebraucht. Es wäre für Herrn Gauck und Frau Schadt natürlich noch zu organisieren gewesen, aber bei einer größeren Entourage wird es laut Schlösser allmählich eng. „An den Wochenenden wird es schwieriger, größere Gruppen unterzubringen.“ Für Einzelbesucher ließe sich jedoch immer noch ein Eckchen finden. Die Übernachtungszahlen seien schon in den ersten vier Monaten des Karlsjahres deutlich gestiegen, berichtet Schlösser, „ein Plus von 10,8 Prozent“. Das liege aber auch an der Eröffnung eines neuen Hotels im ehemaligen Gesundheitsamt am Bahnhof.

Dabei steht noch größeres Gedränge bevor, wenn das Reitturnier vom 11. bis zum 20. Juli weitere Menschenmassen in die Aachener Soers lockt. Für Pferdesportler, Funktionäre und Journalisten seien in vielen Hotels schon Kontingente gebucht, weiß der ats-Chef. Auf der Luftmatratze schlafen müssen die anderen deshalb nicht. „Das kriegen wir hin“, verspricht Schlösser, notfalls würden die Besucher in Herbergen im Umland, auch jenseits der Grenzen, einquartiert.

Und die Heiligtumsfahrt ist dann auch vorbei. Bei der Bettennachfrage fällt die nach Ansicht von Werner Schlösser ohnehin weniger ins Gewicht. Von einzelnen Fernpilgern abgesehen sei das ein eher regionales Ereignis, bis zum eigenen Bett haben die Besucher es meist nicht weit.

Karlsausstellungsbesucher sind da ein anderes Kaliber. „Die bleiben im Schnitt 1,7 Nächte“, weiß der ats-Geschäftsführer, „manche auch länger.“ Nicht selten bilde Aachen mit seinen Karlsausstellungen das Basislager für weitere Ausflüge, auch ins nahe Ausland. Überwiegend kämen die Besucher aus Deutschland, sagt Schlösser, das Publikum der Karlsausstellungen sei weniger international als etwa bei Kongressen.

Die Deutschen kennen immerhin ihren Bundespräsidenten. Ein englisches Touristenpaar auf dem Markt musste erst die dort wartenden Journalisten fragen, wer denn der winkende Mann auf der Treppe sei. „The President of Germany? Oh, really?“ Ja wirklich, es war der echte Gauck vor dem Rathaus. Dahinter wurde er zwischenzeitlich würdig vertreten durch Olaf Müller. Der Leiter des städtischen Kulturbetriebs hatte die Aufgabe übernommen, die 900 geladenen Gäste rechtzeitig aufzufordern, doch bitte Platz zu nehmen, auf dass sich der hohe Gast nicht womöglich noch seinen Weg durch smalltalkende Grüppchen bahnen muss. Nach der Ansage blieb Müller tapfer am Rednerpult stehen, still und freundlich lächelnd – exakt 23 Minuten lang. Soviel Stehvermögen verdient Respekt.

Derweil gab es im Rathaus für den hohen Besuch die erste Führung – und viele werden folgen: Rund 2900 Gruppenführungen seien schon gebucht, berichtet Werner Schlösser. „Da wird es allmählich schon schwieriger, einen Termin zu finden.“ Der ats-Geschäftsführer betont aber, dass es „immer Lösungen“ gebe. Nur für die freie Auswahl unter vielen Terminen sei es inzwischen zu spät.

Dass die Frühbucher schon zum Zuge gekommen sind, liegt an der frühen Planung der Tourismusmanager. „Wir haben vor zwei Jahren schon angefangen“, sagt Schlösser. Mit Hilfe einer Agentur wurden etwa bei Busunternehmen oder Veranstaltern von Kulturreisen („das waren 5000 Adressen“) beizeiten Nägel mit Köpfen gemacht. Öffnungszeiten, Preise, Termine für Führungen – das alles sei lange im Vorfeld festgelegt worden. „Wir bekommen jetzt die Belohnung dafür, dass wir das alles so früh gemacht haben“. sagt Schlösser.

Aber den Termin fürs Karlsjahr konnte man sich ja auch schon 1200 Jahre vorher ausrechnen.

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